Vor zwei Tagen; Pompeji und Neapel

Spruch zum Tag; Menschenmassen vor den Kassen. Wir reihen uns ein. Denn Pompeji, das muss sein!

…an der Kasse. Schulklassen ohne Ende.

Schon im Geschichtsunterricht faszinierte mich dieser Ort. Das Buch „die letzten Tage von Pompeji“ habe ich verschlungen. Im gläsernen Pavillon am Haupteingang der Neustadt Pompei, sind sie ausgestellt. Die Gipsabdrücke der Opfer des Vulkanausbruches am 24. August 79n.Chr. Gruselig und ein wenig bedrückend wirken die Momentaufnahmen derer, die die Vorzeichen des Ausbruchs in den Wind geschrieben haben und geblieben sind. Sie wollten sich von Besitz nicht trennen- eine Entscheidung mit fatalem Ausgang.

Als wir das imposante Portal der Arena betreten, fühle ich mich in die Antike zurück versetzt. Sehe bewaffnete Gladiatoren mit ihren Streitwägen, höre hungrige, wilde Tiere brüllen und vernehme die Laute sensationslüsterner Menschen, die von den Tribünenplätzen johlen. Zuletzt hat man hier 1972 „Pink Floyd“ zugejubelt, die in der Arena ein Konzert gegeben haben. Es wurde sogar ein Film darüber gedreht. „Pink Floyd in Pompeji“. In den Gängen, von wo aus die Gladiatoren in die Arena schritten, tönt heute ihre Musik. Finde ich irgendwie unpassend und stört mein Kopfkino, aber was soll’s.

Das Gelände ist riesig. Man benötigt mindestens einen Tag, um ALLES zu sehen. Ohne Karte verirrt man sich schnell oder wandert im Kreis. Durch mehrere Eingangsportale werden jährlich 3,4 Millionen Menschen in die Ruinenstadt geschleust. Dabei sind die Ausgrabungen erst zu zwei Drittel abgeschlossen. Überall trifft man auf Arbeiter in abgesperrten Arealen.

Einige Villen der wohlhabenden Pompeijaner sind noch sehr gut erhalten.

Über ein Bad wie dieses, verfügte nur die „Upper Class“

Am Meisten amüsieren wir uns über die Tatsache, dass es schon damals Poller gab!

Die Straßen waren so angelegt, dass sie nur von Fuhrwerken mit einem genormten Radabstand befahren werden konnten. Wer der Norm nicht entsprach, musste auf passende Fuhrwrke umladen.

Ein Traumtag in den Gassen von Pompeji
Die Original Wandfarben sind nach 2000 Jahren! noch erhalten😮

Es gäbe noch so viel über Pompeji zu erzählen, aber am besten seht ihr es euch selbst einmal an. Es lohnt sich!😊

Rosengarten in der Villa des Fauns
Eine Replika des Fauns. Das Original steht im Museum in Neapel

Napoli

Wir waren nicht sicher, ob wir der Dame am Campingplatz „Spartacus“ glauben sollten. Als wir andeuteten, mit dem Würstelstand nach Neapel fahren zu wollen, schlug sie die Hände über den Kopf zusammen. Das sei viel zu gefährlich, schon alleine wegen des Verkehrs. Viel besser wäre es, wir nämen den Zug der fußläufig in nur zehn Minuten zu erreichen sei. Nach dieser Ansage, bemerke ich ein vertrautes Aufflackern in den Augen meines Helden. Dies wiederum bedeutet, Mann, spürt eine Herausforderung! Was bei Frau wiederum, eine gänzlich andere Reaktion auslöst. Er wird doch nicht…“Pah, höre ich ihn auch schon sagen, das schaffe ich mit links“ Daraufhin setze ich meinen leidensten Blick auf, in der Hoffnung, ihn umzustimmen. Immer gelingt das nicht, aber nach 12 Stunden Zitterpartie vernehme ich erleichtert; „Ok, vielleicht ist der Zug doch die bessere Lösung“. Wer wie ich, diesen Mann sehr gut kennt und weiß wie sehr er Öffis hasst, darf diese Aussage als reinen Glücksmoment werten. Mir fällt ein Stein von Herzen!😅

Nach einer halbstündigen Rumpel- Tour im heillos überfüllten Zug, steigen wir im Zentrum an der Station Garibaldi aus.

Alle wollen nach Napoli

Über ein riesiges, modern gestaltetes Shopping Areal, geht es über die Piazza Garibaldi durch die verschlungenen Gassen zu unserem Ziel, dem Archäologischen Museum. Tante Google bringt uns nach 30 Minuten Fussmarsch punktgenau hin. Wieder Menschenmassen, vor allem Schulklassen. Wieder anstellen. Leider schaffen wir es nicht, alles zu sehen, denn unser Zeitplan ist eng.

Antike Emanze auch Amazone genannt
Das sind keine Brüste, sondern Hoden

Zurück laufen wir ohne Frau Google, denn einen Weg, den ich einmal gegangen bin, merke ich mir für immer. Da staunt sogar mein Held!

Einer der hübscheren Läden

Der Weg durch Neapel ist spannend, die Häuser sind verkommen, die Gassen verdreckt. Der Verkehr ist tatsächlich mörderisch. Die Luft ist erfüllt von Verkehrslärm, Gehupe und Geschrei.

Unzählige, winzige Läden bieten alles und sind die Lebensgrundlage vieler Neapolitaner. Von Obst, Gemüse, Haushaltswaren und Bekleidung bis hin zu einer finsteren Schmiede in der Eisen kunstvoll gebogen wird. Aus einem Fenster im ersten Stock brüllt ein Neapoletaner einen Touristen an, der den mit Plastikblumen übersähten Balkon fotografieren will. Er wettert solange, bis der verschrecken Mann verschwindet.

Diese Stadt mit knapp einer Million Einwohner ist ein eigener Kosmos mit eigenen Regeln. Pulsierend, laut, verwinkelt, dreckig und übersät mit Baustellen. Gerade das macht sie für mich faszinierend. Manchmal schien es mir, als würde jeden Moment Sofia Loren aus einem alten Film, kokett in einem der Gässchen erscheinen. Mein Mann wäre mit Sicherheit hingerissen gewesen …

Ich kann nur wieder sagen; „Schaun‘ sie sich das an …“

Garibaldi
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