Kälbermarsch

Heute gab es Zoff. Irgendwie ist die Stimmung gereizt. Ich bin gereizt. Einkaufen steht an. Zurzeit macht Einkaufen keine Freude. Und ja, mir ist bewusst, wie viele Menschen täglich verhungern, aber das interessiert in „Covid“ Zeiten ohnehin nur die Wenigsten. Aber zurück zum Zoff. Mein geliebter Techniker hatte schon vor längerer Zeit Schutzmasken von 3M besorgt. Ich habe eine davon artig bei meinem letzten Einkauf getragen. Ehrlich gesagt nur ihm zuliebe. Er kann in dieser Hinsicht unheimlich nachdrücklich sein. Die Maske verursachte bei mir leichte Atemnot. Vermutlich aus psychosomatischen Gründen, denn ich hasse jegliche Art von Freiheitsberaubung. Auch vor dem Mund. Aber bitteschön. Natürlich hätte ich die Maske nicht aufsetzen müssen, denn außerhalb des Fokus meines Mannes, kann ich noch immer tun und lassen was ich will, aber ich war ‚folgsam‘, wie man in meinen Kindertagen zu sagen pflegte und irgendwas aus dieser Zeit bleibt ja immer hängen, behaupten zumindest die Psychologen.

Gestern wollte ich mich noch schnell maskenlos aus dem Haus schleichen, weil Maskenpflicht in Österreich gibt es erst ab heute. ABER; leider habe ich die Rechnung ohne meinen Techniker gemacht, denn der stand plötzlich vor mir und fragte streng: „Hast eh die Maske dabei?“ Sch… dachte ich. Manchmal hat man eben Pech. „Nein, heute gilt es ja noch nicht, und letztes Mal hatte ich echt Beklemmungen unter der 3M“! „Daran gewöhnst Du Dich schon“, war die herzlose Antwort und das löste einen heftigen Disput aus, der hauptsächlich auf mein Temperament zurückzuführen ist. Im Endeffekt verließ ich aufgebracht das Haus, stieg in mein Auto und brauste Richtung Lebensmittelmarkt. ‚Fahr nicht so schnell‘, ermahnte mich mein Gewissen‚denn im Krankenhaus brauchen sie die Betten für Wichtigeres.‘ Medien Penetranz zeigte seine Wirkung.

Am Parkplatz sah ich mich erst mal vorsichtig um, ob noch andere maskierte unterwegs waren. Fehlanzeige, aber es war viel los. Ich holte tief Luft und zog die 3M über Kopf, Nase und Mund. Dabei verfing sich der Gummi in meinen Haaren. Ein Paar Latex Handschuhe streifte ich ebenfalls über. Die trage ich freiwillig, denn mich ekelt schon lange vor den bakteriell verseuchten Einkaufswägen. Ich will mir gar nicht vorstellen, welche Tatzen vorher den Griff berührten. So, Kopfkino aus und auf in den Kampf. Erster Schock; meine Lieblingsnudel Nr. 3, ausverkauft!

Außer einer Mitarbeiterin des Ladens war ich die einzige Maskierte. All jene, welchen ich begegnete schauten betroffen zur Seite oder suchten am Boden nach imaginären Schätzen. Eine Dame zog sich verlegen den Schal vor den Mund. Vielleicht dachte sie, ich sei eine Spionin des Gesundheitsministeriums. Da ich den Markt gut kenne, war ich schnell fertig und stand schließlich mit meinem Wocheneinkauf in der Schlange vor der Kasse. In gebührendem Abstand schaute mir ein alter Mann flüchtig in die Augen und ich glaubte seine Gedanken lesen zu können. Irgendwas in der Art: ‚Mein Gott, das Dummerchen, ich habe zwei Weltkriege überlebt …‘den Rest kennt man ja. Irgendwie kam ich mir mit meiner Maske wie eine Außerirdische unter Zombies vor. Einige Maskenlose waren auch schon etwas blass um die Nase. Nichts wie weg. Egal. Ich war froh wieder draußen zu sein, und sicher, dass diese Menschen den letzten Masken-freien Tag nutzten, um noch ein wenig Gesichts-Freiheit zu genießen. Ich habs vergeigt, aber mein Mann mochte mich dafür umso mehr. Und was gibt es denn wichtigeres?

*Zum Titel

Unrecht und Manipulation sind so alt wie die Welt. ‚Kälbermarsch‘ ist eine zeitlos gültige Metapher und ist keinesfalls als Kritik an jene Menschen gedacht, die in ungleich härteren Zeiten schlimmstes durchgemacht haben. Mächtige Eliten treiben uns Menschen seit Jahrtausenden vor sich her. Unterstützt von Propaganda, versteckt unter freundlichen Deckmäntelchen. Ich denke, wir alle sind aufgerufen, nichts ungeprüft hinzunehmen, selbstständig zu denken und alles kritisch zu hinterfragen. Mein Techniker sagt immer; „Bevor ich mich zu sehr wundere, glaub ich’s nicht“ und meistens behält sein kritischer Geist recht.

In diesem Sinne einen guten Tag 🙂

Eure Lo

2 Comments on “Kälbermarsch

  1. Ich fühle mich schon miserabel und von bösen Blicken verkauft, wenn ich mal ein paar Rollen Klopapier kaufe. Doch was nützt es, wenn unseres zur Neige geht?

    Bei uns gilt ja diese Maskenpflicht noch nicht, aber rechnen tue ich damit auch. Dabei spielt es schienbar keine Rolle, dass es gar nichts bringen soll, behaupten zumindest die Ärtze, auf deren Meinung unsere Damen und Herren doch bisher auch so viel geben haben.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass es doch eigentlich gar keine Masken mehr zu kaufen gibt … haben die Österreicher die irgendwo gelagert?

    Herzlichst,
    das Licht

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    • Ich kann nur vermuten, dass der Regierung seit langem ein Stufenplan vorliegt, in dem diese Maßnahme, schon seit Wochen vorgesehen ist u.
      Liebe Grüße Lo

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