Versuchung

Da war er wieder-, dieser Impuls. Er kam aus dem Nichts und traf mich unvorbereitet wie so oft. Sollte ich ihm folgen oder sollte ich standhaft bleiben? Das Verlangen steigerte sich langsam, sodass ich fast nachgab. Dieser banale, aber verführerischer Gedanke lockte mich von meinem gemütlichen Sofa weg. Sollte ich diesem aufkeimenden Impuls folgen? Es würde lediglich einer kleinen Unterbrechung bedürfen und das Verlassen der Komfortzone. Es würde geschätzt eine Minute Zeit in Anspruch nehmen. Höchstens!

Ich stellte mir das Glücksgefühl vor, dass mich durchströmen würde, gäbe ich dieser Versuchung nach. Der Gedanke daran ließ mich erschauern. Gleichzeitig wusste ich, dass ich damit ein mir selbst auferlegtes Tabu brach. War es das wert? Wirre Gedanken jagten durch meinen Kopf. Immerhin hing ein Teil meiner Zukunft von diesem Impuls ab. Von dieser Regung geboren aus einem lächerlichen, spontanen Empfinden. Plötzlich fühlte ich mich elend, willenlos und schwach. Verzweifelt versuchte ich Bilder herauf zu beschwören, die mich daran hindern sollten, diese Torheit zu begehen.

Das half ein wenig und brachten mich wieder zur Vernunft. Mein Puls beruhigte sich und die verführerischen Gedanken verloren an Kraft. Mit Schaudern dachte ich an die unvermeidlichen Konsequenzen. Sie wären fatal. Sie würden etwas an mir ruinieren und im schlimmsten Fall mein Selbstbewusstsein zerstören. Für viele würde ich sogar unsichtbar werden. Davor hatte man mich immer wieder gewarnt. Warum war es nur so schwer, dieser Versuchung zu widerstehen? Das Bauchgefühl flüsterte ja. Der Verstand sagte: ‚Nein, tu es nicht. Denk an die Konsequenzen!‘ Aber was würde siegen?

Plötzlich kam mir der rettende Gedanke. Eine geniale, die Anspannung lösende Idee. Warum war ich nicht gleich darauf gekommen? Kein Verlassen der Komfortzone. Nein! Auf einmal war ich mir sicher, dass ich es schaffen konnte. Die Lösung für diesen fast unmenschlichen Akt gegen meine Genusssucht nahm endlich Formen an. Fort mit allem. Verzicht war das Gebot dieses Moments. Attraktivität wichtiger. Dieses scheinbar unwiderstehliche Drang- ich musste mich davon befreien. Ein Mantra war die Lösung. Es lautete: „Du brauchst das nicht, es schadet dir“.

Und außerdem; wenn ich das ganze Für und Wider gegeneinander aufwog, war die Entscheidung ohnehin völlig klar. Dieses ständige Hin und her wollte und musste ich mir nicht antun. Plötzlich fühlte ich mich wie Spock von der Enterprise, der gerade leicht seine rechte Augenbraue hob, weil er verstand, was niemand anderer auch nur im Ansatz begreifen konnte. Mit überlegener Miene informierte ich meine schwache und nachlässige Seite über die endgültige und einzig logische Konsequenz gegen diesen Impuls. Diese lautete klipp und klar: „Du brauchst das nicht, es schadet dir“.

Denn eine Sekunde auf der Zunge bedeutete ein Leben lang auf den Hüften und das waren die paar Pralinen nicht wert!

© LoPadi – Auszug aus »Mixed Pickles«

Foto: pexels

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