Tag 6- Vieste

Legen einen „jeder macht mal was für sich- Tag“ ein. Bodo radelt nach Vieste/City, ich trödle am Strand vor dem Campingplatz herum.🏖️ Trotz wenig Sonne, ist das bei bei 25 Grad ein entspanntes Vergnügen. Es ist Vorsaison und angenehm ruhig.

Ich entdecke eine Strandbar und bestelle ein Glas Prosecco. Außer Mücken, umschwirrt mich hier niemand. Da ich gerade kein Lust auf Proteine habe, bastle ich ein Schutzhäubchen für mein Glas und schon nach ein paar Schlucken, spüre ich, wie sich wohlige Müdigkeit in mir ausbreitet.

Wo wird mein Mann wohl herum schwirren? Ich gehe jede Wette ein, das er sich verfranzt.🚳 Er hat’s nicht so mit der Orientierung. Wie gut, dass ich davon nichts mitbekomme. So ein „jeder macht mal was für sich Tag“ hat schon was …

Mein Telefon hab ich dabei. Für den Notfall 😉

Würstelstand in Nord- Apulien- Eintritt mit Hindernissen. Tag 5 – Numana- Vieste 400 km +

Nach einem Tag rasten vom hasten, geht’s weiter nach Vieste. Damit erreichen wir den Norden von Apulien.

Gestern gab es leider wieder eine böse Überraschung. Als wir den Stauraum unter dem Dach öffnen, kommt uns ein äußerst unangenehmer Geruch entgegen. Bei einer undichten Stelle, muss letztes Jahr, Regenwasser eingedrungen sein. Dadurch hat sich Schimmel gebildet, der sich munter auf den gelagerten Sachen verbreitet hat.

Es müffelt nicht nur, es muss alles ausgeräumt und gereinigt werden. 😝 Einiges ist nicht mehr zu retten und landet gleich mal im Müll.

Urlaub? Nö, das ist Reisen der anderen Art! Aufregend, spannend und stets unvorhersehbar, durch die Gebrechlichkeit unseres Oldtimers. 🥺

Heutezum Beispiel, fährt Würstelstand, bei herrlichem Wetter, brav schnurrend mit 100 bis 120 km/h gegen Süden. Wenigstens motorisch ist das Ding besser drauf, als sein Interieur!

Der Feiertags Verkehr strömt ganz ordentlich. Ein Stau, eine Rast, Cappuccino für uns, Diesel fürs Womo. Schon sind wir im Parco Nationale del Gargano mit seinen alten Pinien und dem Buchenwald der Foresta Umbra.

Wir verlassen die eintönige Autobahn, um der Natur näher zu sein. Schön ist es hier. Uralte Olivenbäume und wunderschöne wilde Blumen säumen die schmalen Straßen.

Leider verwirren wir durch das Abfahren von der Autobahn das Navi derartig, dass es den Weg zum Campingplatz nicht mehr findet. Es leitet uns zu Seitenstraßen mit Fahrverbot und jagt den Würstelstand mehrere Runden sinnlos steil die kurvigen Bergstraßen hinauf und hinunter. Mein Mann genießt mangels Servolenkung, ein kostenloses Armtraining und ich bin genervt wegen der sinnlosen Kilometer.
Ein Anruf beim Campingplatz, bringt auch nicht viel, denn die Dame hat keine Ahnung, wo wir sind. Das wiederum, hebt keineswegs die Laune zwischen Fahrer und Beifahrerin. 😬 Kann nicht EIN Tag mal ohne Probleme ablaufen?

Schließlich kann uns die freundliche Dame vom Campingplatz doch noch helfen und wir erreichen müde und hungrig unser Ziel. Der Platz ist in Ordnung, die Anlagen sauber. ☺️

Ein Bier, etwas zu Essen und ab ins Bett. Aber halt, vorher noch ein wenig bloggen.

Ciao, bis morgen oder übermorgen …es bleibt spannend!

Unser Platz für die Nacht

Parco Nationale del Gargano
Welche Pracht!
Hier gibt es noch jede Menge Mohnblumen
Ein Schäfer mit Herde und Hunden. Nur mit Pfiffen delegiert er seine Hunde und hält so die Herde zusammen.

Ravenna- San Marino- Loreto- 303 KM

Wir „rasen“ gen Süden. Na ja, rasen ist vielleicht ein wenig übertrieben. Obwohl, 120 schafft unser Würstelstand locker! Was uns treibt? Die Schlechtwetterfront, die sich im Norden manifestiert. Also ab in den Süden 🌤️ Erstes Ziel: Die Republik San Marino. Das Steuerparadies empfängt uns mit Regen und Nebel. Wir parken auf einem der vielen Womo- Parkplätze unter dem Castello. Die Stellplätze verfügen sogar über Stromanschluss. Viele Italiener stehen hier mit ihren Wohnmobilen und bleiben über Nacht. Kommenden Donnerstag, den 25. April (Tag der Befreiung Italiens), ist der höchste Feiertag Italiens. Dieser wird für einen Urlaub genutzt.
Wir bleiben nur ein paar Stunden und wandern, wie die meisten, hinauf zum Castello. Oben angelangt, schlendern wir durch die engen Gassen, gönnen uns ein köstliches Gelati und genießen den wunderbaren Blick auf die saftig grünen Hügel im Tal.

Leider lasse ich mich dazu verleiten, einen Blick in das berühmte, aber abscheuliche Foltermuseum zu werfen. Angewidert, verlasse ich nach wenigen Minuten, die Stätte des Grauens. Was die Handlanger der Kirchenväter während der Inquisition den Ungläubigen und unter ihnen, vor allem den meist unterpriviligierten Frauen, den sogenannten „Hexen“- angetan haben, ist unfassbar grausam. Mich wundert, das viele Eltern ihren Kindern diesen Museumsbesuch antun. „Ach, sagt da zum Beispiel ein deutschsprachiger Vater zu seinem kleinen Sohn, auf die Frage, für was denn das Werkzeug vor ihm sei, jovial; damit hat man den Menschen die Augen ausgestochen…“ und wandert danach den Kleinen im Arm, gelassen zur nächsten „Attraktion“

Nach einem weitaus erfreulichrem Besuch eines Kunst- Museums, wandern wir zurück zum Würstelstand und machen uns auf den Weg zu einem Campingplatz, zirka 50 km südlich von Ancona. Während der Fahrt taucht vor uns auf einem Hügel, die imposante Basilika von Loreto auf. Spontan beschließen wir, das Bauwerk zu besichtigen. Das dies eine gute Idee ist, erkennen wir spätestens beim Betreten der Basilika. Wir haben beide im kirchlichen Bereich, viel gesehen, aber noch nie etwas Schöneres. Der reich verzierte marmorne Schrein, in dem die schwarze Madonna steht, macht uns sprachlos. Die Deckenfresken, die Altäre kurzum, die gesamte bauliche Meisterleistung lässt uns aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Weniger faszinierend finde ich eine junge Frau, die sich auf Knien rutschend und betend um den Schrein schleppt. Sie sieht gar nicht so sündig aus, eher der Welt entrückt …

Der Baumeister, welcher diesen Prachtbau zur Huldigung der Mutter Gottes erdacht hat, ist bis heute unbekannt. Wer auch immer es war- es muss ein genialer Mensch gewesen sein.

Der Hauptaltar
Der Schrein

Müde und hungrig fahren wir anschließend zum Campingplatz „Bella Mare“ in Porto Recanati. Den Stellplatz haben wir über Google gefunden. Diese Variante hat sich schon im Vorjahr bewährt. Der Platz ist riesig, hat hauptsächlich Grasflächen🤸 und ist kaum belegt. Er liegt direkt am Meer. Es ist noch immer sehr kühl und windig. Das Meer ist bewegt und die Brandung rauscht gewaltig an den Strand. Im Restaurant, welches zum Campingplatz gehört, genießen wir die maritime Küche. Es gibt sogar belgisches Bier! Ein perfekter Tagesausklang.🍻

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