Entwischt … 🐙

Während der Weltumsegelung schloss ich in der Südsee in der Bucht vor Moorea mit einem stattlichen Kraken Freundschaft. Wir trafen uns regelmäßig an einem vereinbarten Treffpunkt am Riff und spielten ein wenig Verstecken.Ich war fasziniert von der Intelligenz, dieses eleganten tentakelbestückten Wesens und vorgestern Nacht hatte ich wieder die Gelegenheit auf einen dieser erstaunlichen Meeresbewohner zu treffen.

Wir hatten in einem Restaurant fein gegessen, Segelfreunde getroffen und feuchtfröhliche Bekanntschaft mit einer Tiroler Männercrew gemacht. Weinseelig begaben wir uns anschließend zu unserem Beiboot, festgemacht am Landungssteg.

Schon von weitem bemerkten wir das nervöse tanzen eines Lichtstrahls an der Meeresoberfläche in unmittelbarer Nähe des Steges. Des Rätsels Lösung war eine Kroatin, die eifrig damit beschäftigt war, mit der Taschenlampe Kraken anzulocken, diese mit einem auf Plastik aufgedrucktem Krebs zu ködern und schließlich mit einem Vierzack aufzuspießen.

Und weil die vielgerühmte Klugheit der Oktopusse scheinbar doch nicht so weit reichte, um einen aufgedruckten Krebs von einem echten zu unterscheiden- hatte die Fischerin auch schon einen stattlichen Burschen am Haken. Mit Schwung ließ sie ihn der auf den Steg sausen. Reflexartig sprang ich zur Seite, denn sonst wäre mir der Tintenfisch an die Beine geklatscht.

Es ist nicht so, dass ich einen geschmorten Kraken (Polvo à galega) nicht schätze, aber als zivilisatorisches Weichei, wohne ich der Tötung derselben ungerne bei. Ohnehin bin ich der Meinung, dass wenn jeder selbst für das abmurksen seiner fleischlichen Nahrung zuständig wäre, die Zahl der Vegetarier sprunghaft ansteigen würde.

Aber zurück zum Oktopus. Der war nun knapp an mir vorbei auf dem Boden gelandet, hatte sich flugs vom Köder befreit und versuchte nun geschickt sich in Richtung Meer abzusetzen. Die Frau nicht faul, griff nach ihrem Vierzack (empfindliche Seelen mögen nun wegschauen), und stach gnadenlos auf die sich windende Kreatur ein. Insgeheim hoffte ich, sie würde das Objekt der Begierde verfehlen, aber das tat sie mit nichten.

Das Schauspiel stieß mich ab und faszinierte mich gleichermaßen, denn die Beschaffenheit der Haut dieses Tieres war dermaßen resistent, dass die Zacken es nicht vermochten den Oktopus aufzuspießen. In der Hitze des Gerechtes fiel der Plastikeimer in dem bereits mehrere seiner Kollegen ihr Leben ausgehaucht hatten, um. Dadurch war die Frau kurz abgelenkt. Fast sah es so aus als würde sie den gesamten Fang verlieren. Um nicht nur blöd rumzustehen, stellte ich den Eimer auf, behielt jedoch meinen sich geschickt wehrenden Freund im Auge. Der nutzte die Chance. Du schaffst es, dachte ich- Du schaffst es.

Und tatsächlich; er schaffte es. Unversehrt glitt er ins Wasser. Die Frau zuckte nur mit den Schultern und lachte. Ich freute mich für den Tintenfisch und wir stiegen ins Beiboot. Mein Techniker hielt einen Vortrag über die Beschaffenheit von Tintenfischhaut. Meine Gedanken aber schweiften ab in die Vergangenheit nach Moorea zu meinem Freund am Riff. Auch er war mir immer wieder entwischt.

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Wenn ihr mehr über meine Freundschaft mit dem Kraken und viele andere spannende Begegnungen während der Weltumsegelung erfahren wollt- dann könnt ihr das demnächst in meinem neuesten Buch nachlesen.

260 Seiten, reich bebildert und schon bald überall im Buchhandel erhältlich.

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