Atlantic Rallye for Cruisers 1994- oder wie der Atlantik Menschen zusammen bringt …

Als wir im November 1994 mit unserer Tiburon in Las Palmas ankamen, machten wir angesichts des Anblicks perfekt ausgestatteter Regattayachten demütig am Steg der Marina fest. Zwar waren wir keine Anfänger mehr, denn immerhin hatten wir es mit unserem Schiff von Norddeutschland bis hierher geschafft, aber die Flotte beeindruckte uns doch.

Bald wurde aus Demut Stolz, denn alle sahen auf die kleine Tiburon herab und fragten, ob wir damit tatsächlich über den Atlantik wollten. „Na klar wollen wir“, lautete unsere Antwort. „Und dann geht es weiter um die Welt!“ Daraufhin verstummten die meisten oder belächelten uns, aber das störte uns nicht. Wir lernten drei Crews aus Österreich kennen und verbrachten eine lustige Zeit miteinander. Wolfgang, ein Wiener hatte ein kleines Fass Wein im Cockpit vertäut. Das gefiel mir. Ich kaufte ebenfalls ein Fässchen.

Einige Yachten waren echte Rennziegen und trugen klingende Namen wie: Raffles, Absolutely, Red Jack, Samantha Nova, Mephisto oder Revolution. Kurz vor der Atlantik-Rallye for Cruisers lief eine wunderschöne Aluminium Yacht ein, die uns schon in England aufgefallen war. Die Veldana war eine 67 Fuß (ca. 20 m) Hartwig Ketch mit wunderschönen Linien und einem Flush Deck. Alles am Schiff wirkte elitär und nobel. Die Eigner hatten auch kein Anbiedern nötig, denn alle bestaunten ihre Yacht. An den gesellschaftlichen Aktivitäten und den zahlreichen Seminaren, die damals noch von Jimmy Cornell persönlich abgehalten wurden, nahmen sie nicht teil. Schon vor dem Start galten sie als Anwärter auf den Sieg. Uns beide nahmen sie nicht wahr.

Am 20. November war es dann so weit. 170 Schiffe waren auslaufbereit. Wir gingen es gemütlich an und hielten uns aus der Rangelei an der Startlinie heraus. Bei einer Distanz von 2700 Meilen (ca. 4.345 km), schien es uns kindisch um Sekunden zu kämpfen. Als der Startschuss fiel, krachte es auch schon. Einige Yachten stießen zusammen und mussten wieder umkehren. Wir segelten in aller Ruhe am Rand des Regattafeldes dem Ziel entgegen. Während der ersten beiden Tage sahen wir ab und zu noch ein paar Schiffe, aber schon bald waren wir allein. Der Atlantik war uns gewogen. Das Wetter auch. Als wir in den Dezember hinein segelten, zelebrierten wir die Advent-Samstage mit Lebkuchen von Mama und tranken ein Gläschen Wein aus dem Fässchen. Am Achterstag funkelte der Schmuck des Adventskranzes.

Die gefürchteten „Black Squalls“, vor denen wir gewarnt worden waren, blieben weitestgehend aus. Wir beide schoben brav unsere vier-stündigen Wachen und liefen nach 23 Tagen ohne Aufsehen in der Rodney Bay auf St. Lucia ein. Nachdem wir festgemacht hatten, sprangen plötzlich die Österreicher hinter den Yachten hervor und brachten uns gemeinsam mit Jimmy Cornell ein Ständchen. Wir hatten es geschafft. Zwei Wochen nach der Veldana. Sie hatte tatsächlich gewonnen und die Eigner gratulierten uns.

Plötzlich waren wir alle gleich. Der Atlantik hat uns zusammengebracht.

© LoPadi

Zeichnung aus meinem Weltumsegelungs- Tagebuch
Tiburon 2 Vor dem Wind mit Schleppgenerator achteraus
Weihnachten am Schiff von Segelkameraden in Südafrika

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