Würstelstand auf Balkantour 🚐 2 (Slowenien, Bosnien, Kroatien)

Immer diese Aufregungen! Haben wir alles, Brauch ma noch was? Während der letzten beiden Tage vor der Abreise war ich mit Stauen und putzen beschäftig. Wie am Schiff, aber ohne Wasser darunter. Natürlich werden wir etwas vergessen. Man vergisst immer etwas. Hauptsache nicht den Reisepass! Ist mir einmal passiert und dazu sage ich nur; wenn Blicke töten könnten …

Tagebuch

Seit einer Woche sind wir unterwegs. Erste Station BLED. Wir übernachten auf dem hübschen River-Camping – Platz um 40 Euro die Nacht. Ohne Stromanschluss. Den generieren wir über die Solarzelle am Dach.

Der Bledersee im Regen

Am Donnerstag geht es weiter Richtung Sarajevo. Es regnet in Strömen und exakt vor dem Grenzübergang Slowenien/Kroatien gibt der Scheibenwischer auf. Ausgerechnet auf der Fahrerseite. Für die Reparatur suchen wir einen Unterstand. Wir finden ihn auf einem abgesperrten Teil. Sofort eilen aufgeregte Polizistinnen herbei, um zu sehen was wir im Schilde führen. Die Sache ist mit einem Hinweis auf den verdrehten Scheibenwischer bald geklärt und mein Techniker macht sich an die Reparatur. Nach ein wenig Geschraube scheint er wieder zu funktionieren. Aber nicht lang. Nach fünf Minuten dasselbe wieder. Im Blindflug fahren wir zur nächsten Tankstelle.

I mog nima …

Würstelstand gibt sich diesmal ganz besonders zickig. Hilft nix. Ein neuer Versuch mit Stanniolpapier und viel Geduld scheint vorerst zu klappen. Nach ein paar Kilometern stellt sich der Wischer abermals quer und wir müssen wieder an eine Tankstelle. Nächster Versuch. Dazwischen verwirft der Techniker den Tagesplan. Zwei Campingplätze lassen wir aus und fahren bis kurz nach der bosnischen Grenze, um dort zu übernachten. Kurz vor dem Ziel zickt das Womo abermals oder ist es vielleicht doch das Karma welches nach einem heftigen Streit wegen des ständigen Umdisponierens seitens des Technikers zuschlägt? Der Motor lässt sich nach einem kurzen Stopp nicht mehr starten. Wir versuchen den Tonnen-schweren Würstelstand leicht bergauf in Richtung Straße zu schieben, aber das ist nicht zu schaffen. (Logischerweise). Genervt steigt der Techniker wieder ein, startet und … Der Motor springt an. Im Geiste huldige ich dem Universum.

An der bosnischen Grenze wird noch richtig kontrolliert und die Pässe werden sorgfältigst geprüft. Wo wir den hin wollen, wird gefragt. Wir nennen artig die Adresse. Nur nicht mit den Beamten anlegen. Noch mehr Trouble brauchen wir heute nicht. Die Fahrt zum Campingplatz führt durch das trostlose Grenzgebiet. Vorbei an unbewohnten Einfamilienhäusern. Die Ruinen welche der Krieg hinterlassen hat, ragen gespenstisch aus der Landschaft. Der Wiederaufbau wirkt armselig und fast alle Häuser sind unbewohnt. Und das 27 Jahre nach Kriegsende. Vereinzelt gibt es kleine Handwerksbetriebe. Sie sind das einzige Lebenszeichen dieser Region.

Typische Wohnsiedlung in Bosniens Städten

Wir finden den Campingplatz nicht. Google leitet uns auf einem mit Schlaglöchern übersäten Feldweg in eine dschungelähnliche Sackgasse mit einer verfallenen Hütte. Die App funktioniert hier nicht. Wir suchen eine Gaststätte um wenigstens unseren Hunger zu stillen. Der Wirt weiß nichts von einem Campingplatz und rät uns in Doboj auf einer 24 Stunden-Tankstelle zu übernachten. Auf seinem Parkplatz dürfen wir nicht bleiben.

Nach 10 Kilometern Sucherei, finden wir endlich die Tankstelle. Sie ist vollgeparkt mit LKW. Wir weichen auf einen freien Kiesplatz aus. Als ich endlich ins Bett komme, höre ich, wie ein Brummi knapp neben meinem Fenster einparkt. In der Hoffnung, dass er uns nicht den Seitenspiegel abrasiert, schlafe ich ein. Am nächsten Tag hat der Himmel wieder alle Schleusen offen. Um uns herum der Duft nach Fäkalien. Wir wechseln den Platz, um ohne Würgereiz frühstücken zu können.

Der Scheibenwischer gibt wieder seinen Geist auf. Nachdem es zu regnen aufgehört hat suchen wir eine Werkstatt. Ach ja, ich hätte fast vergessen zu erwähnen, dass Würstelstand an zwei Stellen undicht ist. Feuchte Bettwäsche und Matratzen. Mein ohnehin nie dagewesener Enthusiasmus, was Campen anbelangt, erreicht seinen Tiefpunkt. Die Werkstatt müht sich redlich, das alte Wischerteil zu reparieren und es scheint zu klappen. Es bekommt eine neue Verschraubung verpasst. Bei der Gelegenheit checkt der Mechaniker warum das Womo sich manchmal nicht starten lässt. Es stellt sich heraus, dass der Anlasser defekt ist. Die Beschaffung des Ersatzteils und die Reparatur würden 2 Tage dauern. Das ist uns zu lange. Es bleibt also weiter spannend.

Sarajevo voraus

Weiter geht’s über Sarajevo nach Dubrovnik in Kroatien. In Bosnien navigieren wir per Karte, denn Google findet keine Routen. Bosnien ist landschaftlich wunderschön. Bei der Fahrt durch due beiden Nationalparks fühlen wir uns in die Almlandschaften unserer Heimat versetzt. Die steilen Pässe sind eine Herausforderung für den betagten Würstelstand mit seinen 70 Pferdestärken. Für den Techniker auch. Die fehlende Servolenkung fordert in den unzähligen Kurven seine Armmuskulatur. Nach vier Stunden Gekurve kommen wir endlich in Dubrovnik an.

Hotelruine im Nationalpark
Allein auf der Straße
Braunkohle-Kraftwerk in Gacko/Bosnien
Bosnisches Geld- 1 konvertive bosnische Mark entspricht stets 0,5113 Euro. Ein Liter Diesel kostet 1,70 Euro

Den Campingplatz kann ich erst nach dem Grenzübergang googeln, denn in Bosnien funktioniert die Navigationsapp nicht. Wir haben Glück und finden einen netten Stellplatz. Die große Anlage ist gut besucht. Immer mehr Camper schätzen den Urlaub außerhalb der Saison. Die Temperaturen liegen zwischen 24 und 28 Grad, das Meer ist angenehm warm und es weht eine erfrischende Brise. Das Duschen genieße ich besonders. Nach der Katzenwäsche auf dem LKW-Parkplatz in Bosnien fühlt es sich herrlich an.

Saisonende
Herrlich ruhig
Beeindruckendes Ingenieurskönnen
Dubrovnik
Sportplatz über den Dächern der Stadt

Wir hängen einen Tag Sightseeing in der hoffnungslos überfüllten Altstadt an. Seit dem Serienhit Game of Thrones ist der Ansturm auf die Festungsstadt noch größer geworden. Morgen geht’s weiter nach Montenegro.


Ich werde berichten …

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Würstelstand auf Balkantour 1

Wie sagt man so schön- wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis. In unserem Fall reisen wir mit dem Wohnmobil in die Sommerverlängerung. Über Slowenien, Bosnien, Kroatien, Montenegro und Albanien geht es nach Griechenland.

Würstelstand wurde auf Vordermann gebracht, Undichtheiten und sonstige altersbedingte Schäden behoben. Wir hoffen, nichts übersehen zu haben, denn wenn der Würstelstand für vier Wochen unser Heim wird, sollte er die Mindeststandards an Komfort erfüllen. Ob das auch klappt, werde ich in einem Blog-Tagebuch wöchentlich dokumentieren.

Seit vier Tagen sind wir unterwegs. Die Abreise fielmir auch diesmal nicht leicht. Unser Garten hat sich vom sommerlichen Desaster endlich erholt und strahlt in seiner alten Pracht. Und schon ruft mein Techniker: „Auf zu neuen Projekten!«

Wenigstens steht uns ein bewährter Gartenbetreuer zur Verfügung. Somit bin ich zuversichtlich, dass die Pflanzenpflege diesmal klappt und uns „Eseln“ nach der Rückkehr keine Enttäuschung bevorsteht. Vorsichtshalber habe ich den Status quo fotografiert. Man weiß ja nie …

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Besonders viel Freude machen mir die Easy Cheesy Fleischtomaten. Aus einem winzigen Samen ist ein prächtiger Strauch geworden. Ich wünsche mir, dass uns die Früchte bei unserer Rückkehr in sattem Rot entgegen leuchten. 🍅

Aber vorher geht’s auf Balkantour …

Bis dann 💭

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*Andere Zeiten, andere Sprüche Nr.5

*Frei nach Goethe und zur aktuellen Situation in Deutschland gleich zwei Sprüche …
Österreich hat ja einen etwas g’miadlicheren Zugang zu allen Dingen.

Was du ererbt von deinen Vätern,
verspiel es nicht, du bereust es später-
oder:
Was Robertchen nicht lernt,
lernt Robert nimmermehr.

*Ein Projekt wider dem bittern Ernst