Wie es ist, privilegiert zu sein …

Wie so oft, sehen wir uns nach dem Abendessen in die Augen und denken beide dasselbe: Ein Spaziergang durch die Au, wird uns jetzt gut tun.

Bald darauf schlendern wir durch das Dorf, überqueren die Straße, passieren das neue Altersheim und besuchen das Grab der Eltern. Fünf Minuten später befinden wir uns inmitten unberührter Natur.

Die Abendsonne leuchtet durch das frühlingsgrüne Laub, die Salzach fließt träge und Sonnensterne tanzen auf dem Wasser. Vögel singen voller Inbrunst und ein Entenpaar schnattert aufgeregt. Es klingt nach einem heftiger Disput. Wir schmunzeln, denn es erinnert an eigene Ungereimtheiten.

Schweigend nehmen wir uns an den Händen und schlendern den vertrauten Weg entlang. Menschen kommen uns entgegen, oder überholen uns. Vom nahen Fußballplatz feuern Fans ihre Mannschaften an und blasen die Trompeten. Mit jedem Schritt, entfernen wir uns vom Lärm des Spiels, bis wir nur noch Vogelgezwitscher und das leise strömen des Wassers vernehmen.

Plötzlich wird mir klar, wie schön mein Leben ist. Jeden Schritt und jeden Atemzug genieße ich. Ich freue mich, dass wir zusammen sind, gesund sind, der Tisch immer reichlich gedeckt ist, und wir ein Dach über dem Kopf haben.

Nach dem Spaziergang beobachten wir den Sonnenuntergang, lümmeln auf unserer Gartenbank und genehmigen uns ein Gläschen Wein. In all den Wirren und Unabwägbarkeiten dieser Zeit, lebe ich mein Glück bewusst, obwohl ich weiß, dass es viele Menschen gibt, denen es nicht so gut geht.

21:00 Uhr, wir sehen uns einen Tatort an. Er spielt in Berlin. Wir kennen diese Stadt nur flüchtig. Freunde von uns leben dort. Die Handlung ist deprimierend und lässt uns bedrückt zurück. Und wieder sehen wir uns in stiller Übereinkunft an. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mich privilegiert fühle.

Und dennoch denke ich, dass wir unser Glück selbst erschaffen haben. Dadurch was wir leben, wie wir es leben und wo wir es leben. Ich danke aber auch den Zufällen, die dies ermöglicht haben.

In diesem Sinne- euch allen ein schönes, genussvolles Wochenende☀️☀️☀️

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Ich bin aufgeschlossen, schaue gerne hinter die Kulissen und lasse mich von Blendern nicht aufs Glatteis führen. Menschen die offen und freundlich sind und die zurücklächeln, wenn man sie auf der Straße trifft, schätze ich. Die Grantigen können mir gestohlen bleiben. Ich schreibe für mein Leben gerne und kann dies nun endlich ohne Einschränkung tun! Ruhestand ist schon was schönes- schwöre!

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