Heimat, bist du großer Deppen …

Von Peter Ustinov stammt das Zitat; „das Gefährliche an alten Herren ist, dass sie sich nicht mehr fürchten müssen“. Das gefällt mir. Ich nehme es hiermit auch für mich, als Frau, in Anspruch. Mein Leben ist nie linear verlaufen. Es war spannend und intensiv. Die Früchte meines 40- jährigen Arbeitslebens darf ich nun genießen. Und ich genieße es, veröffentlichen zu können was ich denke, und finanziell unabhängig zu sein. All das habe ich mir hart erarbeitet.

Mein Großvater war erfolgreicher Landwirt und in der damaligen Zeit meines Wissens, der einzige „Sozi“ in seiner Zunft. Das kam daher, dass er als junger Mann Eisenbahner war, und miterlebt hat, wie seine Genossen 1934, von den Anhängern der „Christlich sozialen“ hingerichtet wurden. Das konnte er nie vergessen und seine Erzählungen haben meine politische Einstellung geprägt. Ich bin mir sicher, nicht die Einzige zu sein, die dahingehend vom Elternhaus beeinflusst wurde.

In den Achtzigern war ich politisch ausgesprochen engagiert. Mit meiner Meinung habe ich nie hinter den Pinzgauer Bergen gehalten. So auch 1989. Enttäuscht durch die Waldheimaffäre und anderer Skandale der sozialistischen Partei, schrieb ich einen vierseitigen Brief an Bruno Kreisky, in dem in meiner Empörung über die Parteibonzen der SPÖ Ausdruck verlieh. Was war nur aus dieser Bewegung geworden? Kreisky antwortete prompt und lud mich nach Wien ein. Leider kam das Treffen aus terminlichen Gründen nie zustande! Eine der wenigen Dinge, die ich bis heute bereue, ist, dass ich die Chance diesen charismatischen Staatsmann persönlich kennen zu lernen, nicht genutzt habe!

Seit den Schilderungen meines Großvaters, über die Dreißiger Jahre ist mir bewusst, dass Bürgerkrieg eine der gefährlichsten politischen Auseinandersetzungen ist, die es in einem Staat gibt. Ein Volk gegeneinander aufzuhetzen, war in Europa der Beginn des Nationalsozialismus und ich bin bei weitem nicht die Einzige, die der Überzeugung ist, dass es eine derartige Ära nicht mehr geben darf!

Obwohl nicht die unvorstellbare Not der Dreißiger Jahre herrscht, sind die Menschen unzufrieden. Der Rechtsruck in Europa ist alarmierend und wenn man nach Frankreich schaut, kann einem das Gruseln kommen. Bürgerkriegsähnliche Verhältnisse in einem EU-Mitgliedsstaat sind abgesehen von der Unfähigkeit Macrons sein Land zu regieren, auch ein Armutszeugnis für die Union.

Seit meinem Kontakt mit Kreisky, habe ich nicht mehr Rot gewählt. Ich habe stattdessen jene Parteien gewählt, von denen ich den Eindruck hatte, sie könnten in Österreich etwas bewegen. Notgedrungen, war es manchmal die Wahl des geringeren Übels. Deshalb habe ich bei der letzten Wahl auch den „Türkisen“ das Vertrauen geschenkt. Trotz der Bedenken, gegenüber des Alters und der Unerfahrenheit des jungen Politikers Sebastian Kurz.

Die darauf folgende Koalition mit der FPÖ, sah ich nicht so negativ, denn nun mussten die Blauen endlich zeigen, was sie WIRKLICH drauf haben. Opposition ist keine Kunst, Regieren schon! Strache selbst, war mir nie geheuer. Seine „rechte“ Vergangenheit und die Art und Weise wie er seinen ehemaligen Parteikollegen Karl Schnell, den einzig ernst zunehmenden Politiker in den Reihen der FPÖ, abservierte, zeigte schon damals das wahre Gesicht dieses machthungrigen Menschen.

Und jetzt? Über das unsägliche Video, will ich nichts mehr sagen, denn das wurde bereits zur Genüge ausgeschlachtet. Dennoch bleibt die wichtigste Frage offen; wer waren die Drahtzieher? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, wird klar, wem die Veröffentlichung dieses peinlichen Mitschnitts nützt und warum genau dieser Zeitpunkt gewählt wurde.

Abschließend noch eines; der Name Böhmermann verursacht bei mir Übelkeit. Ich halte ihn lediglich für den Handlanger mächtiger Gruppierungen. Die durchwegs rote Riege um die österreichische Kunstszene, fühlte sich auch noch bemüssigt, diesem Schmuddel-Satiriker einen Preis- (Romy schau oba), zuzugestehen. Arme Heimat! Du bist wirklich großer Deppen!

Antwort Bruno Kreisky’s auf meine Kritik an der Partei

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Leben und Leben lassen, ist meine Devise. Menschen die offen und freundlich sind,mag ich. Schreiben wirkt gleichermaßen entspannend aber auch aufregend für mich. Es ist einfach schön, Gedanken in Worte zu fassen und nun endlich auch die Zeit dafür zu haben.

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