Das Tierchen aus dem Weltall

ARS ELECTRONICA Teil 1

Am Samstag war ich im Bücherladen Thalia in Linz eingeladen, um eine Geschichte aus einem meiner story.one-Bücher vorzutragen. Da noch Zeit war, besuchte ich mit meinem Liebsten die Ars Electonica.

Mein Liebster, ein äußerst skeptischer Techniker, war gar nicht sooo begeistert, denn als er einige vermeintlich neueste Entdeckungen zu Gesicht und Ohr bekam, war er eher enttäuscht. „Nix neues“, raunte er mir leise ins Ohr, um die Dame bei der wir eine Führung gebucht hatten, nicht aus dem Konzept zu bringen.

Bärtierchen

OK, mir ging es ähnlich. Dennoch fand ich so manche technische Spielerei recht amüsant. Das ging so lange, bis mein enttäuschter Techniker vor einem verschlossenen Glaskubus stand, in dem allerlei Mikroskope standen und der verdächtig nach Forschungslabor aussah. Prompt fragte er einen der Helfer der Ausstellung, warum den ausgerechnet dieser Raum verschlossen sei und man glaubt es nicht-es wurde sogleich aufgesperrt und er wurde, mit dem Hinweis, ja nichts zu berühren, eingelassen. Und husch-weg war er.

Ich bin ja eher schüchtern und schloss mich dem entzückten Gatten, der vor Neugierde platzend die Treppe hinunter in den Raum eilte, nicht an, sondern blieb, wo ich war, um die beeindruckenden Aufnahmen von Kleinstlebewesen unter Elektronenrastermikroskopen zu studieren.

Bärtierchen auf Moos (Hypsibius dujardini) aus Sicht eines Elektronenrastermikroskops (Foto Ars Electonica)
Größe: Weniger als 1 Millimeter
. Das Grüne ist Moos.
Foto: Ars Electonica

Als sich mein Mann nach einiger Zeit wieder zu mir gesellte, war er wie elektrisiert. Ich stand gerade vor dem Bild mit dem Bärtierchen und bewunderte diese Science Fiktion-ähnliche Kreatur. „Papperlapapp, sagte mein Mann, das ist eine völlig falsche Darstellung dieses Mikroorganismus. In Wirklichkeit ist es total durchsichtig. Ich habe es gerade unter dem Mikroskop gesehen. Man sieht alles. Sogar die Innereien. In Wirklichkeit sieht er aus wie eine Qualle.“

Fadenwürmchen

Ich zuckte mit den Schultern und dachte nur: ‚OK, hättest gelesen, was auf der Erklärung neben dem Bild steht, wüstest Du, das der Fotograf das Bärchen nachträglich eingefärbt hat, um das Ganze interessanter zu machen. Originalaufnahmen von Elektronenrastermikroskopen sind im Original schwarz/weiß. Der Künstler wollte halt Aufmerksamkeit erregen, was ihm aus meiner Sicht gelungen ist.‘ Ich fand es ausgesprochen interessant, genau so wie das Fadenwürmchen daneben, von dem das Bärchen sich ernährt. Beide haben eines gemeinsam; es sind Überlebenskünstler.

Fadenwürmchen
Foto: Ars Electonica

Überlebenskünstler

Dieses faszinierende Bärtierchen hat mit seinen weniger als 1 mm Länge die Fähigkeit unter widrigsten Umständen zu überleben. Es beherrscht die Kryptobiose. Das bedeutet es kann Temperaturen von Minus 243 Grad bis Plus 77 Grad aushalten. Radioaktivität ebenso. Es kann den Sauerstoffverbrauch auf kaum noch messbare Werte reduzieren. Das könnte auch bedeuten, dass dieses Lebewesen mit einem Meteoriteneinschlag aus dem Universum auf die Erde gelangst ist. Wahnsinnig spannend! Fadenwürmer überleben bis zu 40.000 Jahre im Permafrost und Bakterien können 250 Millionen Jahre überdauern. Ich bin mir ganz sicher, dass irgendwo da draußen in diesem unfassbaren Universum, Leben existiert. Aber nicht in der Form wie es uns in Science Fiction Filmen vorgemacht wird, sondern eher im Mikrobereich. Den diese Organismen scheinen viel bessere Voraussetzungen für das Überleben mitzubringen als andere riesigen Verwandte, die allesamt ausgestorben sind … Wir sind eben alle nur aus »Sternenstaub«

Unter dem Lichtmikroskop sieht es so aus, wie von meinem Mann beschrieben.
Bild von: Frank Fox – http://www.mikro-foto.de, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20217348

Euch allen eine gute Woche. 🙂

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