Sind wir ein Volk von Neidern und Missgünstigen?

Was genau ist passiert …

Ein Junger ambitionierter siebzehnjähriger Mann veröffentlicht eine App. ‘Lernsieg’ heißt sie und Benjamin heißt der clevere Kerl, der sie entwickelt hat. Also eher kein bildungsferner ‘guckst du Typ’, sondern eher ein ‘Streber’, wie wir in den 60ern diese Schulkollegen nannten. Es geht in dieser App um anonyme Bewertungen von Schulen. Österreichs Lehrer sind empört. Sie fühlen sich bedroht.

Warum sind die Lehrer empört?

Na, ja ich denke mir halt, nicht alle Lehrer sind das ‘das Gelbe vom Ei’, oder ‘das Beste vom Besten’ oder das ‘Gebildetste unter den Gebildetsten’. Vielleicht ängstigt dieser junge Emporkömmling genau einen der hier Beschriebenen, nicht so tollen Lehrer. Soll es ja geben. Hatte ich auch. Wer von uns nicht …

Empörung um „digitalen Unsinn“ …

Die Lehrer sagen, es gehe ihnen um den Datenschutz. Die Gewerkschaft der Lehrer (ARGE) hat sogar einen Brief an das Ministerium geschrieben. Ging ja schnell. Das Bildungsministerium seinerseits fordert die Gewerkschaftsvertretung auf ihre gesetzliche Fürsorgepflicht wahrzunehmen und Schulen, Lehrer und Lehrerinnen vor diesem digitalen Unsinn zu schützen. Dabei geht es wieder einmal nicht um das Bildungssystem. Nein. Wo kommen wir denn auch hin, wenn sich Schüler erlauben, Bewertungen rund um ein System abzugeben, von dem jeder weiß, wie marode es ist. Hotels, Restaurants, Ärzte und Händler werden ganz selbstverständlich bewertet, also warum nicht auch Schulen?

Shitstorm über Benjamin

Nun ist ein brutaler Shitstorm über Benjamin hereingebrochen. Und zwar mit einer solchen Wucht, dass die App wieder vom Netz genommen wurde. Die Schüler haben bei der Bewertung ihrer Lehrer nach dem Sternchenprinzip 1-5 NICHT die Möglichkeit, eine Schimpftirade über die Pädagogen loszulassen. Es geht lediglich darum in welcher Art und Weise unterrichtet wird. Wie besorgniserregend!

Wer steckt noch dahinter?

Natürlich kostet eine Appentwicklung und Veröffentlichung Zeit und Geld. Wie viele von Sendungen wie die ‘Höhle der Löwen’ und dgl. wissen, sind auch hier Spezialisten und Investoren im Spiel. Im Fall dieser App müssen die Schüler vor der Bewertung ihre Telefonnummern bekannt geben. Was danach mit den Daten die auf deren Handys gespeichert sind passiert, bedarf keiner großen Fantasie. Andererseits geben Jugendliche, aber auch wir Erwachsene in den sozialen Medien freiwillig schon mehr von uns preis, als uns bei Missbrauch dieser Daten lieb wäre. Also was soll das Gedöns.

Benjamin ist sehr aktiv. Er hat auch ein Buch über das Lernen unter Einbindung der sozialen Medien geschrieben.

Nun meine Frage an Euch: Sind die Lehrer berechtigterweise empört?

Ich halte es mit ‘Dieter Nuhr’ und wer von Euch Zeit und Lust hat, sollte sich diese knappen 45 Minuten zum Thema Bildung unbedingt ansehen.

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