Die Heldin 🎖️

In zwei Monaten geht es wieder los mit dem Segeln, sofern unser Oldtimer bis Mai fertig ist. Bis dahin krame ich in Erinnerungen und mir fällt die Geschichte meiner tapferen finnischen Freundin ein, die mir leider im letzten Jahr für immer Adieu gesagt hat. Sie war ein Lebemensch. Mich tröstet, dass sie mit der heutigen Situation ganz sicher unglücklich geworden wäre. Heute eine Geschichte von einem unserer gemeinsamen Abenteuer …

Am wunderschönen Zeller See in der Segelschule Vettermann habe ich mit dem „Arsch im Wasser“ auf einer Jolle segeln gelernt. Nachdem ich den A-Schein in der Tasche hatte, wagte ich mich erstmals mit meiner Freundin Raita und meiner achtjährigen Tochter an die erste Ausfahrt. Tiburon 1, eine Shark 24, lag an einer Boje neben dem Yachtclub. Wir mussten erst einmal zum Schiff rudern. An Bord angekommen, setzten wir die Segel. Raita machte uns von der Boje los und wir glitten lautlos mit dem Wind im Rücken aus dem morgendlichen Schatten der Uferbäume. Der See war kaum bewegt. Eine frische Brise umwehte unsere abenteuerlustigen Nasen.

Es war eine Freude, inmitten der herrlichen Gebirgslandschaft zu segeln. Vor uns das prächtige Kitzsteinhorn. An den Ufern die Kulissen von Thumersbach und Zell am See. Drei Amazonen auf eigenem Kiel. Wir fühlten uns großartig. Ich am Steuer, Raita und Christina an den Segeln. Raita war noch nie gesegelt, aber sie konnte surfen und das musste genügen. Mit der Zeit gelangen uns die Manöver immer besser. Bald waren wir ein fröhliches und eingespieltes Team.

Mitten am See bargen wir die Segel, um ein wenig zu schwimmen. Das Wasser war mit 18 Grad äußerst erfrischend.  Wir wärmten wir uns in der Sonne, lachten viel und genossen den Moment. Die Zeit verging wie im Flug. Am späten Nachmittag wurden wir hungrig und wollten nach Hause. Schon beim Setzen der Segel wurde uns klar, dass der Wind zugenommen hatte und nachdem wir Fahrt aufgenommen hatten, rauschten wir auf die Boje zu. Plötzlich flog der Großbaum mit einem lauten Knall in die Verstagung. Ein Schäkel hatte sich gelöst. Eine Schrecksekunde lang sahen wir uns ratlos an. Ich scheuchte Christina unter Deck und bat sie eindringlich, sich nicht zu rühren. Danach steuerte ich die Yacht in den Wind. Der Lärm des wild schlagenden Segels war ohrenbetäubend und machte mich nervös. Die Seile schlugen wie Peitschen nach uns. Wir kriegten den Baum nicht zu fassen. Schließlich bekamen wir die Situation unter Aufbringung all unserer Kräfte in den Griff. Aufatmen und Kurs auf die Boje.

Diese kam schnell näher. Zu schnell. Raita verfehlte den Festmacher-Ring. Wir trieben auf das Ufer zu. Plötzlich ein Aufklatschen. Meine tapfere Freundin war über Bord gesprungen! Mit der Leine in der Hand schwamm sie zur Boje, aber die Länge reichte nicht! Was nun? Zum Glück war ein weiteres Tau an Bord. Ich warf es ihr zu. „Knüpfe beide Enden zusammen, dann reicht es in der Länge“, rief ich. Die Arme war völlig aus der Puste, aber sie gab nicht auf, holte sich die Verlängerung und schaffte es, die Leine durch den Ring der Boje zu ziehen. Wir waren endlich in Sicherheit.

Erschöpft und unterkühlt kam sie zurück an Bord. Christina lugte vorsichtig aus dem Salon. „Darf ich wieder raus?“, fragte sie verzagt. Wir hätten sie in der Aufregung fast vergessen. Bald lagen wir drei uns erleichtert in den Armen.

Raita, die Tapfere, kürten wir zur Heldin des Tages.

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