Hallein, mein „Little Italy“

Blick vom kleinen Barmstein

In Salzburg gibt es ein Städtchen, dass seit Jahrzehnten im Verborgenen blüht. Ich selbst habe hier jahrelang mein täglich Brot verdient. In den Mittagspausen bin ich schnell um die Ecke geeilt, um mir einen „Café Latte to go“ bei meiner Lieblings-Barista zu holen und mich schnell wieder ins Büro zu verkriechen. Schweigend, den Latte nippend, habe ich mich entspannt. Von der Stadt wusste ich nur das, was ich von Berufs wegen kannte.

Bis ich eines Tages beschloss, meine Mittagspause etwas abwechslungsreicher zu verbringen und einen ausgedehnten Spaziergang jenseits der vertrauten Pfade zu machen. Ich hatte keinerlei Ziel, wandte mich einfach nach Westen und fand mich plötzlich in schmalen, menschenleeren Gassen, umgeben von historischen Bauten wieder. An einem rauschenden Bächlein vorbei, entdeckte ich immer mehr neues und unbekanntes; und plötzlich war ich wie verzaubert.


Das milde Licht der Herbstsonne verlieh den mit Erdfarben getünchten Häusern ein mediterranes Flair. Meine Absätze klapperten am alten Pflaster, sodass ich mich bemühte, behutsam aufzutreten, um den Zauber des Momentes nicht zu stören. Mich durchströmte die Freude einer Entdeckerin und ich hatte das Gefühl, die Erste zu sein, die diese verborgenen Gassen betrat. Ich sah aber auch viele unbewohnte, dem Verfall preisgegeben Häuser und kleine leerstehende alte Läden, harmonisch eingebettet in historischen Fassaden. Das machte mich traurig.


Ich schloss meine Augen und stellte mir vor, wie es wäre, wenn man diesen Gassen Leben einhauchen würde. Und plötzlich waren sie da; bunte Läden mit fantasievoller Ware, daneben kleine Cafés und Bistros, die allerlei Spezialitäten feilboten. Alt und Jung schlenderten durch die Gassen und genossen die vielen Möglichkeiten sich selbst etwas Gutes zu tun. Ein Tässchen Kaffee, ein Stück selbstgemachter Kuchen, ein bunter Schal aus Seide. Eine Gasse war einem türkischen Bazar nachempfunden, eine andere bot Spezialitäten der Salzburger Bauern feil.

Die Stadt war erfüllt mit Leben. Von fern hörte ich leise Musik. Diesen Klängen folgte ich. Ein paar Jugendliche saßen am Brunnen und spielten mit ihren Gitarren. Ein Mädchen sang. Ein kleiner Junge kam im Laufschritt und warf eine Münze in den dafür bereitgestellten alten Strohhut. Danach rannte er schnell wieder zurück zu den Eltern und versteckte sich schamhaft im Rock seiner Mutter.

Viel zu schnell wurde ich aus meinen Tagträumen gerissen. Ich musste wieder zurück, über altbekannte Plätze, am vertrauten Café mit meiner Lieblings-Barista vorbei in den Arbeitsalltag. Ich winkte ihr lächelnd zu. Es war ein schöner Tagtraum gewesen. Ein Tagtraum über ein Juwel, das noch immer dahin dämmert und dringend von einem „Prinzen“ wachgeküsst werden sollte. Ich bin schon gespannt, wann der Prinz endlich kommt …

Action Bilder Short Stories

Lopadistory View All →

Ich bin aufgeschlossen, schaue gerne hinter die Kulissen und lasse mich von Blendern nicht aufs Glatteis führen. Menschen die offen und freundlich sind und die zurücklächeln, wenn man sie auf der Straße trifft, schätze ich. Die Grantigen können mir gestohlen bleiben. Ich schreibe für mein Leben gerne und kann dies nun endlich ohne Einschränkung tun! Ruhestand ist schon was schönes- schwöre!

%d Bloggern gefällt das: