Das Feigerlzweigerl

Vor f√ľnf Jahren habe ich an der Sisi – Promenade des wundersch√∂nen Opatija in der Kvarner Bucht ein Feigen Zweiglein stibitzt. Allein der Duft der Feigenbl√§tter bringt mich schon zum Schw√§rmen. Von der k√∂stlichen Frucht ganz zu schweigen. Mein Techniker l√§chelte mild √ľber meine Zuversicht in unserer Gegend Feigen kultivieren zu k√∂nnen und w√ľnschte mir viel Gl√ľck. ūüėá

Ich war wild entschlossen es zu versuchen und l√§chelte mild zur√ľck. Da wir mit unserem Segelschiff unterwegs waren und die Seereise erst begonnen hatte, stellte ich das Zweiglein in das Fester der Pantry und hegte und pflegte es die folgenden Wochen auf See. Das Feigleinzweiglein musste einiges aushalten, denn die Adria hatte f√ľr das Zweiglein auch anspruchsvolles Segeln im Repertoire.

Nach dem Urlaub brachte ich das arg gebeutelte Zweiglein unversehrt nach Hause und hoffte, dass es in der Heimat von Kaiserin Sisi Wurzeln schlagen m√∂ge. Jeden Tag schaute ich nach ihm und eines Tages meinte ich ein feines Wurzelchen zu erblicken, aber erst Tage sp√§ter hatte ich Gewissheit. Das Feigerl wurzelte tats√§chlich und w√ľrde bald es in einen Blumentopf mit durchl√§ssigem Substrat umziehen d√ľrfen.

Das geschah vor nunmehr f√ľnf Jahren. Nach einem zweij√§hrigen Aufenthalt in sandiger Erde und t√∂nernem Topf, habe ich es gewagt das Feigerl in eine gesch√ľtzte Ecke zu setzen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht ob es sich bei meinem Zweigerl um eine Feigensorte handelte, die sich selbst best√§uben w√ľrde, denn an den passenden Bet√§ubungsinsekten f√ľr mediterrane Feigen fehlt es n√∂rdlich der Alpen.

Das Fr√ľhlahr war spannend. Mein Techniker begann mich langsam ernst zu nehmen, denn die Pflanze √ľberstand den ersten Winter und trieb im M√§rz aus. Das war schon ein sch√∂ner Erfolg. Dann kamen sie. Erst winzig klein,wie Blaubeeren wuchsen sie keck aus den Zweigen des Strauches. Ich war so ungeheuer stolz auf meine Babys. Dann geschah es. Pl√∂tzlich und ohne Vorwarnung fielen alle ab. Einfach so. Ich war sehr betr√ľbt, das kann ich Euch sagen. ūüė™

Verzweifelt w√§lzte ich die Internetseiten und fand eine m√∂gliche Ursache. Meine armen Babys schienen schlicht und ergreifend verdurstet zu sein. Ich h√§tte nie gedacht, dass Feigen so viel Wasser ben√∂tigen, weil es doch in den mediterranen Gefilden manchmal wochenlang nicht regnet. Das war mir eine Lehre und so gie√üe ich meinen Feigenstrauch m√§√üig aber regelm√§√üig, denn Staun√§sse vertragen sie auch nicht und siehe da ,sie sind noch dran. ūüėÄ

Nun hoffe ich , dass meine Babys tats√§chlich zu saftigen Feigen heranwachsen. Ganz sicher bin ich mir noch nicht, denn es k√∂nnten auch nur die Bl√ľten sein, die mangels Befruchtung wieder abfallen. Ich werde berichten. Ein weiteres mildes L√§cheln meines Technikers k√∂nnte ich nur schwer verkraften.

Nur die Bl√ľten oder schon die Fr√ľchte, das ist hier die Frage …

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