Anblick

In der Jägersprache sagt man nicht: „Schau wie schön der Hirsch und seine Hirschkuh, wie sie dort im korrekten Sicherheitsabstand nebeneinanderliegen.“ Nein, man sagt: „Was für ein schöner Anblick.“Diesen Anblick hatten wir heute bei unserem Winterspaziergang in Salzburgs verschneiten Wäldern. Seit einem Jahr herrscht ein Junghirsch über das Gehege und er scheint auch schon seine Favoritin erkoren zu haben. Allerdings sehe ich nirgends weitere Hirschkühe.

Der in die Jahre gekommenen kapitale Platzhirsch ist von heute auf morgen verschwunden. Samt seinem Herde. Er trug ein prächtiges Geweih mit vielen Enden. Vermutlich landete er samt seinen Damen im Magen der Gäste des Hotels nebenan. Nun ist es geschlossen und die Herde hat sich auf ein einziges Paar reduziert.Wir beobachteten uns gegenseitig durch den Zaun, wobei nicht sicher war, wer der Eingesperrte ist. Mir kam vor, sie wirkten irgendwie freier und unbeschwerter. Aber das bilde ich mir sicher nur ein😉.

Alb(Traum)

Im Frühjahr 2019 las ich einen Artikel in einem internationalen Wirtschaftsmagazin. Die Informationen machten mich gruseln. In meinem Kopf entstand prompt eine Geschichte, die ich auf der Plattform
story one veröffentlichte. Sie wurde kaum gelesen, denn der Titel versprach weder Humor noch war er locker leicht, wie die restlichen Überschriften. Heute kam sie mir wieder in den Sinn. Plötzlich ist es vorstellbar und das irritiert mich sehr.

„PIEP“. Ein roter Lichtpunkt blinkt an meinem linken Handgelenk. Daneben leuchten drei azurblaue Tropfen matt durch meine blasse dünne Haut. Ich ahne, was mir blüht. Wenn ich nicht innerhalb von fünf Minuten trinke, wird mein Vitalkonto negativ belastet. Ich hasse dieses Piepen. Mein Blick wandert durch den sterilen Raum zur Tür. Kein humanoider Roboter in Sicht. Tagsüber verfolgen sie mich mit ihren unerträglich guten Manieren. Nachts als Monster der Vergangenheit. Immer dieselben quälenden Bilder.

Menschen werden von Kriegsrobotern aus den Häusern gezerrt. Die Anklage wird an Ort und Stelle in den freien Raum projiziert. Längst vergessene kritische Einträge in sozialen Medien sind der Beweis für Kritik am Regime und somit ein Verbrechen. In den Augen der Opfer die pure Angst. Sie flehen um Abbitte, aber es ist zu spät.

Meine Gedanken schweifen zurück in ein Land, das alles verschlafen hat. Müde, satte und abgelenkte Bürger, belogen und betrogen durch die Medien. Gesteuert von unsichtbaren Mächten, deren Credo es ist, Angst zu verbreiten. Angst vor dem Fremden und Neuen, Angst vor dem Untergang der Erde. Angst vor allem. Fakten sind bedeutungslos, Halbwissen wird zur neuen Religion. Selbstständiges Denken und Handeln sind gesellschaftspolitisch irrelevant. Ethik ein vergessener Begriff. Rechtspopulisten rufen einen Bürgerkrieg aus. Am Ende brennt Europa.

Die USA spielen längst nicht mehr Weltpolizei, Russland hat sich mit China verbündet. Die Aufteilung Europas ist bereits ausgehandelt. Geschwächt durch den Bürgerkrieg ist es leichte Beute. Es herrschen Chaos, Hunger und Not. Der Widerstand ist rasch gebrochen. Die Agitatoren rühmen sich als Retter. Die Menschen jubeln ihnen zu. Sie wähnen sich in Sicherheit. Doch bald beginnt die größte und umfassendste Gehirnwäsche der Geschichte und das Ungeheure geschieht. In nicht einmal drei Jahren ist das, was einst Europa war, so gut wie ausgelöscht.

Diese Erinnerungen machen mich sehr traurig. In dieser 20 Quadratmeter umfassenden Zelle des Altenblocks, bewacht von künstlicher Intelligenz. Als Versuchskaninchen für die Wissenschaft trage ich einen Chip im Handgelenk. Mit 105 bin ich noch am Leben rüstig, gesund und damit Daten-spezifisch wertvoll. Kaum jemand wird mehr so alt. Man muss „nachhelfen“. SIE erforschen an mir die Möglichkeiten.

Zweimal täglich bringen mich die Roboter in den „Body Scan“, um neueste Daten abzurufen. Alles nur, um die Lebenserwartung ein paar privilegierter um Jahre zu verlängern. Wenn keine neuen Erkenntnisse mehr aus mir herauszuholen sind, werden sie mich entsorgen, wie die anderen „Fleischlichen“ zuvor. Meine Freundin Rose ist 110. Wenn sie tot ist, werde ich mich nur noch mit höflichen Robotern oder mir selbst unterhalten. Ich nenne die Robs „Scheißding“. Es ist ihnen egal.
„PIEP“. Trinken ist wichtig für mein Überleben.
Das Piepsen wird lauter. Es ist mein Wecker. Langsam wache ich auf. Es war nur ein Traum.

© LoPadi 2019-04-11

Mein Beitrag zum Fotoprojekt ‚Nahrung‘

Royusch haben zu einem Fotoprojekt zum Thema Nahrung aufgerufen. Da ich gerade Fotos archiviere und mir zufällig eine unfassbar tolle Geburtstagstorte untergekommen ist, teile ich diese mir euch. Das süße Kunstwerk war aus Biskuit mit Schokoglasur und die Figuren und die Geschäftseinrichtung waren aus Marzipan. Der Nährwert ist vermutlich nicht sehr hoch, aber der Genuss für das Auge umso mehr.

Sie wurde zum 60er einer Arbeitskollegin kreiert und wie man unschwer erkennen kann, waren wir damals in der Trachtenbranche tätig. Ich habe in den Neunzigern Filialen in Österreich und Bayern mit konzipiert, Standorte gesucht, die Umsetzung geleitet und die Mitarbeiter gecoacht. War eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Die Geschäfte sahen und sehen heute zum Teil noch so aus.

Hier ist die Torte;

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