Gesucht und gefunden …

Vor vielen Jahren, als ich noch jung und frisch war, fuhr ich jeden Tag mit dem Zug von Friesach nach St. Veit an der Glan zur Arbeit. Die Zeit vertrieb ich mir, man glaubt es kaum – mit Gobelin-Stickerei. Jeder in meiner Familie wurde, ob er es nun wollte oder nicht, mit unglaublichen kitschigen Motiven in noch kitschigeren Barockrahmen beschenkt. Natürlich taten alle immer sehr überrascht und erfreut, aber ich habe die Kunstwerke nie irgendwo hängen sehen. Nicht mal bei mir selbst.

Eines schönen Morgens setzten sich drei junge Männer zu mir. Ich machte sofort eine Blitzanalyse, wie es nur eine Frau beherrscht. Zwei sahen sehr gut aus, aber der dritte strahlte etwas Besonderes aus. Sein Name war Franz. Kurz beobachteten mich die drei beim Sticken, dann sprachen sie über die Schule. Ich tat so, als kriegte ich nichts mit und sei vertieft in mein Hobby. Natürlich bekam ich alles mit. Auch das sie HTL-Schüler waren.

Also fragte ich ganz unschuldig, ob ich denn richtig gehört hätte, und ob sie den in Klagenfurt die HTL besuchten. So kamen wir ins Gespräch. Wir waren bald auf einer Welle. Ich war schon immer technisch interessiert und mit einem burschikosen Schmäh gesegnet. Männerfreundschaften schätzte ich damals mehr als gleichgeschlechtliche. So entwickelte sich zwischen uns vieren eine echte Freundschaft. Ab diesem Zeitpunkt verging die Zugfahrt wie im Flug. Das Sticken gab ich auf. Sehr zur Erleichterung meiner Familie.

Franz und ich entpuppten uns als Seelenverwandte. Wir verstanden uns ohne viele Worte. Wir freuten uns täglich auf das Wiedersehen. Das ging so lange, bis die Jungs die Schule verließen. Auch ich wechselte den Job und zog in ein anderes Bundesland. Wir verloren uns aus den Augen. Damals schien es, als wäre eines der vielen Kapitel des Lebens abgeschlossen.

Eines Tages, ich saß mit Freunden auf einer Skihütte in Zell am See, hörte ich hinter mir eine Stimme. Ich war wie elektrisiert, denn diese Stimme kannte ich. Ich drehte mich um und da war er, mein Seelenverwandter! Es war, als ob kein Tag vergangen wäre. Die Magie war sofort wieder da. Der Schmäh rannte. Franz lebte inzwischen in Brasilien und war erfolgreicher Programmierer.

Abends trafen wir uns in Zell und feierten unser Wiedersehen. Wir schwelgten in Erinnerungen und im Wein. Das führte bei Franz zu einer hundertprozentigen Fahruntauglichkeit und so sank er morgens um fünf auf meine Couch und schlief in der Sekunde ein.

Seither sind 30 Jahre vergangen und immer mal wieder kommt mir Franz in den Sinn. Letzten Monat so intensiv, dass ich das Orakel von Google befragte. Und was soll ich sagen? Ich habe ihn gefunden. Auf Xing. Danke Internet! Aber war es auch wirklich? Das Foto auf dem Lebenslauf sah ganz danach aus. Ach was, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich schrieb eine Mail an seine Firmenadresse.

Gespannt wartete ich ab. Nach drei Tagen kam endlich eine Antwort und was soll ich sagen; er ist es tatsächlich!

Aber das Beste kommt noch. Ein Treffen heuer im Herbst.

© LoPadi

2 Comments on “Gesucht und gefunden …

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d bloggers like this: