Ein anderes Erwachen

Für mich ist aufwachen nirgendwo schöner als am Schiff. Gerade jetzt, wo alles ruhig und entspannt ist. Ein tiefblauer Himmel empfängt mich und der Ort ist in sanftes Morgenlicht getaucht.

Wir haben entschieden noch ein wenig im Hafen zu bleiben. Ich war einkaufen und mein Techniker putzt. Ein dünner Film aus Saharasand hat sich über das Schiff gelegt. Das kommt hier öfter vor und läßt das Kind im Mann mit dem Wasserschlauch spielen.

Am Nachmittag geht’s an den Strand und Abends wieder ins Lieblingsrestaurant. Was für ein gutes Leben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich jede Minute intensiver genießen sollte als in all den Jahren zuvor. Es ist wie ein Auftanken, ein Aufladen der Batterien, ehe es zurück geht in den Herbst/Winter dieses neuen, befremdlichen Alltags.

Unwillkürlich schweifen meine Gedanken viele Jahre zurück in die Zeit der Weltumsegelung. Die Arbeit am Buch hat alles wieder zum Leben erweckt. Das Gefühl der großen Freiheit auf den Weltmeeren, das Dasein in diesem einzigartigen Mikrokosmos auf dem eigenen winzigen Schiff. Die Gefahren und Ängste und das Bewusstsein, wie endlich und unbedeutend das eigene Leben im Vergleich zur Macht der Naturgewalten ist. Und wie man Frieden schließt mit dieser Situation. Dagegen ist alles was ich gerade genießen darf, Luxus. Und trotzdem habe ich manchmal Sehnsucht nach dieser wunderbaren Zeit in der alles unkompliziert war und frei …

Bis morgen …

Angekommen

An den Grenzen nichts los. Keinerlei Kontrolle bei der Einreise.Die italienische Autobahn ist eine einzige Baustelle. Wir fahren abwechselnd die 5,5 Stunden bis zum Ziel. Zwischendurch das Ritual eines Zwischenstopps an einer typischen uralten Autoraststätte mit einem typisch köstlichen Cappuccino und untypischer Maskenpflicht deren Sinnlosigkeit mit dem Tragen derselben unter der Nase der Mitarbeiterin, unterstrichen wird. Ich wundere ich mich immer wieder aufs Neue, was wir Lemminge uns von unseren »Volksvertretern« gefallen lassen. Aber »Nachdenken off« Ich bin im Urlaub! Hungrig verschlingen wir zwei süße Mehlspeisen, deren Verweildauer in der Vitrine schon etwas länger gedauert haben dürfte.

Am Ziel herrscht die typische Stimmung der Nachsaison. 24 Grad. Wolkenlos. Nur mehr vereinzelt Touristen. Die aktuelle Panikmache scheint zu wirken. Gut für uns. Nachdem wir klar Schiff gemacht haben, geht’s in unser Lieblingsrestaurant. Hier trägt das Personal diese totschicken, völlig nutzlosen Mini-Plastikmaulkörbe. Der Erfinder dieser genialen Idee erspart ihnen zumindest den Gesichtslappen und damit das ungesunde Rückeinatmen ihres eigenen CO2.

Die gegrillten Tintenfische sind köstlich und der Salat knackfrisch. Darauf habe ich mich gefreut und auf die herrliche Meeresbrise und die Stille der Nachsaison. Nach einem Absacker an Bord geht es in die Koje. Morgen werden wir noch ein paar Kleinigkeiten bunkern und dann setzen wir Segel Richtung Süden. Sofern die Winde wehn. Aber wozu gibt es einen Motor …

Einstweilen – Gute Nacht.⛵

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