007 und die g’sunde Watsch’n

Ehrlich, ich mochte ihn. Lange Zeit war er für mich der Inbegriff an bondscher Männlichkeit. OK, dass diese maskuline Ausstrahlung mit einem Toupet einherging, sah ich ihm nach, denn alle übrigen Qualitäten machten dies wett. Als Bond lagen ihm die Frauen zu Füßen. Klar, bei der Ausstrahlung und das bestimmt nicht nur im Film. Da war ich mir ganz sicher. Unvergesslich seine Rolle in ‚Jagd auf roter Oktober.‘ Allein dieser durchdringende Blick, hinter dem ein Gehirn arbeitete, das geniale und unvorhersehbare Schachzüge ausheckte. Der Inbegriff eines Strategen. Sean halt. Roger hingegen war mir ein wenig zu sophisticated and a ‚Little to British‘, aber immerhin recht souverän im Anbandeln mit den diversen Göttinnen des jeweiligen Zeitgeistes. Auch ihn möge Gott selig haben.

Dann, eines Tages kam ER. Mein Agent des 21. Jahrhunderts. Als er zum ersten Mal in geheimer Mission aus seinem Aston stieg, wusste ich; der ist MEINS. Diese eisblauen Augen, diese dezent aufgeworfene, leicht arrogante Oberlippe … Mein Mann hingegen, nur ein klein wenig uncooler, mochte ihn von der ersten Sekunde an nicht. „Pffft, das ist doch kein Bond!“monierte er. „Das ist doch bloß ein aufgeblasener Zwerg“, unkte er weiter. Auch Männer können ganz schön herumeifern. Deshalb sagte ich nichts dazu, schmunzelte ein wenig vor mich hin und bestaunte fasziniert, wie unkaputtbar der schweigsamste 007 aller Zeiten war.

Und den Brosnan Pierce will ich auch noch erwähnen. Der war irgendwie – irgendwie. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Also für mich zumindest. Da waren sich mein Mann und ich einmal einig.

Ich fasse zusammen; Bond mit Haarteil, bester 007 für meinen Liebsten. Eisblauauge bester 007 für mich.

Kürzlich erfuhr ich über die Medien, dass meines Mannes Favorit in hohem Alter von uns gegangen ist. Dazu muss ich sagen, dass wenn ich meinem Mann einfach nur darüber erzählt hätte, dass SEIN Held nicht mehr unter uns weilt, wäre das zu einer investigativen Diskussion ausgeartet. Nach dem Motto: Wann, wieso, woran? Deshalb begann ich vorab zu recherchieren und stieß dabei auf wenig Erfreuliches. Darunter auf ein Playboy-Interview aus den Sechzigern, in dem er kundtat, dass man einem Weibe, wenn nichts anders fruchtet, schon ab und zu eine mit der flachen Hand geben dürfte. Speziell dann, wenn man sie vorher mehrmals gewarnt hätte. In den Achtzigern bekräftigte er seine Theorie nochmals in einem Interview mit Barbara Walters. Erst 2006 distanzierte er sich davon. Da war ich baff. Mein Techniker auch.

Häusliche Gewalt widert mich seit jeher an. Da ist mir das ‚Eisblauauge‘ schon lieber, der als stolzer Vater mit Babytrage zum Shoppen ging. Dafür erntete er von einem englischen Fernsehmoderator blöde Häme. Als Inbegriff der Männlichkeit macht man so was einfach nicht, meinte der.

Der nächste Bond soll angeblich eine SIE sein. Wenn ja, bin ich schon gespannt, ob sie die Männer durch die Gegend watscht, oder ob sie beweist, dass Frauen tatsächlich in der Lage sind, Konflikte besser zu lösen …

James Bond | Emoji Meanings | Emoji Stories

© LoPadi 2020-11-08

Beitragsbild: http://matthew-wiebe-zkclxSVi1Fc-unsplash

6 Comments on “007 und die g’sunde Watsch’n

  1. Bei den stahlblauen Augen wurde ich auch schwach. 😃 Für mich auch ganz klar die Nr. 1.
    Sean sah aus wie mein Vater – deswegen ist das bei uns der „running gag“, wenn er wieder im Fernsehen lief. 😄

    Gefällt 1 Person

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