PROJEKT K 2001 ⛵

Renovierung einer Segelyacht vom Typ K2000 (Ehemalige Schiffswerft Korneuburg – Österreich)

(27′) • Baujahr 1994 • Länge 8,00m • Breite 2,67m • Tiefgang 0,70m • Gewicht 2100 kg • Stehhöhe im Salon

Projekte braucht ein Mann und ich ?

Mein Techniker hat ein neues Projekt. Nach dem wir heuer unser altes H-Boot zum Verkauf ausgeschrieben hatten (wir brauchen unbedingt was größeres 😐 ), wurde ratz fatz ein Neues angeschafft. »Das Angebot ist ein Schnäppchen,« sagte mein Mann strahlend. »Es gibt nur mehr drei von diesem Schiffstyp, eine Rarität quasi, eine ‚K2000‘, sogar in einer österreichischen Werft gebaut.«
Die Werft in Korneuburg gibt es natürlich längst nicht mehr. Der verstaatlichte Betrieb ging pleite.
Wir auch, wenn es mit den Projekten so weiter geht.

Dabei könnten wir es so gemütlich haben. Wir sind ja beide im sogenannten Ruhestand. Es ist ja nicht so, dass wir ein lasches Paar wären. Nein, ganz im Gegenteil. Im Sommer segeln wir. Im Winter gehen wir auf Schitour und Wanderungen machen wir sowieso das ganze Jahr über. Dann wären da noch die Wohnmobiltouren. Heuer eher weniger, wegen der Plandemie 🙄. Nebenbei rufen Haus und Garten und ein Bildschirm aus dem mich ein leeres Word Dokument anstarrt …

Als ich das ‚Projekt‘ das erste mal sah- und ich darf durchaus von mir behaupten, dass ich inzwischen ein bisschen Ahnung von Booten habe, wollte ich gleich wieder weg. Als ich die Leiter wieder hinunter stieg, hatte ich nur den einen Gedanken: ‚Hoffentlich sehe ich das vergammelte Objekt nie wieder!‘ Unten angelangt rief ich meinem Techniker mit fester Stimme zu: »Ich will sie nicht«, und stapfte zurück zum Auto. Von mir aus konnten wir gleich wieder fahren. Wie konnte er nur denken dass …

Heute steht das ‚Projekt‘ bereits hinter dem Haus auf einem Lagerplatz, neben unserem Womo und wartet darauf von mir gemocht zu werden. Da kann es lange warten. Auch der zweite Blick überzeugt mich nicht. Trotzdem klettere ich noch einmal hoch. Vielleicht hat mich der erste Eindruck doch getäuscht.
Es sieht nicht danach aus.
Unter Deck Schmutz und feuchte Stellen überall. Dieselgeruch und fremde Düfte die sich von den Voreignern im Interieur festgesetzt haben. Ich schaue meinem Techniker tief in die Augen und sage: »DEIN Projekt! Das sieht nach einem halben Jahr Arbeit aus. Aber bitte, dann hast Du zu tun und ich komme endlich zum Schreiben!« Im Geiste sehe ich mich schon das nächste Buch veröffentlichen. Dabei streift mein Blick die provisorisch abgedichteten Fenster, die ungepflegte Pantry und den Salontisch, dessen Holz auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Eigentlich könnte man es ganz hübsch einrichten.
Erinnerungen an vergangene Renovierungen kommen hoch. War es nicht total spannend ein Schiff wieder auf Vordermann zu bringen und bin ich nicht eine begnadete Handwerkerin 🤔?

»Na ja,« höre ich mich plötzlich sagen. »Vielleicht lässt sich doch etwas daraus machen … «

FORTSETZUNG FOLGT ?

Da steht es nun das renovierbedürftige Wesen. Wesen? Ein Schiff ist doch kein Wesen🤦 … Ich meine doch! Für mich hat es sogar eine Seele. Aber das begreift nur jemand, der jahrelang auf einem Segelschiff gelebt hat.

Und diese Seele blickt nun vom Lagerbock auf mich herab und fragt: »Ist dies nun der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?«🤩

Von außen gesehen, vielleicht, aber …

… ich war ja schon in Deinem Bauch und da bekam ich leider Bauchweh … ‚rott‘ mittschiffs […]
(von Rottenklausel; wenn Schiffe nach Besichtigung als nicht seefähig befunden werden, entfällt die Pflicht für den Versicherer; ugs.)

Deinem Voreigner warst Du gelinde gesagt ziemlich wurscht und ob es bei Dir hereingeregnet hat oder nicht, für ihn offensichtlich nicht von Bedeutung.😒

Aber ich habe Deine Seele erkannt und fortan wird der Techniker nicht mehr allein für Dich da sein. (Vermutlich hat der Schlawiner das schon von vornherein gewusst)⛵. Ich werde halt immer wieder schwach bei Euch Schiffen. Furchtbar!

Schon habe ich zugesagt die Fenster auszubauen, abzudichten und wieder einzubauen. Deiner Holzeinrichtung werde ich zu neuem Glanz verhelfen. Deine nach Diesel stinkende Polsterung lasse ich reinigen, denn dafür gibt es Spezialisten. Wir wollen ja künftige Sommers🌞 in Dir, auf ihnen nächtigen.

Mein Techniker werkt schon seit zwei Tagen und findet immer wieder neue ‚Herausforderungen‘ 💪. Er hat einen Unterstand während des Fenster-Ausbaus organisiert und die ersten Renovierungs-
Materialien bestellt.

Nächste Woche geht es noch einmal in den Süden, um ‚die Große‘ einzuwintern. Also immer langsam mit den jungen Pferden – ähm Schiffen …

Fortsetzung folgt?

Zusammen geht oft schwer …

Da haut jetzt aber einer rein. Mein Techniker ist in seinem Element. Die Schleifmaschinen surren, die Flex jault und die Werkstatt versinkt in Staub und Spänen. So muss es sein. So ist der Mann ein Mann. Ab und zu öffne ich möglichst unauffällig die Tür in den geheiligten Arbeitsreich und linse vorsichtig auf die Work in Progress … Vorsichtig deshalb, weil ich nicht UNBEDINGT in jeden Arbeitsprozess mit eingebunden werden möchte. Ich muss ja nicht überall dabei sein. Aber zu spät! „Gut, dass Du da bist,“ tönt es „und halt mal fest,“ lauten die prompten und unmissverständlichen Anweisungen.

Allerdings- das mit dem unmissverständlich- ist so eine Sache. „Wo jetzt genau halten?“ frage ich. „Na wo schon “… Pfft, bin ich Gedankenleserin? Irgendwann halte ich endlich richtig und dann aber schon wieder falsch und alsbald regt sich ein Fluchtimpuls. Es ist nämlich so. Wir können gaaanz schlecht zusammen. (Arbeiten). Sonst schon, aber arbeiten … Ich komme vom Bauernhof, da heißt es Anpacken und mitdenken und weil ich schon soviel angepackt und mitgedacht habe, mache ich mir meine eigenen Gedanken wie es RICHTIG geht.

Das wiederum führt zu kleineren und größeren Konflikten, die durchaus damit enden können, dass ich nach dem fünften Mal hin und her beleidigt den den Arbeitsplatz verlasse und meine Assistenzstelle mit den Worten: „Mach doch deinen Kram allein“, hinschmeiße. So bin ich nun mal. Deshalb teilen wir unsere Arbeiten auf. Dann flutscht es wunderbar.

Die Polsterungen, der Fenster Ausbau, das Lackieren- all das wartet noch auf mich und zwar nur auf mich.
Weil zusammen arbeiten geht halt oft schwer …

BRUCH!

Fortsetzung folgt?

Manchmal möchte ich einfach davonlaufen. Manchmal frage ich mich, warum das zwischen Mann und Frau so kompliziert ist und Frau nicht einfach die Flucht ergreift. Manchmal ist sogar ‚glasklar‘ warum, aber trotzdem bleibt Frau …

Wie schon erzählt, habe ich mich bereit erklärt, meinen Techniker bei seinem Projekt zu unterstützen. Habe ich mich einst desinteressiert von diesem Schiffswrack abgewandt, so hat es letztlich doch Eingang in mein Seglerinnen- Herz gefunden. Irgendwie. Wer versteht schon die Frauen. Tu ich selbst ja oft nicht.

Vermutlich kann ich es einfach nicht lassen. Wo Arbeit lauert, bin ich dabei. Vielleicht ist es zwanghaft. Während meiner Kindheit am großelterlichen Hof wurde jemand der nicht mit anpackte, von vornherein als faul und untragbar eingestuft. Vermutlich deshalb.

Obwohl es für mich äußerst schwierig ist, an der Seite meines Technikers zu arbeiten, muss es im Zuge dieses Projektes manchmal sein. So auch heute. Seit Tagen feudle ich an den ausgebauten Aluminium-Fensterrahmen und dem Sicherheitsglas herum. Erst wollte ich die Fenster selbst ausbauen, dann ließ ich es aber wieder, denn sie sind stellenweise mit Epoxid an der Bordwand verklebt. Da ruiniert man beim Ausbau mehr, als einem lieb ist. Und wenn ICH etwas ruiniere-, dann ist das dem Techniker im Nachhinein von vornherein klar … „Also mach es lieber du“, sagte ich. Mir blieb immer noch das Abziehen und das säubern des Glases. Es war die richtige Entscheidung, denn sogar mein Mann hatte Mühe die Teile auszubauen. Aber das sollte nicht die letzte Schwierigkeit sein.

Schon bei der Renovierung des Weltumsegelungs-Schiffes habe ich eine Abneigung gegen Silikon entwickelt. Diese Abneigung feierte nun fröhliche Urstände. Dieser ‚Bastel-Dreck‘ für Faule gehört verboten. Ich habs trotzdem hingekriegt. Mit einer Ceranfeld-Klinge. Da lag er nun, der fast wie neu aussehende Alurahmen und das blitzblanke Sicherheitsglas. Auf zum Einbau; aber was musste ich sehen?

Schleifarbeiten

Mein Allwissender hatte das Sikaflex zu lange antrocknen lassen und so wurde es unmöglich, den Rahmen samt Glas einzupassen. Alles wieder runter … Ich moserte und ging. Da putzte ich lieber den zweiten Rahmen bevor … Währenddessen wollte der Techniker das überschüssige Material abziehen. In einer Stunde sollte ich wiederkommen.

Schließlich präsentierte ich strahlend den zweiten, sauberst geputzten Rahmen. Gleich wurde ich wieder zum Helfen eingeteilt. Schon auf den ersten Blick sah ich, dass zu wenig überschüssiges Material abgezogen worden war. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass der Techniker grundsätzlich wenig Geduld mit solchen blöden Arbeiten hat. Immer husch husch. Und was soll ich sagen? Das Glas ließ sich prompt nicht einpassen. Ich gab dem Mann eine Feile und schlug Folgendes vor „ versuch, das Glas von der Seite reinzuschieben.“ Ich sagte ausdrücklich schieben. Als ich den Schlag mit der Feile hörte, zerbrach auch schon das mühsam gereinigte Sicherheitsglas zu einem fantasievollen Netzmuster … Schei …

Natürlich war es meine Schuld, weil ICH die Idee mit der Feile hatte … Natürlich …

Vorher

Fortsetzung folgt?

2 Comments on “PROJEKT K 2001 ⛵

  1. huchhhh…wie kann man nur ? …na dann wünsch ich viel power für die nächsten 3 Jahre…und ein entsprechendes Sparschwein für nie endenwollende Renovier-Details…ist wie beim Althauskauf : kaum lüpft man ein Ding, tut sich endlose Arbeit auf … ewig wiederholendes Motto : …na wenn schon dennschon…vom Xten ins Tausendste…am Ende hat man Kreuzweh und schrammt laufend am Hinschmiß vorbei…aber der Techniker hat ja dich, eine stützende Lore, die dann den pipifeinen Feinschliff nach dem groben Rohbau macht !
    …mein Credo in den letzten Jahren : „,,mich von Lasten zu befreien…Besitz schafft Arbeit (und die macht nicht frei !) die immer mühsamer wird…lieber das Vorhandene optimieren und mit Blick nach innen ( ! ) genießen….trotzdem weiß ich : ein Mann braucht immer bißl manuelle Arbeit…dann gibt er Ruh.
    Dein nächster Buch-Titel : „wie sag ich’s meinem Techniker“
    viel Kraft für’s Weitermachen !
    nico

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Nico, ich hoffe, bei Dir geht es entspannter zu und es ist alles in Ordnung. Bist Du unter die Blogger gegangen, oder wie hast Du diesen Kommentar erstellt?
      Ich bin ‚nur‘ für die Fenster und die Holzarbeiten zuständig (Schleifen, Lackieren) …
      Liebe Grüße Lore

      Liken

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