Naturbüro

Es ist wieder so weit. Das Wetter ist schön, die Tage lang, die Büroterrasse vor der Nase und die frische Luft darum herum. Die Vögel zwitschern, die Blumen blühen und der Wind rauscht in den Zweigen des Waldes. Manchmal ist es gar nicht so einfach, konzentriert zu bleiben und sich auf das Manuskript zu konzentrieren. Korrekturlesen ist äußerst anstrengend, die Internet-Programme zu schwach und mein Auge schnell müde. Aber es muss sein. Duden Mentor hat ein recht gutes Programm, aber ich habe es noch nicht geschafft ein Plugin mit Word herzustellen. Es scheint noch nicht zu funktionieren. Aber vielleicht bin ich auch nur zu begriffsstutzig bei der Installation.

Ich werde es weiter versuchen. Habt IHR Erfahrungen mit Rechtschreibprogrammen? Ich nutze LanguageTool Premium, mit dem ich bei einfachen Texten recht zufrieden bin, aber für Belletristik reicht es einfach nicht. Die Word Korrektur kann man auch getrost vergessen und so suche ich weiter nach dem perfekten Tool. Aber jetzt nichts wie raus und weitermachen … Schönen Freitag 🙂

Mein neuer Schreibtisch …
Büro mit Aussicht

… vielleicht setz ich mich aber auch nur auf mein Bankerl …

Lieben Gruß aus Salzburg – Eure Lo

Der Mob ist Los …

Während viele Posts auf Instagram gestern lediglich schwarze Bilder zeigten, mit denen man Solidarität mit George Floyd bekunden wollte, eskaliert in den USA die Gewalt. Die Pandemie hat einen Nachfolger gefunden. Die Erregungsgesellschaft hat ein neues Thema. Mir wird langsam übel, denn diese medial gezüchteten Wirbel sind einfach nur ekelerregend und es geht auch hier längst nicht mehr um den Auslöser der Unruhen. Unschuldige Menschen werden erschossen, Geschäfte zerstört, Häuser gestürmt und das Establishment zum Freiwild. Meinungsmacher, sogenannte Influencer mischen sich unter die Meute und berichten darüber auf ihren Blogs. Scheint verdammt cool zu sein. Armes Abendland …oder besser gesagt; Gute Nacht!

Waldmeisterbowle

Gerade blüht der Waldmeister und ich erinnerte mich dunkel daran, dass es früher zu feierlichen Anlässen manchmal Waldmeisterbowle gab. Mein Techniker ist ja so was von begeistert, von diesem Geschmack, aber ich ehrlich gesagt nicht sooo sehr.
Aber egal, interessant ist die Geschmacksrichtung auf jeden Fall; wer von Euch diesen Mix noch nicht kennt und ihn ausprobieren möchte-bitte sehr …

Rezeptmenge für ausreichend Fröhlichkeit:

2-3 Büschel Waldmeister
4 l Weißwein
1 l Sekt
1 – 2 unbehandelte Orangen

Den hoffentlich selbst gepflückten Waldmeister waschen und über Nacht welken lassen.
Die Orangen mit heißem Wasser waschen in Scheiben schneiden und in das Bowlengefäß legen.
Darüber die HÄLFTE des Weißweins gießen. Danach die Büschel Waldmeister zusammenbinden und so in den Wein hängen, dass nur die Blätter im Wein sind. Eine halbe Stunde an einem kühlen Ort ziehen lassen.
Danach Orangen und Waldmeister entfernen und mit dem restlichen Wein und dem Sekt aufgießen.

Bin gespannt wer es kennt, oder ausprobiert und ob es schmeckt. Prost!

Dazu die passende Musik in Form der ‚Waldmeisterouvertüre‘ – auch ein Klassiker 🙂

Komponist: Johann Strauss


Schönen Pfingstmontag 🙂

Feiertagsgeschichte #1

The Rose …

Jahr für Jahr, aber viel zu kurz erfreust du mich mit deiner wunderbaren Blütenpracht. Wenn sich das erste Grün deines Kleides entfaltet, zauberst du ein Lächeln in mein Gesicht.
Für mich bist du die schönste aller Rosen und wirst es immer bleiben, auch wenn deine Schwestern versuchen, mich mit ihrer Vielfalt für sich zu gewinnen.
Wenn die ersten Knospen rund und fest aus deinen kräftig grünen Armen wachsen und ihre Ränder beginnen das Geheimnis der Farbe zu enthüllen, weiß ich, dass auch du es nicht mehr erwarten kannst, dich zu entfalten und deine prächtige Blüte der Sonne entgegen zu strecken.
Dann diese wunderbare Explosion der üppigen Blütenköpfe, die in zartem, vornehmen Pastell Zurückhaltung üben oder in kräftigen, leidenschaftlichen Farben aus dem satten Grün des Gartens leuchten.
Jeden Tag sehe ich nach dir und manches Mal raube ich ein paar deiner hübschen Kinder, um mich im Haus an ihnen zu erfreuen. Du siehst es mir nach und lässt mich gewähren. Du siehst es mir nach, weil du meine Wertschätzung spürst.
Und dann eines Tages sind die letzten schweren Blütenköpfe verschwunden. Wie ein Traum, der immer mehr verblasst. Was bleibt, ist dein dem Schmuck beraubtes Blätterkleid, dass eins wird mit dem grün des Gartens und die Vorfreude auf nächstes Jahr …

Und hier mein ganz persönliches ‚Rosenlied‘ …

Schöne Pfingstfeiertage

Neue Weltordnung?

Manchmal frage ich mich, wie diese »neue Weltordnung« aussehen soll. Wir werden Gutmenschen und haben uns alle lieb?
Wir nehmen Rücksicht aufeinander und gehen achtsamer im Umgang mit den Ressourcen dieser Erde?
Jegliches Unrecht wird an das Tageslicht kommen und einer gerechten Strafe zugeführt?
Gott Konsum wird entmachtet und Gott (wer/was) wird ihn ersetzen?

Genau diese Gedanken mache ich mir, wenn ich von dieser oft zitierten neuen Weltordnung höre und lese.
Und manchmal wenn ich gelöst und gereinigt aus der Natur in diese, unsere, moderne, versorgte, globale, digitalisierte, selbstzerstörerische, angstvolle und überwachte Gesellschaft zurückkehre, schreit mir plötzlich wieder ein Bild entgegen, dass alles, was ich gerne glauben möchte, ad absurdum führt.

Denn während sich die Erregungsgesellschaft der »First World« zu Tode fürchtet, geht woanders der Wahnsinn weiter und nicht nur dieser …

Thousands of shark fins are offloaded and sorted for market, Taiwan
Photograph: Paul Hilton
Quelle: The Guardian

Beitragsbild: Pexels

Vom Bienenstich und Bienensterben …

Als ich ein Kind war, hatten wir auf unserem Bauernhof viele Bienenstöcke. Es gab feinen Honig und die emsigen Tierchen gehörten zum Selbstverständnis meiner kleinen Welt. Stets achtete ich darauf, achtsam zu sein und nicht gestochen zu werden, damit die Biene nicht sterben musste.
Jahre später wurde die Mehlspeise Bienenstich zu meinen Lieblings Naschereien, denn als Kind kannte ich sie nicht, da es ja keine typisch österreichische, sondern deutsche Süßigkeit ist.

Der Sage nach kommt der Name der Mehlspeise aus Andernach am Rhein. Vor 500 Jahren hatten zwei Bäckerjungen nach der Arbeit noch Lust auf etwas Süßes. Sie kletterten sie auf die Stadtmauer, wo der Nachtwächter seine Bienenkörbe aufgestellt hatte. Zufälligerweise hatten die Linzer vom anderen Rheinufer gerade beschlossen, Andernach in böser Absicht in den frühen Morgenstunden anzugreifen. Das war der beste Zeitpunkt, weil die Andernacher richtige Feiernasen waren und recht lange schliefen. Der Grund war wieder einmal das liebe Geld – die Zolleinnahmen aus der Rheinschifffahrt. Und genau zu dieser Zeit waren die Bäckerburschen auf der Stadtmauer. Die erschraken und verjagden die Linzer in dem sie mit den Bienenkörben nach ihnen warfen und weil es sich mit Bienen unter der Ritterrüstung nicht so angenehm anfühlt, flüchteten die Angreifer. Aus den Dieben wurden Helden. Und seither gibt es den Bienenstich.

Aber nun wieder zurück zu den Bienen. Inzwischen liest man sehr oft vom Bienensterben. Ich wundere mich darüber, denn in unserem halbwilden Garten summt es allerorts. Und deshalb habe ich recherchiert.
Es war gar nicht so einfach glaubwürdige Fakten zu entdecken. Schließlich erschien mir folgender Link als der mit den meisten Fakten.

https://beegut.de/blogs/wissen/bienensterben

Zusammenfassung:
Global gesehen gibt es keinen Rückgang der Population der westlichen Honigbiene (Apis mellifera).
Im Gegenteil die Anzahl der Bienenstöcke ist seit 1961weltweit um 45 % gestiegen.
Bei Wildbienen sieht es anders aus. Die sind tatsächlich bedroht. Das hängt mit dem allgemeinen Schrumpfen jeglichen Artenreichtums zusammen, da wir Menschen immer mehr Territorien für uns besetzen.
Aber damit es den Bienen weiterhin gut geht, braucht es mehr Streuwiesen. Und wir können im Einzelnen mit jedem Blumenkasten und den richtigen Gartenblumen zum Fortbestand der Bienen beitragen. Hier helfen vor allem Bienen-freundliche Pflanzen wie Akelei, Lavendel, Astern, Lupinen. Ich frage mich ohnehin, warum nicht vor jedem Fenster in den Städten ein Blumenkasten hängt. Keine Pestizide verwenden, sondern natürliche Mittel. Das würde so manches Beton-Viertel im wahrsten Sinne des Worts aufblühen lassen und vielleicht auch zum Glück jedes Einzelnen beitragen. 🙂

Bienchen im Glück …

Ich wünsche Euch eine gute Woche

Waldgarten 2020

Dieses Jahr hatten wir wahrlich genügend Zeit, um uns der Gärtnerei zu widmen. Dabei lief mein Techniker zur ungeahnter Höchstform auf.

Er harkte, schaufelte, grub, setzte und düngte, was das Zeug hielt. Er karrte Gartenmaterial heran und schleppte es hoch, denn unser Waldgarten, liegt etwas erhöht hinter dem Haus und somit gestaltete sich die Beschaffung äußerst schweißtreibend. Jeder Eimer Erde und Dung wurde mühevoll mit Muskelkraft transportiert, aber nichts war meinem Techniker der spontan zum Gärtner mutierte, zu mühsam.

Dass es sich gelohnt hat, sieht man. Nun fehlt nur noch eines, ein Lob! Anerkennung für so viel grünes Engagement. Das fällt leicht, denn schließlich partizipiere ich von dem herrlich knackigen und frischen Gemüse … Also; dickes 😘 und ein besonders inniger Umärmler.😊

Zwiebel, Salat, Kohlrabi …
Echte Lungauer ‚Eachtling‘- Erdäpfel …
Tomaten

… und ich? Ich werkte in meinem Bereich. Dazu demnächst mehr …

Habt einen schönen Tag☀️🌼☀️

Sonntagsgeschichte # 8

Love ist blue

Ich bin aufgeregt. Ich habe ihn noch nie gesehen, gerochen, gefühlt. Alles, was ich habe, sind Bilder von ihm. Darin lese ich viel von Sanftmut und Wärme, aber auch von Launen. Er scheint ehrlich zu sein. Das gefällt mir. Ich stelle mir gerade die erste Begegnung vor. Wie wir uns ansehen, wie er sich anfühlt und wie er riecht … ich mag es, wenn etwas gut riecht. Plötzlich kommen Zweifel auf. Was, wenn er mir nicht gefällt, wenn er nicht so gut aussieht, wie auf den Bildern. Was, wenn er kalt ist und abweisen oder unberechenbar. Aber nein-alle bisherigen Beschreibungen klangen einfach nur spannend und sehr aufregend. Das gefällt mir, denn Langeweile ist mir ein Gräuel.

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Die Eisheiligen

Ob es nun ein Zufall ist, oder ob die Natur aufgrund des Umweltfriedens wieder uralten Gesetzen gehorcht, bleibt ihr Geheimnis. Heuer sind die sogenannten Eisheiligen pünktlich. Es ist ganz schön kühl geworden und nach ein paar sehr warmen Tagen im April, läuft sogar wieder die Heizung.

Und das sind sie; vier Männer und eine Frau …

  • 11. Mai: Mamerz (Mamertus, er war im fünften Jahrhundert Bischof im französischen Vienne)- wird nachgesagt, dass er Kälte bringt.
  • 12. Mai: An Pankratius (wurde im vierten Jahrhundert in Rom als Märtyrer hingerichtet)- kann es frieren und das wäre für unsere Gärten nicht so gut.
  • 13. Mai: Wenn Servaz (im vierten Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern)- vorüber ist, sollten wir vor Nachtfrost sicher sein.
  • 14. Mai: Vor Bonifaz (Sizilianischen Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert)- kein Sommer. Nach der Sophie (am heutigen Freitag, sie war eine sizilianische Märtyrerin im zweiten Jahrhundert und wurde in Rom hingerichtet)- ist kein Frost mehr zu erwarten aber eventuell Regen.

Insgesamt verfügen vier der Eisheiligen über keinen sehr erfreulichen Lebenslauf. Mamerz kannte ich bis heute selbst nicht. Das kommt vermutlich daher, dass er hauptsächlich im Norden Deutschlands als erster Eisheiliger statt Pankratius bekannt ist. Die Kälte hat er oder Pankratius, zumindest hier in Salzburg zu uns gebracht. Nichtsdestotrotz sind wir gartentechnisch ab nächster Woche sozusagen ‚aus dem Schneider‘. Meine Oma sagte immer die Sophie soacht, was man in Deutschland als pieseln bezeichnen würde. Auch nicht sehr fein, aber so war sie halt ab und zu-die Oma.

Bei unserem heutigen Spaziergang haben wir uns warm eingepackt und wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass selbst die Kühe etwas froren …

Holt uns bitteschön jemand in den warmen Stall?
Dem Holunder ist’s egal 🙂

Ich wünsche Euch einen angenehmen erfrischenden Freitag …

Gott ist tot. Es lebe die Gesundheit!

Ein Artikel in der NZZ hat mich daran erinnert, dass es früher einmal einen Hausverstand und eine Verhältnismäßigkeit gab. Diese positiven Eigenschaften scheinen leider ausgestorben zu sein.

Dafür gehen immer mehr Menschen auf die Straße, um sich gegen sinnlose Anordnungen und Angstmacherei seitens der Regierung und den Medien zu wehren. Sie haben es schwer, denn die Mehrheit verharrt noch immer in Schockstarre.

Ich habe schon einige Beiträge zu diesem Thema verfasst, wollte mich aber nicht ständig mit diesem unseligen Lockdown befassen. Angesichts der ungebrochenen Verbreitung von Angst seitens der Politik und den Medien, besonders aber wegen des schizophrenen Maskenzwangs, fällt es mir immer schwerer mich zurückzuhalten.

Hier der Link: Es lohnt sich, ihn zu Ende zu lesen und ich freue mich auf Eure Meinung dazu.

Ihr wisst, wie sehr ich der Natur und dem Leben in Freiheit verbunden bin. Ich denke es ist es wert, diese Privilegien zu erhalten. Aber es scheint sich etwas zu verändern. Wenn sich sogar die öffentlich-rechtlichen trauen, endlich der Wahrheit einen Beitrag zu widmen, kann das ein Anfang sein.

Unglaublich, oder?

Beitragsbild: Adnan Khan Unsplash

Löwenzahn in Love …

Sonntag- Muttertag- es regnet. Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück und warten auf die Sonne. Sie kommt spät und wir beschließen einen kleinen Wiesenspaziergang zu machen.

Rote Lichtnelken💚

Vorbei geht es an noch ungemähten Wiesen, mit ihren manigfaltigen Blumen und Kräutern. Schon bald werden sie den scharfen Messern der Mähwerke zum Opfer fallen. Schade, aber das gehört nun einmal zur »Landschaftspflege«.

Schwertblättrige Waldvöglein☀️

Ein entzückender Anblick nimmt mich gefangen. Am Wiesenrand liebkosen einander zwei Löwenzahnblüten. Zumindest will ich es so deuten …

Löwenzahn in Love🥰

Während immer mehr Menschen in Europa, vor allem in Deutschland für die Demokratie mutig auf die Straßen strömen, fühle ich mich gerade von der Natur umarmt und ein wenig benebelt von ihrem trügerischen Frieden und wie so oft in letzter Zeit Frage ich mich; wie lange noch …

Bergflocken

Ich wünsche Euch eine gute Woche. Lasst Euch nicht unterkriegen.😉

Sonntagsgeschichte # 7

Auf Kollisionskurs

21. November 1994, Atlantik – Tagebuch

Es ist sechs Uhr früh. An Backbord kommt träge ein Tanker auf. Ich registriere ihn zwar, beobachte ihn aber nicht weiter, da er nach meiner Einschätzung in ausreichender Entfernung vor unserem Bug vorbeiziehen wird. Normalerweise schalten wir nachts bei Schiffsbegegnungen außer dem Toplicht die beiden Positionslichter dazu, damit wir besser sichtbar sind. Da es bereits dämmert, tue ich es nicht. Meine Wache. Mein Fehler. Stattdessen richte ich meinen Blick nach Osten, um den anbrechenden Tag zu beobachten. Der Himmel ist klar, die letzten Sterne stehen blass am Himmel und die See ist grau wie altes Zinn, der Seegang läuft konfus, aber die Segel stehen prall vor dem Wind.

Nachts verzichten wir auf einen Baum, denn wenn der Wind dreht, müssen wir die Freiwache aus dem wohlverdienten Schlaf holen und da wir nur zu zweit sind, gönnen wir einander die vierstündigen Ruhepausen so gut es eben geht. Als ich wie immer nach 15 Minuten aufstehe, um über die Sprayhood zu spähen, fährt mir der Schreck augenblicklich durch die Glieder. Mein Herzschlag setzt für ein paar Sekunden aus. Ein riesiger Tanker steht quer vor unserem Bug. Nur 100 Meter von uns entfernt. Es muss der vom letzten Ausguck sein. Ich kann das dumpfe Geräusch der drehenden Schiffswelle hören. Augenblicklich schießt Adrenalin durch meine Blutbahn und Entsetzen macht sich breit. Zuerst fluche ich und entlade mich mit einem wütenden „Scheiße!“

Unaufhörlich quält mich der Gedanke: Meine Wache, meine Schuld … Nach den ersten Schrecksekunden brülle ich nach dem Skipper. Der flitzt wie ein Pfeil aus der Koje und steht fast augenblicklich neben mir. Inzwischen habe ich die Windfahnensteuerung ausgehängt, den Motor gestartet und das Ruder herumgerissen. Die Segel schlagen wild. Mein Herz schlägt im selben Rhythmus. Mir ist übel vor Angst. Der Skipper ist noch ganz verschlafen und kriegt das Ganze noch nicht so richtig mit. Ich könnte mich ohrfeigen. Wie hypnotisiert starre ich auf den Tanker und steuere idiotisch im Kreis. Der Koloss scheint sich nicht von der Stelle zu bewegen.

Dann, ganz langsam baut sich immer mehr Seeraum zwischen uns auf. So unmerklich, wie es gekommen ist, entfernt sich das Ungetüm und ganz langsam normalisiert sich auch mein Puls. Kein einziges Wort ist bisher zwischen uns gefallen. Endlich aufatmen. Der Skipper schweigt noch immer. Später als die Worte wiederkommen, sind wir uns uneinig, ob uns der Tanker überhaupt gesehen hat. Wir wissen es bis heute nicht. Es gibt immer wieder Vorfälle, bei denen Segelyachten von der Großschifffahrt versenkt werden, ohne dass die Giganten es bemerken. Die Dimensionen sind einfach zu verschieden.

Ein kleines Segelbötchen wie das unsere ist wie Treibgut, das unbemerkt an einem Berg aus Stahl kratzt. Unsichtbar unter ihrem Radarstrahl. Wortlos nehmen wir den alten Kurs in Richtung Westen wieder auf und segeln aus der Dämmerung. Am Heck das Licht der aufgehenden Sonne.

© LoPadi

Wolken …

Immer wieder zeigen sich interessante Wolkengebilde am Himmel. Beim gestrigen Spaziergang fiel mir diese hübsche Formation auf, die sich auch noch im Wasser spiegelte. Der Vollmond stand am klaren Himmel und alles wirkte so friedlich und schön. Dennoch frage ich mich immer wieder; wie es wohl weiter gehen soll? Vielleicht sollte man doch nach dem berühmten Buchtitel von Dale Carnegie leben; »Sorge Dich nicht, lebe! »


Ich bin dann mal im Garten …

Die andere Stille …

Wir wandern durch die Wälder, schweigend, die Ruhe genießend. Hier ist es immer still, bis auf das Vogelgezwitscher, das die unbeugsame Lebensfreude der Natur ausdrückt. Leise plätschert ein feines Rinnsal, das der letzte Regen geschaffen hat, den Hang hinab. Das fließende Wasser beruhigt und entspannt. Es ist eine andere Stille, die nur Geräusche durchdringen lässt, die Frieden schenken. Frieden mit sich selbst.

Das Auge erfreut sich an den frischen, sprießenden Blätter. Die Sonne verleiht ihnen ein unglaubliches, fast unwirkliches Grün. Ich muss es festhalten und fotografieren. Ich suche nach Motiven, mit denen ich auch andere Betrachter erfreuen möchte. Aber geht das? Kann man Schönheit in Bildern konservieren? Ein wenig schon, meine ich.

Die Bilder sind als ein Statement gedacht, die auch mich nicht vergessen lassen sollen, dass es noch eine andere Welt gibt. Eine schönere Welt jenseits der endlosen gewordenen Debatten und Betrachtungsweisen einer Situation, die uns alle kalt erwischt hat. Es ist unfassbar tröstend die Natur genießen zu können und ich bin wieder einmal unendlich dankbar dafür, in diesem Teil der Welt geboren zu sein.

Und dann entdecke ich dieses Wild, das mich durch ein Gitter hindurch fast vorwurfsvoll ansieht, als möchte es mich daran erinnern, wie kostbar die Freiheit ist …

Albtraum …

Es piepst. Eine roter Lichtpunkt blinkt an meinem linken Handgelenk. Daneben strahlen drei azurblaue Tropfen durch die blasse dünne Haut. Ich weiß, was mir blüht. Wenn ich nicht innerhalb von fünf Minuten trinke, wird mein Lebenskonto negativ belastet. Ich hasse diesen Ton. Mein Blick wandert durch den sterilen Raum zur Tür. Kein humanoider Roboter in Sicht. Tagsüber verfolgen sie mich mit ihren unerträglich guten Manieren. Nachts als Monster der Vergangenheit. Immer die gleichen quälenden Bilder.

Menschen werden von Kriegsrobotern aus den Häusern gezerrt. Die Anklage wird an Ort und Stelle in den freien Raum projiziert. Längst vergessene kritische Einträge in sozialen Medien sind der Beweis für Kritik am Regime und somit ein Verbrechen. In den Augen der Opfer die pure Angst. Ich erkenne das Flehen um Abbitte, aber es ist zu spät. Meine Gedanken schweifen zurück in ein Europa, das alles verschlafen hat. Müde, satte und abgelenkte Bürger, belogen und betrogen durch die Medien. Gesteuert von unsichtbaren Mächten, deren Credo es ist, Angst zu verbreiten. Angst vor dem Fremden und Neuen, Angst vor dem Untergang der Erde. Angst vor allem. Fakten sind bedeutungslos, Halbwissen wird zur neuen Religion. Selbstständiges Denken und Handeln sind gesellschaftspolitisch irrelevant. Ethik ein vergessener Begriff. Rechtspopulisten rufen einen Bürgerkrieg aus. Europa brennt. Amerika spielt längst nicht mehr Weltpolizei, Russland hat sich mit China verbündet.

Die Aufteilung Europas ist längst ausgehandelt. Europa, geschwächt durch den Bürgerkrieg ist leichte Beute. Es herrschen Chaos, Hunger und Not. Der Widerstand ist rasch gebrochen. Die Agitatoren spielen „Retter Europas“. Die Menschen jubeln ihnen zu. Sie fühlen sich befreit. Danach beginnt die größte und umfassendste Gehirnwäsche der Geschichtsschreibung und das Ungeheure tritt ein. In nicht einmal drei Jahren ist das, was einmal Europa war, ausgelöscht. Diese Gedanken machen mich traurig. Hier in dieser 20 Quadratmeter großen Zelle eines Altenblocks, bewacht von künstlicher Intelligenz. Als Versuchskaninchen für die Alters-Datenforschung trage ich einen Chip im Handgelenk. Mit 105 bin ich noch am Leben rüstig, fit und damit Daten-spezifisch wertvoll. Niemand wird mehr so alt. Man muss „nachhelfen“. Sie erforschen gerade wie und womit.

Zweimal täglich stellen mich die Roboter unter den Body Scan, um neueste Daten zu liefern. Alles nur, um die Lebenserwartung ein paar privilegierter um 30 Jahre zu verlängern. Wenn keine neuen Erkenntnisse mehr aus mir herauszuholen sind, werden sie mich entsorgen, wie die anderen Mitbewohner zuvor. Meine Freundin Rose ist 110. Wenn sie tot ist, werde ich mich nur noch mit humanoiden Robotern oder mir selbst unterhalten können. Ich nenne sie „Scheißding“. Es ist ihnen egal. Es piepst. Trinken ist wichtig für mein Überleben. Das Piepsen wird lauter.

Es ist mein Wecker. Ich liege im Bett. Es war nur ein Traum.

Anmerkung:

Diesen Text habe ich schon vor einem Jahr geschrieben. Damals hatte ich, nachdem ich einiges über China recherchiert hatte, ein ganz ungutes Gefühl. Ich habe es in diesen Text gefasst. Der derzeitige Angriff auf die Demokratie Europas lässt dieses Gefühl wieder hochkommen … Dennoch hoffe ich sehr, dass es ein Albtraum bleibt.

Sonntagsgeschichte # 6

ANTON

Wenn ich als kleines Mädchen, fast täglich, an Antons Tür klopfte, konnte ich sicher sein, eine Sekunde später ein generalstabsmäßiges „Herrrein“ zu vernehmen. Anton lebte bei uns am Hof im ehemaligen Gesindehaus, einem Wohntrakt im ersten Stock über den Stallungen. Im Gang roch es nach Schweinemist und kaltem Rauch. Wenn ich sein Zimmer betrat, sah ich Anton nur schemenhaft, denn der Qualm unzähliger Zigaretten vernebelte den Raum. Das einzig Schöne in diesem Zimmer war ein Bild, auf dem eine geheimnisvolle Frau verführerisch lächelte.

Anton saß mit einer Selbstgedrehten zwischen seinen tabakbraunen Fingern auf dem einzigen Stuhl und lächelte mich aus seinem zahnlosen Mund an. Er war vom Alkohol gezeichnet, groß und hager und das Gewand hing an ihm, wie an einem Kleiderständer. Wenn er saß, hatte er die dürren Beine übereinander geschlagen. Das spitze Knie stach unter dem Hosenstoff hervor und sein Bein wippte in einem imaginären Takt. Er sah mich aus blassblauen Augen an, lächelte und schwieg. Ich hingegen hatte immer Fragen. „Warum wäschst Du Deine Bettwäsche nicht, warum rauchst Du so viel, warum machst Du das Fenster nicht auf“ … Anton zuckte nur mit den hageren Schultern und schwieg weiter. Meiner Fragerei amüsierte ihn sichtlich und er schien froh, dass ihn jemand besuchte.

Mangels zweitem Stuhl setzte ich mich auf sein Bett. Die Bettwäsche verströmte einen scharfen und undefinierbaren Geruch. Ich glaube, er wusch sie nur einmal im Jahr. Mir war das egal. Ich mochte Anton, weil er mir als Einziger immer geduldig zuhörte. Die Anderen hatten immer etwas zu tun und nie Zeit. Er lebte allein. Sein bester Freund war der Alkohol und wir seine Familie. Am Hof war er mehr oder weniger geduldet, denn wenn er gerade nüchtern war, half er bei der Arbeit. Wie alt er war, wusste niemand. Alles, was er besaß, war ein altes Waffenrad, ein paar Zeitschriften und das, was er am Leib trug. In seinem Schrank hing eine Ersatzgarnitur.

Wenn es dunkel wurde, schwang er sich ungelenk auf sein altes Waffenrad und radelte dem Alkohol entgegen. Den gab’s reichlich im Wirtshaus hinter der Kirche. Gegen Mitternacht torkelte er sternhagelvoll, das Rad in Zickzack Linien schiebend, nach Hause. Den gesamten Weg zurück hielt er lautstark verworrene Reden. Wenn er unter meinem Schlafzimmerfenster vorbeikam, wachte ich auf. Eines Tages, wir hatten Besuch von meinen kleinen Cousinen, wurden die beiden vom Geschrei Antons, im Schlaf überrascht. Die Mädels bekamen Angst und flüchteten zu den Großeltern in das Zimmer nebenan. Sie waren völlig aus dem Häuschen und meine Oma hatte große Mühe sie zu beruhigen.

Ein anderes Mal überrasche uns Anton mit einer Operation an sich selbst. Seit Jahren hatte er einen kirschgroßen Knoten im Augenwinkel. Eines Tages schnitt er ihn einfach mit einem Messer auf. Als er meiner Oma erzählte, was er getan hatte, war sie entsetzt und schimpfte. Anton zuckte mit den Schultern. Die Wunde verheilte, der Knoten kam nie wieder.

Mein Achtel Lorbeerblatt …

… aus dem eigenen Garten ist neben Zwiebel, Wacholderbeeren, einem großen roh geriebenen Erdapfel und Salz ein fester Bestandteil eines selbst gekochten Sauerkrautes. Es ist für mich erst dann richtig gut, wenn es gut durch und durch die Erdäpfel schön sämig ist. Das Kraut darf sich zum Schluss ruhig etwas am Topfboden ‚anlegen‘, denn das Röstaroma und die dadurch hervorgerufene leichte Bräunung verleihen dem Sauerkraut den letzten Schliff. Wenn ich dem Ganzen eine besondere Note verleihen möchte, mische ich vor dem Servieren etwas aufgeschlagene Sahne darunter. Dann fehlt nur noch die Beilage, denn das Sauerkraut ist für mich immer das Hauptgericht.

…der Goldton entsteht durch das leichte ‚anlegen‘

Während der letzten Wochen wurde mehr gekocht und gebacken denn je. Ich konnte dabei herrlich abschalten und alles um mich vergessen. Wie sagte schon Wilhelm Busch?

Wer durch des Argwohns Brille schaut,
sieht Raupen selbst im Sauerkraut.

Interessantes und kurioses …

… um ein wenig von der allgegenwärtigen Corona- Diskussion abzulenken. Es gibt so viele spannende Fakten und Geschichten auf dieser Welt.

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Vietnamesische Brücke. Sie ruht auf steinernen Händen.
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Ring aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich astronomische Sphären verbergen.
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500 Jahre alte Miniaturschnitzerei aus Buxbaum. (Niederlande)
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Kunstvolle Axt um 1500
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Deutsche Holzschnitzkunst aus dem 18. Jahrhundert.
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Bibliothek der Waldsassen- Abtei in Bayern. Tausende Bücher in Schweinsleder- gebunden.
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Sogenannte Kuh- Schuhe, die man während der Prohibition in den 20igern trug, um keine Spuren zu hinterlassen.
https://rarehistoricalphotos.com/cow-shoes-prohibition-1924/
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Reiseschrank im 18. Jh. der das lästige Ein- und Auspacken überflüssig machte. Heutzutage leider schwer anwendbar😉

Shoes worn by Allied Spies during World War II to steer their ‚Adversaries‘ in the opposite direction

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»Verkehrte« Schuhe für Spione während des 2. Weltkrieges. Der Trick sollte den Gegner in die verkehrte Richtung locken.
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In Berlin fuhren einst sogar »Dreidecker« Busse
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Unerschrockene Baumarbeiter
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Juliane Köpke und ihre unglaubliche Geschichte …Juliane Köpke
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90 jährige tschechische Künstlerin
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Kinder aus einem Moskauer Entbindungsheim nach dem Essen zum Mittagsschlaf im Freien. Winter 1958. Mein Geburtsjahr!
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Frauenpower 1935. Weltmeisterin im Wrestling. 😊

Genie oder Wahnsinn …

Ein Freund hat mir vor wenigen Tagen dieses Video zukommen lassen und ich muss gestehen, dass mir Salvador Dali zwar ein Begriff ist, aber seine Werke blieben mir bis auf zwei, drei berühmt gewordene Bilder unbekannt. Seine Malerei fand ich zwar immer ‚interessant‘, aber doch ziemlich schräg … Wenn ich seine Bilder aus heutiger Sicht betrachte, entdecke ich sehr viel mehr in ihnen, als nur fantastische Malerei. Ich denke, er war tatsächlich ein Genie, das auch das Handwerk und die Techniken beherrschte. Aber seht selbst und genießt die fantastischen Bilder …

Und, hat es Euch gefallen?

Schönen Sonntag 🙂

DAS Objekt der Begierde

Immer wollte ich eines, aber nie hatte ich eines. Heuer, sollte schon wieder ein unangenehmer Zwischenfall namens Knock-down, Shut-down – what ever, meine Begierde durchkreuzen. Alle Gartenmärkte geschlossen! Wieder nichts.

Seit letzter Woche aber, sind die Märkte wieder offen und nach einwöchiger Zurückhaltung – man will ja nicht zu den AM-ERSTEN-TAG-IN-DER-SCHLANGE-STEHEN-Typen gehören, schlich ich mich spätnachmittags maskiert in ein Blumenmarkt, griff nach einem desinfizierten Einkaufswagen, der neuerdings auch als Abstandshalter dient und machte mich auf die Suche. Es war gar nicht so leicht zwischen dem Gewusel an Menschen und übervollen Einkaufswägen das Objekt der Begierde zu finden. Erst rannte ich erfolglos drei Runden im Kreis, bis ich zufällig unter all den Maskierten eine Mitarbeiterin entdeckte. Mit lauter Stimme fragte ich, wo ich denn ein Basilikum Bäumchen finden könne.
Auf Anweisung meines angetrauten Technikers, trage ich nämlich eine massive fast luftdichte Profimaske, unter der sich im bakterienfreundlichen Feuchtgebiet meine erste Fieberblase entwickeln konnte.
Unter der Maske hört man mich kaum. Deshalb muss ich lauter sprechen. Zudem bin ich halb blind, da ständig meine Lesebrille beschlägt.

Aber am Ende stand ich glücklich hinter zwei betagte Senioren an der Kasse, bei denen der männliche Teil einen leicht verwirrten Eindruck machte. Er riss sich, während seine Frau bezahlte, die Maske vom Gesicht und warf sie der verdutzten Kassiererin entgegen. Daraufhin empörte sich nicht die Kassiererin, sondern seine ebenso betagte aber noch in besserem Zustand befindliche Gattin und die sagte streng: „Herrschaftszeiten, nimm sofort die Maske wieder, sie gehört mir!“ Der Mann fügte sich demütig und zog sich etwas zittrig die Maske wieder über. Szenen einer Ehe im Ausnahmezustand …

Nichts wie weg dachte ich und verließ so schnell es ging den Markt. Draußen nahm ich sofort die ungeliebte Maske ab und musste an den Mann denken, der es vermutlich auch nicht mehr abwarten konnte das Ding loszuwerden. Ich atmete tief ein und aus und schüttelte das Teil zum Auslüften. Danach verstaute ich mein Basilikum Bäumchen zwischen zwei Einkaufstaschen und fuhr das Objekt meiner Begierde glückselig nach Hause. Jenes Objekt, das über die nächsten Monate hinweg die Grundlage für viele köstliche Pestos sein würde …

https://lopadistory.com/2020/04/21/presto-pesto/

Basilikum schmeckt nicht nur gut, die Blüten locken auch die Bienen an.

WER hätte gedacht …

… dass mir zwei Monteure einmal den Tag verschönern würden.
Heute war es so weit. Zwei gestandene Tiroler Mannsbilder erledigten einen Auftrag am Haus. Das war das erste Mal seit neun Wochen, dass ich mich (ohne Maske, denn auf eigenem Grund und Boden mache ich noch was ich will) in selbstbestimmten Abstand mit zwei fremden Männern unterhalten habe. Dass mir mein angetrauter Techniker, speziell seit dem Shutdown noch fremd ist, kann ich mit absoluter Sicherheit verneinen. Und weil die zwei Tiroler auch noch Frohnaturen waren, hat es richtig Spaß gemacht und der ganze „Corona“ Krampf war plötzlich wie weggeblasen.

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Gegensätze …

Da ist dieser Abend, dieser Spaziergang, diese gewisse Stimmung, die mich seit Wochen hinunterzieht in ein melancholisches Tal, in dem ich meine Selbstbestimmung verloren habe. Ich lebe meine täglichen Routinen, die mich immer mehr frustrieren, da sie nur als Ersatz der gewohnten Freiheit dienen. Schreiben, Italienisch lernen, Telefonate mit jenem Kern an Freunden, der wie immer in Ausnahmezeiten, übrig bleiben. Lesen in den Sado Medien trotz wachsendem Grolls, den sie in mir heraufbeschwören. Dabei entdecken, dass das Blatt sich langsam wendet. Es geht einem scheinbaren Ende zu. Einem Ende, dass nur ein Anfang von neu konstruierten Katastrophen sein kann …

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Sonntagsgeschichte #5

Heute zum Ostersonntag gibt es einen Geschichte aus meiner Teilnahme an der Schreibarena des Blogs https://lyrikfeder.wordpress.com/

Hier mein Text:

Im Augenblick konnte er sehen, wie Großvater hinter dem Tresen bedauernd die Arme hob und ernst nickte. Sedd war verzweifelt und dachte; ‚hoffentlich hat Anne diese Geste nicht mitbekommen.‘
Er war jung und hatte noch keine Vorstellung davon, was sein Großvater längst wusste. Natürlich war er davon überzeugt, dass der alte Herr nicht in der Lage war, sich in ihn hineinzuversetzen, oder auch nur annähernd ahnte, was er gerade durchmachte …

Er versuchte sich dumm zu stellen und sein Gesichtsausdruck sah dementsprechend aus, aber Anne durchschaute ihn sofort. Mit herausforderndem Blick sagte sie:
»Du hast es mir sogar hoch und heilig versprochen!«
»Ich, wann?«
»Vor zwei Tagen, genau hier an dieser Stelle.«
»Das kann nicht sein, ich würde mich erinnern«, insistierte Sedd.
Sie schmollte.
Es erstaunte ihn immer wieder, mit welcher Vehemenz dieses kleine, zarte Wesen an ihren Behauptungen festhalten konnte. Man sah es ihr nicht an, aber wenn sie etwas wollte, konnte sie stur sein wie ein Stier.
Großvater stand noch immer hinter dem Tresen und tat so, als hätte er das Interesse an diesem Diskurs verloren. Er war in das Reservierungsbuch vertieft und schien die beiden Streithähne nicht mehr zu beachten.
Anne fixierte Sedd mit strengem Blick und um ihrem Standpunkt noch mehr Gewicht zu verleihen, winkelte sie ihre Arme an und stemmte die Fäuste resolut an ihre schmale Taille. Ihre schwarzen Augen funkelten und Sedd war nun klar, dass sie sich nicht so schnell würde abwimmeln lassen.
»Hör zu, wie auch immer, ich habe heute keine Zeit«, sagte er und wandte sich zum Gehen, aber Anne gab nicht auf.
»Aha«, sagte sie und verzog ihren Mund zu einem siegreichen Lächeln; »du gibst also zu, dass du es versprochen hast.«
Sedd rollte genervt mit den Augen und dachte: ‚Sie benimmt sich mit ihren zwölf Jahren wie sich nur verwöhnte Bankierstöchter benehmen. Was glaubt sie eigentlich, wen sie vor sich hat? Unmögliche Göre!‘

Der Großvater blickte von seinem Reservierungsbuch auf, sah über die Gläser der schmalen Lesebrille hinweg und beschloss Sedd zu Hilfe zu kommen. Wie oft war er selbst mit seiner Frau in einer solch misslichen Situation gewesen. Es gab zwei Varianten; wenn er nachgab, erhielt er den ‘warum nicht gleich– Blick‘ und wenn er es nicht tat, drehte sich seine Frau abrupt auf dem Absatz um und sagte pikiert: »Mit dir ist es nicht auszuhalten. Ich werde meine Eltern in Wien besuchen. Hier werde ich ohnehin nicht gebraucht. Ich gehe und packe meine Koffer!«
Oh, er kannte diese Spielchen nur zu gut und hatte in alle den Jahren gelernt; je schneller er nachgab, desto friedlicher verlief sein Leben. So war das nun mal in einer Ehe. Sedd würde das auch noch lernen.
Er überlegte, ihm zu helfen, beschloss aber, noch zu warten. Er räusperte sich und studierte weiter im Reservierungsbuch. Nicht, dass es so viele Reservierungen gegeben hätte. Das Hotel hatte seine besten Jahre längst hinter sich, aber er wollte bleiben, um zu sehen, wie sein Enkel sich aus der Affäre zog. Schließlich würde er dieses Hotel eines Tages leiten und diplomatisches Geschick war als Direktor unumgänglich.

Sedd war in der Klemme, soviel stand fest. Das Mädchen würde nicht so schnell aufgeben. Schon zog sie ein neues Register und änderte die Taktik. Sie seufzte dramatisch und ein wenig zu laut, ließ Schultern und Arme fallen und senkte den Blick und starrte auf den blitzblank gewienerten Boden des Foyers. Nach ein paar Sekunden des Starrens, hob sie ihren Kopf, schaute Sedd böse an und sagte: »Du bist einfach nur öde.« Das saß. ‚Wie kann sie so etwas sagen‘, dachte Sedd. Habe ich sie nicht vor ein paar Tagen vor dem Ertrinken gerettet? Was war nur los mit ihr?
Er hörte wie sein Großvater sich räusperte und rief: »Ach Sedd, da fällt mir ein, unser Koch braucht dich dringend in der Küche. Ich hab‘s vergessen auszurichten. Tut mir leid, aber mach schnell, du weißt, wie empfindlich er ist …«

Sedd wusste, dass sein Großvater log und bekam prompt Schuldgefühle. Er sah dieses zarte, kapriziöse Persönchen vor sich und hatte ein schlechtes Gewissen. Er wusste nicht warum, er wusste nur, dass er sie nicht belügen durfte. Seit dem Erlebnis am See verband sie etwas Unsichtbares. Ein Gefühl, ein Band, sie hatten etwas gemeinsam, von dem nur sie wussten und er sagte matt: »Ist schon gut Großvater, ich habe den Koch vorhin getroffen. Wir haben alles besprochen.«

Dann griff er nach Annes Hand und sofort schimmerte Hoffnung in ihren Augen.
»Anne, tut mir leid, ich hab’s einfach vergessen, lass uns gehen.« Ihre dunklen Augen begannen zu leuchten und ihr kleiner Mund schenkte ihm ein breites Lächeln. Plötzlich riss sie sich von ihm los und rannte mit einem Jauchzen auf den Hotelausgang zu.
Sedd rannte hinterher und wunderte sich, wie erleichtert er war …

Macht doch auch mit …

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