Sonntagsgeschichte #2

Fünf Waldsterne*

Stellt euch einen wunderschönen Wald vor. Erfüllt von den Geräuschen der Natur und dem Rauschen eines Baches. Die Sonnenstrahlen durchdringen das Laub der Bäume und landen sanft auf prallem, feuchten Moos. Ein Bächlein schlängelt sich gurgelnd durch sein gewundenes Bett. Ich vernehme gedämpfte Schritte auf dem von Laub bedeckten Boden. Dann sehe ich die Beine eines Mannes und eine Hand, die eine flache Schale aus Holz auf einen Baumstumpf legt. In der Schale ist Mehl. Die Hand greift ins Nass und schöpft glasklares Wasser in das Mehl. Sie verrührt die Masse mit einem abgebrochenen Holzzweig. Dann kneten beide Hände so lange, bis sie mit Konsistenz und Festigkeit des Teiges zufrieden sind. Die Hände des Mannes prüfen und drücken und legen den Teig schließlich zur Seite.

Und es geschieht, dass ich vollkommen in diese Welt eintauche, in das geschickte Hantieren dieses Menschen, der kein Wort spricht und die Kapuze seines Sweatshirts tief in das Gesicht gezogen hat. Seine Bewegungen sind leichtfüßig und geschmeidig. Er liebt und kann, was er tut. Jeder seiner Handgriffe ist ein sichtbarer Beweis dafür. Im Hintergrund lodert und knistert ein offenes Holzfeuer.

Fasziniert beobachte ich wie er aus einem Rinderfilet das beste Stück schneidet und es für das Braten vorbereitet. Er balsamiert es mit Öl, Kräutern und einer Prise groben Salzes. Bald liegt der Braten von Wildkräutern umrahmt, in einer gusseisernen Pfanne über dem Feuer und wird so lange gewendet, bis es vollständig angebraten ist. Nach ein paar Minuten entnimmt er es und gönnt dem Filet etwas Ruhe. In die Bratrückstände der Pfanne mischt er Chili, Balsamico und Butter. Er schwenkt die Pfanne, bis die Soße dunkel und dickflüssig ist. Dann geht er in den Wald, findet wilde Champignons, schneidet sie in Würfel und vermengt sie mit klein gehackten Oliven und brät die Mischung an.

Ich bin fasziniert. Das Zusehen allein ist wie Meditation. Das Schweigen des Mannes tut gut und versetzt mich in eine wohligen Schläfrigkeit. Nur die Neugier hält mich wach. Nun streicht er den Teig mit Öl ein und bearbeitet ihn mit seinen Handflächen bis er eine dünnen Hülle ist. Das Einölen gleicht eher einem Streicheln. Dabei bearbeitet er den Teig mit so viel Zärtlichkeit und Gefühl, dass ich geneigt bin, gedanklich abzuschweifen …

Pilze, Oliven und Gewürze werden auf der Teigfläche verteilt, das Filet vorsichtig daraufgelegt und wie ein Geschenk verpackt. Danach nimmt er ein großes, glattes Stück Ton und bestreicht es reichlich mit Öl. Er legt das Bündel mit der Platte in das offenen Feuer. Er wendet und dreht es so lange, bis es braun und knusprig ist. Am Ende hebt er es mit seinem riesigen Messer auf ein Holzbrett und beginnt sein kulinarisches Werk vorsichtig aufzuschneiden. Zum Vorschein kommt ein herrlich saftiges Beef Wellington, zart rosa gegart-einfach perfekt. Nur allzu gerne würde ich probieren.

Aber das geht nicht, denn es ist nur ein Video-Clip.

Aber einer mit fünf Waldsternen *

© LoPadi

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