YACHTING

September Törn 2018 Kroatien

Dauer: 4 Wochen

Ankunft

September 01, 2018

September- unser Herbsttörn steht an. Unsere „Große Freiheit“ wird vorerst einmal mit zwei neuen „Features“ ausgestattet. Ein Außen Navi von Raymarine Axiom und zwei Solarzellen damit das Bierchen auch beim Segeln kühl bleibt.
Seit wir hier sind, regnet es immer wieder, aber es ist wenigstens schön warm und so stört der Regen nur bei den Außenarbeiten. Aber auch dagegen gibt es das Bimini, das wir ausfahren, um im Cockpit geschützt zu sein. Nun werkt der Kapitän vor sich hin, schimpft ein wenig, wenn’s nicht so klappt, wie gedacht und ich darf ein wenig assistieren…Ich selbst hab genug zu tun, denn am Schiff gibt es immer was zu optimieren, zu verproviantieren oder reparieren…Ich stelle eine Stau-liste zusammen und werde vermutlich wieder zu viel einkaufen aus Angst zu verhungern. Was man hier in Kroatien nicht bekommt, haben wir von daheim mitgebracht. Mein eigenes Pesto ist noch immer das Beste und Schwarzbrot haben wir für die ersten Tage auch. Leider schimmelt das Industriebrot sehr schnell. Mann müsste wieder selbst backen…
Am Abend gehen wir aus und genießen die Meeresfrüchte und andere Spezialitäten der Region. Selbst gekocht wird erst wieder vor Anker. So- laut Wetterbericht sollen sich die Regenfronten bis Montag verziehen- dann legen wir ab und verlassen gerne das touristisch überlaufene und laute Vrsar, um erst wieder zu kommen, wenn sich die Massen verzogen haben und wieder erholsame Ruhe einkehrt…

Gestern Abend gab es beim zu Bett gehen eine kleine feuchte Überraschung, denn zu meinen Füßen war alles nass! Von der Deckenverkleidung tropfte es und natürlich war nicht nachvollziehbar von wo das Wasser kommt… Gut das Reserve Bettwäsche an Bord ist…

Heute geht’s weiter mit Matratzen trocknen und der Montage des Außen- Navis…Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel und wundert sich, warum wir nicht längst im Meer sind und den schönen Tag genießen. Aber so ist das Bordleben nun mal. Immer was zu tun😯😅

September 04, 2018

Auf Höhe Rovinje; Millionen toter Fische …

Gerade will ich mich maßlos über jene Segler aufregen, die ihren Müll einfach über Bord werfen, da erkenne ich plötzlich worum es sich beim Müll tatsächlich handelt…
Millionen toter Fische treiben um uns herum. Ihre kleinen, leblosen  silbernen Leiber spiegeln sich in der Sonne. Was ist passiert? Wir wissen es nicht. Wir googeln. Wir finden Nachrichten über massives Fischsterben in Chile und Spanien. Aber hier?  Giftige Quallen seien unter anderem ein Grund, aber es bleibt rätselhaft. Bisher waren die Gewässer an den Küsten Kroatiens immer blitzsauber. Ändert sich das nun? Wundern würde es mich nicht, denn während der letzten Jahre nimmt der Tourismus exorbitant zu.
In der „Veruda“, der letzten Ankerbucht vor dem Kvarner  wartet die nächste Überraschung. Ein brandneues Bojenfeld. Nachdem wir noch einen Ankerplatz finden, unser Abendessen kochen und genießen, braust schon ein Bojen Boy heran und lässt uns wissen, das Ankern seit 3 Monaten verboten ist. Nach einigem Palaver ergeben wir ins der kroatischen Profitgier und legen uns an die Boje. Ein wunderschöner Sonnenuntergang entschädigt uns ein wenig für 24 Euro für 24 Stunden im eigenen schwimmenden Hotel. Natürlich mussten wir schon vorher  Kurtaxe und Segelgenehmigung bezahlen. Für diese Summen lebt man als Pauschaltourist formidabel bei All inclusive- 14 Tage im Hotel. Danke- kroatische Regierung, Du wirst uns Seglern Jahr für Jahr unsympathischer und Millionen tote Fische machen es auch nicht besser…

Das Großsegel steckt fest …a

September 05, 2018

Immer ist was- diesmal lässt sich das Großsegel nicht ausrollen. Kurble fast 100 Kilo Mann hoch. Sehr schweißtreibend! Das kommt davon, wenn beim setzen und einrollen schlampig gearbeitet wird. Die wichtigen Dinge an Bord sollte man immer selbst machen! Nach einer Stunde kurbeln und zerren, passt es wieder. Nun liegen wir in der Bucht zur „Safari-bar“ im Nationalpark am Tor zum Kvarner und genießen das Schwimmen im warmen Meer, Sonne und Wind…Morgen gehts abseits der seglerischen Trampelpfade nordwärts weiter.

FISCH BALLETT mit dem Skipper

September 07, 2018

Uvala Soline;
Für Anfang September liegen noch eine Menge Boote hier. Vermutlich auf Grund der Gebühren in der Veruda. Von angenehmen ruhigen Bootsnachbarn bis hin zu grölenden Männer Crews ist alles vorhanden. Abends ist es windstill ubd das Wasser überträgt jedes Wort und jede Musik, ob man sie nun hören will oder nicht. Rücksichtnahme gibt es bei den Charterern keine, sind ja im Urlaub und da darf man ruhig die Sau rauslassen…Ok, kann man nicht ändern…
Die positiven Momente überwiegen mit herrlichem Sonnenschein bei 28 Grad und angenehmen Meerwassertemperaturen. Beim morgendlichen Bad, werden wir von einem „Fisch Ballett“ umkreist. Tagsüber schwimmen wir, sonnen uns und machen  gegen Abend eine Wanderung nach Premantura. Die steinigen Ufer sind noch voller Leben- auch eher ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Uns fällt auf, wie blitzsauber die Strände sind. Kein einziger Abfall am gesamten Weg. Den sorgsamen und bewussten Umgang der Menschen mit der Natur finden wir großartig.
Der Tourismus nimmt in Kroatien merklich zu. Waren wir vor einigen Jahren noch ziemlich alleine um diese Jahreszeit, so entdecken nun immer mehr Urlauber diese wunderbare Küste…
Nach der Wanderung gibt es Abends noch einen Sundowner- ein wenig lesen und ab in die Koje…

Nicht ärgern, nur wundern…

September 09, 2018

Mit „Komm, schau- da kommt ein Dinghi angetrieben“ reißt mich Bodo aus meinem entspannten Sonnenbad. Und tatsächlich- da treibt ein herrenloses Dinghi mit Außenborder und Rudern gemächlich Richtung Ufer. Mein Mann behauptet felsenfest, es gehöre zum Charterboot schräg Vis a Vis, aber das kann ich mir nicht vorstellen, denn am Heck steht ein junger Mann, schaut in Richtung Treibgut wendet sich wieder ab und widmet sich seinem Stand up- Paddel-bord. Mein Mann meint, das würde er jetzt klar machen, um das Dinghi zu holen. Da es beinahe windstill ist,  wäre es auch überhaupt kein Problem. Doch nichts dergleichen passiert. Der Junge interessiert sich offensichtlich nur für sein Bord. „Siehst Du, sage ich zu meinem Mann- das Dinghi gehört denen nicht!“ Ich leg mich wieder hin, um weiter zu dösen. Das geht leider nicht, denn mein Hirn aktiviert den Freibeuterinstinkt und mir fällt ein, gelesen zu haben, dass Treibgut dem gehört, der es birgt. Ich schau also noch mal genauer hin und sehe, dass das Bötchen gut in Schuss ist und der Außenborder wie neu aussieht. Na ja… Diese Gedanken teile ich mit Bodo. Der sieht das ähnlich. Nachdem das Dinghi mittlerweile auf die scharfkantigen Felsbrocken am Ufer zutreibt,  zieht mein Kapitän kurzentschlossen die Flossen über und spurtet dem Treibgut nach. Knapp vor den Felsen holt er es ein und rudert es in Sicherheit. Niemand von den rund 15 Yachties am Ankerplatz kümmert es, was wir tun und so binden wir das Dinghi erstmal gut sichtbar an unser Heck. Es sieht tatsächlich ziemlich neu aus und wie ein typisches Charterboot- Standard- Dinghi. Der Junge am verdächtigen Boot vis a vis übt weiter auf seinem Stand up Bord und auch sonst passiert die nächsten zwei Stunden nichts. Ok, sagen wir, wir warten noch bis morgen früh, dann sehen wir weiter…Zwei Stunden vergehen. Da höre ich plötzlich Paddelschläge an unserem Heck… Ein etwas 45 Jahre alter Mann kommt am Bord kniend langsam näher. „Hallo, ruft er, ich hole nur unser Dinghi.“ 😮 Da Bodo gerade in einer wichtigen sanitären Mission unter Deck weilt, muss nun wohl ich meiner Verwunderung Ausdruck geben.  Sind sie vom Boot gegenüber ?“, frage ich. „Ja“, antwortet er.  „Aha, sage ich und da ist ihnen nicht in den Sinn gekommen, das Dinghi selbst zu bergen, sondern es von uns holen zu lassen??? „
„Ja, tut mir leid, wir haben nicht gesehen, dass es abgetrieben ist …“ Häm? Auf meine Frage hin, ob der Junge in der rosa Badeshort sein Sohn sei und er das bejaht, kläre ich ihn auf, dass dieser dem Beiboot nachgesehen habe und sich danach jedoch „wichtigeren“ Dingen gewidmet habe. Das täte ihm auch leid, meint der Vater. Wurscht, nach einigem Palaver über Bergerecht und herrenlosem Treibgut, gebe ich das Dinghi frei.
Er bedankt sich zerknirscht und wechselt vom Stand up Brett ins Bötchen und startet den Außenborder. Das heißt er würde gerne, aber der springt nicht an. Also rudert er schließlich zu Weib und Kind auf die „Sun Charter“ Yacht zurück. Aus der Ferne höre ich noch, wie der Vater gegenüber seinem verpeilten Junior etwas die Stimme erhebt- dann verlassen sie die Bucht.
Mein Mann erscheint frisch von der Sitzung und wundert sich nicht schlecht über den Ausgang dieser Geschichte. NATÜRLICH hätte ER besser verhandelt, aber war dieser Einwand nicht zu erwarten😏?

Am folgenden Abend und in der Nacht füllt sich die Bucht zusehend mit weiteren Charteryachten, die natürlich gehörig Rabatz machen. Das geht bis zwei Uhr früh. Am nächsten Morgen, als wir ablegen wollen, sehen wir  dass sich eine Charteryacht fast AUF uns gelegt hat😏. Brüllen können sie, aber von Seemannschaft null Ahnung! Ich fordere die verkaterte Truppe auf, Anker auf zu gehen, denn der Abstand sei so gering und direkt vor unserem Bug, dass wir sie beim Ankermanöver rammen würden. Das machen sie auch prompt und verlassen gleich den Ankerplatz mit uns. Ja ich weiß, nicht alle Charterer sind so. Ok, aber immer noch zu viele!

Zur Belohnung- liegen in unserer Traumbucht. ALLEINE!

Endlich! Schöner und ruhiger geht’s nicht…

September 10, 2018

Windlos…

September 15, 2018 Seit 14 Tagen sind wir nun unterwegs, seit 14 Tagen so gut wie kein Wind. Dafür außergewöhnlich hohe Luft- und Wassertemperaturen. Bevor nun Gedanken zum Klimawandel aufkommen- es war vor einem Jahr um die selbe Zeit ganz anders. Regen, Kälte starker Wind.
Natürlich ziehen wir die heurige stabile Hochdruckwetterlage dem Shit-wetter vom letzten Jahr vor.

Langsam wäre es doch wieder mal schön, die Segel zu setzen und das Motor Gebrumme abzustellen. Heute hatten wir vor Zadar endlich die Gelegenheit dazu. Eine sanfte WNW- Brise füllte die Genua, der „eiserne Gustav“ gönnte sich eine Pause und die „Große Freiheit“ zog mit drei Knötchen sanft durchs leicht bewegte Meer. Wir brachten die Angel aus und genossen die wunderbare Ruhe an Bord…
Fisch gab es leider keinen zum Abendessen, aber Spaghetti, die schmecken sowieso immer und abschließend genossen wir ein Gläschen Rotwein, mit dem wir auf unsere seglerische Wiedergeburt anstießen. Wetter weiterhin fantastisch mit Aussicht auf 30 Grad und wenig Wind in der kommenden Woche. Gustav- du wirst uns wahrscheinlich wieder gut brummen… müssen…

Alles verändert sich…

September 20, 2018

Kroatien boomt touristisch zweifelsohne. Auch was den Segeltourismus anbelangt. Immer weniger maritim erfahrene und rücksichtsvolle Segler, werden von lauten und rücksichtslosen Spaß- und Sauf- „Seglern“ abgelöst. Schade, denn das Meer mit der einzigartigen Schönheit Kroatiens, steht im krassen Gegensatz zu diesen  benehmensfernen Rowdies. In den einstmals ruhigen Buchten dröhnen die Bordlautsprecher und grölen  die Besoffenen.
Nach Jahren schöner Erfahrungen in der Nachsaison, überwiegen immer mehr diese Crews, völlig überteuerte Bojenfelder und Marinas mit unverschämten Preisen, deren Standards bei weitem dem Preisniveau nicht entsprechen.
Also sind wir fast schon ein wenig verzweifelt auf der Suche nach Bojen und charter freien Buchten in denen man noch ankern „darf“, was immer schwieriger wird…
Ich glaube es wird Zeit für ein neues Revier. Nächste Saison fangen wir am besten gleich damit an…

Seemannschaft…

September 24, 2018 Nur damit keine Missverständnisse aufkommen- viele Adria- Fahrtensegler verhalten sich verantwortungsbewusst und umsichtig. Ich habe auch (noch) kein Chartersegler Trauma- aber was sich vor Molat an der Boje zugetragen hat, ist halt leider wiedereinmal ärgerlich. Seemannschaft ist ein Begriff, der immer mehr Schiffsführern wurscht ist oder vielleicht sogar fremd. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist das man sich bei Bora- Warnung, auch an einer Boje, noch dazu, wenn viele frei sind, so fern wie möglich vom Nachbarschiff hält. Bei gutem Wetter und wenig Wind, mag das eine geringe Rolle spielen- aber bei Starkwind sehr wohl. Unser Nachbar macht fröhlich an der Boje nebenan fest und reagiert auf die Bemerkung meines Mannes, das sei zu nahe, mit den Worten: „Nur mit der Ruhe“.  Daraufhin wiederholt mein Kapitän seine Bedenken, aber das Skipperlein kümmerts nicht und auch die Crew schaut stoisch weg. Meinem Mann rutscht ein nicht jugendfreies Wort aus dem Mund, was äußerst selten ist.
Nächster Tag; Die Bora setzt fast pünktlich nach Prognose ein. Wir klarieren alles wind sicher an Deck, holen das Dinghi an Bord und zurren es fest. Wir prüfen nochmal die Leinenverbindung zur Boje und warten die ersten Böen ab. Mit 48 Knoten fegen die kühlen Fallwinde über uns hinweg und treiben uns sehr nahe an das Nachbarschiff. Dieses reagiert auf Grund geringerer Länge und Gewicht völlig unterschiedlich auf den Winddruck.
Gott sei Dank hält unsere Boje. Nicht auszudenken, wenn dies nicht der Fall wäre. Auf Grund des geringen Abstandes, hätten wir nicht mal die Zeit die Maschine zu starten und uns vom Nachbarschiff frei zu halten…
Das führen eines Schiffes bedeutet Verantwortung, vorausschauendes Denken und eben Seemannschaft. Genau diese Eigenschaften vermissen wir bei den Tralla-la- Hopsasa- Seglern…
Schade eigentlich, denn ein bisschen mehr von diesen Eigenschaften, würde viel Ärger und Havarien verhindern. Seemannschaft sollte keine altmodische Phrase, sondern eine Selbstverständlichkeit für jeden Schiffsführer sein. Schade, dass das nur selten der Fall ist.

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