Ganz vorsichtig …

… kommt es hervor, das erste Grün, das erste Gelb, das erste Lila. Er lässt sich nicht mehr aufhalten. Der Frühling 🌷☀️ Mein Gartenzwerg frohlockt und ich natürlich auch 😉

Aber auch das ‚Alte‘ ist noch da. Die Zitronenbäume gehen über vor Früchten, ein paar Karotten haben den Winter überstanden und die Kohlsprossen kümmern vor sich hin.

Ferdinand der Stier

Heute mag ich mich selbst nicht. Möglicherweise bin ich müde vom stundenlangen Schreiben am neuen Manuskript. Das Trübe-Tassen-Wetter trägt auch das Seine dazu bei. Meine Tochter mit ihrem ungebrochenen Elan holte mich kurz raus, aber so richtig gut ging es mir danach noch immer nicht. Übermorgen sollte ich einen Beitrag zum österreichischen Vorlesetag abliefern. Aber nicht einmal dazu habe ich Lust. Dabei versuche wirklich dieser Zeit gleichgültig gegenüber zu treten. Manchmal schaffe ich es sogar, so zu tun, als ob es sie gar nicht gäbe. Aber dann begegnet mir das Elend im Supermarkt oder noch schlimmer in der freien Natur und ich verwandle mich in Ferdinand der Stier im Disneyvideo von 1938, nachdem er von einer Hummel gestochen wurde. Ich weiß, ich sollte mich nicht so aufregen, den im Grunde ist es das nicht wert!

Hier das Video, das bei mir immer für ein Lächeln sorgt und auch eine kleine Metapher für Selbstliebe ist.

Unverhofft kommt …

„Rumms“- das Geräusch des Aufpralls riss mich aus meinen Gedanken. Ach du Sch …, aufgefahren! Warum habe ich nicht besser aufgepasst! Verdammt, dass es eisig ist, wusste ich doch! Jemand klopfte ungeduldig an die Scheibe meines Wagens. Schemenhaft nahm ich ein Gesicht wahr. Ich stieg aus, setzte meinen unschuldigsten Blick auf und sagte: „Tut mir leid, ich war in Gedanken, ist ein Schaden entstanden?“

Trotzdem wir beide uns davon überzeugt hatten, dass nichts zu sehen war, bestand der Mann darauf, sich meine Fahrzeugdaten zu notieren. Leider hatte ich keine Papiere dabei, wohnte aber um die Ecke. Daher schlug ich ihm vor, mir nachzufahren. Nachdem wir angekommen waren, rannte ich in die Wohnung, um den Zulassungsschein zu holen. Dabei fiel mir auf, dass mein Mann noch nicht zu Hause war. Das war zwar ungewöhnlich, aber gerade nicht wichtig.

Schließlich überreichte ich dem Angefahrenen eine Kopie meiner Fahrzeugpapiere. Damit war der Fall erledigt. Wieder in der Wohnung, zog ich Mantel und Stiefel aus und beschloss auf der Couch etwas zu entspannen. Mein Mann würde bestimmt bald nach Hause kommen. Nachdem ich im Wohnzimmer Licht gemacht hatte, strahlte mir ein Strauß Tulpen auf dem Esstisch entgegen. Bevor ich Gelegenheit hatte, mich über den hübschen Blumengruß zu freuen, nahm ich zwei weitere Gegenstände wahr. Zwei Schlüssel und mehrere Seiten dicht beschriebenes Papier in der akribisch genauen Handschrift meines Mannes. Ich lächelte. Das sah ihm ähnlich. Während unserer einundzwanzigjährigen Ehe hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, mir immer wieder kleine Liebesbotschaften zu hinterlassen. Aber ein mehrseitiger Brief? Irgendetwas stimmte nicht. Warum lagen die Schlüssel am Tisch? Ich begann zu lesen.

Schon nach den ersten Zeilen wurde mir übel. ‚Wir hatten, wir waren.‘ Vergangenheitsform. 
Der Schock erfasste mich, meine Knie wurden weich. An der Stuhllehne fand ich Halt.  Während ich versuchte, das Geschriebene zu begreifen, sträubten sich meine Nackenhaare. Vier Seiten Beziehungsrückblick. Viele Fragen, wenige Antworten. Ich stand auf und sah mich im Raum um. Viel hatte er nie besessen. Seit seiner Geschäftsaufgabe war ihm Besitz unwichtig geworden. Wie in Trance ging ich ins Schlafzimmer und öffnete seinen Kleiderschrank. Leer – bis auf die eine Krawatte, die er nie gemocht hatte.

Warum? Von einem Tag auf den anderen? Ohne Vorwarnung, ohne Grund? Wo war er jetzt? Am letzten Hochzeitstag hatte er noch Rosenblätter gestreut. Er konnte sehr romantisch sein. Aber auch schweigsam und verschlossen. Nie beschwerte er sich – selten ein lautes Wort – kaum ein Streit. Wir waren zusammen durch dick und dünn gegangen und ich war sicher, das hätte uns für immer zusammengeschweißt. Alle dachten das!

Zurück im Wohnzimmer las ich die Seiten wieder und wieder. ‚Es läuft nicht mehr so rund‘ …, stand da geschrieben. Was genau? Meine Augen brannten und füllten sich mit Tränen. Langsam begriff ich;
es war vorbei …

Unverhofft kommt oft, sagt man. Glücklicherweise tritt es seltener ein, als das Sprichwort uns glauben machen will. Und immer wieder erkennt man, dass alles für etwas gut ist. Wie hätte ich sonst meinen liebevollen, eigensinnigen und stets alles besser wissenden Techniker kennengelernt? Eben …😉🙂🙃