Sonntagsgeschichte # 4

„Bimm Bamm 
“

Sie war eine meiner besten Freundinnen. Wir lernten uns kennen, weil ein Jobwechsel ihres Mannes sie in meinen Heimatort verschlug. Sie kam aus dem hohen Norden, war Ă€ußerst attraktiv, lebenslustig und charmant und wirkte in unserem kleinen Kaff immer ein wenig fehl am Platz. Sie war wie ein Kolibri unter gemeinen Singvögeln. Ihr tĂ€gliches ‚Vodkachen‘ wie sie ihren hochprozentigen Seelentröster nannte, hielt sie fröhlich und bei Laune. Sie sah mindestens zehn Jahre jĂŒnger aus, als sie war und zog MĂ€nner an, wie Motten das Licht. Ich mochte dieses verrĂŒckte Huhn sehr. Manchmal, wenn ihre Augen schon etwas glasig waren, nannte sie mich ‚Aurinko‘, was in ihrer Sprache Sonne bedeutete. Ich selbst fand mich gar nicht so sonnig, was ich ihr auch sagte, aber sie bestand darauf.

Eines spĂ€ten Abends besuchte Raita mit ihrem Mann Henrik die Hotelsauna, was öfter der Fall war, denn Henrik war der Direktor des Hotels. Sie gingen immer dann in die Sauna, wenn keine GĂ€ste mehr zu erwarten waren. Oft erst gegen Mitternacht. Raita war ein wenig spĂ€t dran und als sie sich zu Henrik gesellte, hatte er schon eine Zeit lang allein vor sich hin geschwitzt und daher verließ er die Sauna vor ihr. Raita blieb noch einige Minuten und weil sie die Hitze liebte, gönnte sie sich noch einen Aufguss.

Danach ging sie in den Wasch und Duschraum, um sich etwas abzukĂŒhlen. Als sie sich den Waschbecken nĂ€herte, nahm sie im diffusen Licht des Raumes die Gestalt ihres Mannes wahr, der sich gerade mit gespreizten Beinen ĂŒber das Waschbecken beugte.

Holla, dachte sie, nun werde ich Henrik ein wenig necken. Sie liebte Spielchen dieser Art. Möglicherweise wurde sie auch durch ein kleines ‚Vodkachens‘ dazu ermutigt, wer weiß? Mit schelmischer Vorfreude schlich sich ganz vorsichtig an die Gestalt heran, beugte sich in Richtung der Kronjuwelen und zĂŒckte ihre rechte Hand, um zart die ihr vertraut scheinenden SchmuckstĂŒcke zum Schwingen zu bringen. „Bim Bam“, flötete sie, „Bim Bam.“

Durch den Mann ging ein Ruck und die Gestalt erschrak, wie nur ein Mann sich erschrecken konnte, dem es an das Eingemachte ging. Er schnellte wie von der Tarantel gestochen herum, was Raita vor VergnĂŒgen glucksen ließ. Aber das Lachen verstarb abrupt, als ihr der Mann sein Gesicht zuwandte. Die Person, die vor ihr stand, war ganz und gar nicht Hendrik, sondern ein Gast des Hotels, der ebenfalls die Idee eines Mitternachts-Aufgusses gehabt hatte.

In seinem Gesicht lag ein Ausdruck zwischen Schrecken und Erstaunen, aber als er die hĂŒbsche Raita nĂ€her betrachtete, verzog sich sein Mund zu einem sĂŒffisanten LĂ€cheln. Raita hingegen war das Lachen grĂŒndlich vergangen. Der Hotelgast hatte Humor und versicherte mit einem Augenzwinkern, von einer Anzeige wegen sexueller BelĂ€stigung abzusehen. Man trennte sich schnell und einvernehmlich.

Die nÀchsten paar Tage hielt Raita sich vom Hotel fern, denn diese Geschichte war selbst ihr, dem nordischen Freigeist, ein wenig ZU peinlich 


©LoPadi

Titelfoto: Pexels

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