Wochenend- Story

Heute eine Geschichte aus meinem zweiten Buch, das demnächst erscheint.

Kreisky, Sinowatz und eine Bar …

Als ich vor 22 Jahren, nach der Weltumsegelung beschloss, Salzburg als neuen Lebensmittelpunkt zu wählen, waren rationale Entscheidungen ausschlaggebend. Salzburg lag zentral und schien damit als Basis für einen Neustart optimal. Es wurde einem nicht leicht gemacht, sich als Zugereiste in dieser Stadt zu Hause zu fühlen.

Langsam gewöhnten ich mich an die abweisende und verschlossenen Art dieser Menschen. Ich sehnte mich zurück in die Segler Community, in der wir alle füreinander dagewesen waren, ohne etwas in Rechnung zu stellen. Arroganz und Klassenunterschiede waren mir fremd geworden.

Dennoch gab ich nicht auf und grüßte in meiner neuen Heimat fröhlich darauf los und sah dabei gerade die Augen der Menschen. Umsonst. Ihr Blick entglitt mir. Sie stierten an mir vorbei, auf den Boden oder in die Spiegelung der Schaufenster, um ihre prächtige Erscheinung zu prüfen. Weil ich jedoch im nahen Bayern arbeite, schien mir das alles nicht so schlimm. Früh morgens verließ ich die Stadt und Abends kehrte ich wieder zurück.

Am Wochenende zog es mich in die Gastroszene der Stadt. So entdeckte ich eines Nachts die Steingasse. Ich war sofort fasziniert von dieser dunklen Schlucht, flankiert von Jahrhunderte alten Häusern mit den vielen Bars und Pubs. Trotzdem bedurfte es einiger nächtlicher Ausflüge bis ich SIE entdeckte;

MEINE Bar!

Als ich den winzigen, verrauchte Raum mit dem uralten Steingewölbe betrat, fühlte ich mich wie zu Hause. Rechts neben dem Eingang hingen Porträts von Bruno Kreisky und Fred Sinowatz. Auch das passte damals perfekt in mein Weltbild. An den kleinen Tischen gab es kaum mehr Platz und auch die winzige Bar war voll besetzt. An ihrem rechten Ende dominierte ein riesiger, echter und wunderschöner Blumenstrauß. Links daneben stand eine Schüssel mit tiefroten frischen Tomaten. Ich zwängte mich in die Ecke neben die Blumen. Jemand machte mir Platz.

Hinter der Bar musterte mich der Barmann interessiert. Eine Frau, alleine. Mit rauer Stimme fragte er nach meinen Wünschen. Ich bestellte und lobte den guten Musikgeschmack. Uralte Schallplatten stapelten sich in einer Nische. Doors, Iron Butterfly und Cream. Er mischte progressive Musik mit coolem Italo Sound jenseits Eros Ramazzottis und spielte gekonnt mit den jeweiligen Stimmungen seiner Gäste. Die Weinauswahl war exzellent aber teuer. Wen er jemanden mochte, schenkte er immer etwas mehr ein. Ich verbrachte unzählige Stunden diskutierend, lachend, verliebend, trinkend und tanzend an diesem Ort. Dann zog ich fort.

Gestern war ich nach langer Zeit mit meinem Mann wieder dort.

Die Bar: Menschenleer.

Kreisky und Sinowatz: Von der Wand verschwunden.

Frische Blumen: Aus Plastik.

Tomaten: Weg.

Bedienung: Niemand da.

Musik: Nichtssagendes Chill out Gedödel.

Draußen im Freien standen Tische an denen ein paar Menschen saßen. Der neue Besitzer musste seinen Kellner erst zur Aufmerksamkeit gegenüber den Gästen anspornen.

Da wusste ich; es ist vorbei!

© LoPadi

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Leben und Leben lassen, ist meine Devise. Menschen die offen und freundlich sind,mag ich. Schreiben wirkt gleichermaßen entspannend aber auch aufregend für mich. Es ist einfach schön, Gedanken in Worte zu fassen und nun endlich auch die Zeit dafür zu haben.

5 Comments Leave a comment

  1. Oh weh…
    Die Ignoranz des Servicepersonals lässt überall zu wünschen übrig. Ich frage mich, warum diese Personen da überhaupt arbeiten?
    Es ist traurig so einen Absturz der Lieblingskneipe zu beobachten.

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