Herbstreise 2024 🚌 6.Woche- Handicap

Irgendwie geht’s immer …

Langsam lerne ich, mich mit nur einer Hand durch den Campingalltag zu bewegen. Ich lerne mich anzuziehen, die Zähne zu putzen, zu duschen, zu essen und zu schlafen. Letzteres geht nur am Rücken, was gar nicht so einfach ist. Und weil bei allem Schlechten auch immer etwas Gutes dabei ist, habe ich morgens keine Rückenschmerzen mehr.

Manchmal fühlt man sich wie ein welkes Blatt …

Anfangs ist die Schlinge immer dabei. Das Gelenk reagiert noch zu sensibel auf jede Bewegung. Nach ein paar Tagen beginnt allerdings der Nacken zu schmerzen, und ich lege sie ab. Dafür machen sich erst jetzt zwei Hämatome am linken Knie und eines unter dem linken Auge bemerkbar. Schwimmen im Meer hake ich ab, Rad fahren sowieso. Ein paar kleine Fußmärsche mache ich, nur um in Bewegung zu bleiben. Mit meinem Techniker kann ich mich beim Autofahren nicht mehr abwechseln. Abwaschen, Frühstück zubereiten und kochen geht auch nur mit technischer Assistenz. Das freut den Mann, denn die romantische Vorstellung vom gemeinsamen Kochen hat ihn schon immer fasziniert. Während der Fahrten stütze ich den Arm auf einem Kissen ab. Anfangs spüre ich jede Welle.

Aber es wird von Tag zu Tag besser. Bis auf meine Finger. Die bleiben blau und dick angeschwollen. Vielleicht ist der Gips zu eng, aber das werden wir erst wissen, wenn ich Zuhause einen Arzt aufsuche. Ein CT muss ebenfalls gemacht werden. Ich hoffe sehr, dass ich um eine OP mit Platte und Verschraubung herumkomme. Täglich vor dem Einschlafen nehme ich Kontakt mit meinen Genesungskräften auf und bitte sie, das Gelenk zu heilen. Das mache ich immer, wenn ich krank bin und ich bilde mir ein, dass es hilft.

Die Fähre nach Bari. Mittwoch 30.10.

Heuer war es irgendwie ein Murks. Schon das Beladen verlief chaotisch. Irgendwo hat der Techniker gelesen, dass an diesem Tag das Gastro- und Schiffspersonal streikt. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun. Die Buchung einer fensterlosen Kabine an Bord erwies sich ebenfalls als totaler Fehlgriff. Die Kabinenwände waren derartig dünn, dass man jeden Huster aus dem Nebenraum hörte. Unglücklicherweise befand sich eine Horde Jugendlicher an Bord, von denen ein Teil in der Kabine neben uns bis vier Uhr früh ordentlich Rabatz machte. Wir fanden kaum Schlaf. Am Morgen danach waren wir dementsprechend gerädert.

Von Bari nach Hause

Die 1.300 km fuhr mein Mann mit zwei Unterbrechungen. Einmal an einem wunderschönen kleinen Campingplatz in Fermo. Und einmal in einem Hotel in Villach. (Die Übernachtung im sechs Grad kalten Womo wollten wir uns ersparen).

Letzte Bilder von Griechenland

Und das war sie, unsere diesjährige Herbstreise.

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Herbstreise 2024 🚌 5.Woche

Schluss mit lustig …

Donnerstag, 24.10.

Ich spürte es schon, als ich ungewöhnlich spät aufwachte. Irgendetwas beunruhigte mich, aber ich wusste nicht was. War es wegen der bevorstehenden Fahrt mit der Fähre oder dem nahenden Ende der Womotour oder war ich nur mit dem falschen Fuß aufgestanden? Ich hatte auch keine Lust mit dem E-Bike zu fahren. Trotzdem ließ ich mich nach dem Frühstück auf eine Fahrt nach Vivari und Drepano ein.  In einem Café am Hauptplatz von Drepano planten wir einen Ausflug in das 20 Kilometer entferne Nafplio. Dort findet jeden Samstag ein großer Obst- und Gemüsemarkt statt. Die freundliche Besitzerin des Cafés half uns mit dem Fahrplan des öffentlichen Busses und zeigte uns die Haltestelle. Danach wollten wir Einkaufen und zurück zum Campingplatz.

Glück im Unglück

Fehlanzeige; ich hatte einen Platten. Ein Dorn steckte im Vorderreifen. Unser Camper-Nachbar hatte uns vor dieser Art mehrzackigen Dornen gewarnt. Was nun? Kein Flickzeug dabei! Ich fragte im nächsten Laden nach. Wir hatten Glück. In kurzer Distanz gab es eine Fahrradwerkstatt, in der uns ein freundlicher alter Mann für 10 Euro der Schlauch wechselte. Nach der Reparatur und dem Einkauf ging’s’s wieder nach Hause. Beflügelt durch den positiven Ausgang, radelte ich flott voran. Zu flott, wie der Techniker später bemerkte.

Am Campingplatz führt eine steile, kurvige Straße nach unten zu den Stellplätzen. Ich weiß nicht wie und ich weiß nicht warum, (der Techniker attestierte einen Bremsfehler), stellte sich plötzlich der Lenker quer und da flog ich auch schon. Dabei geriet mein linkes Handgelenk unter das schwere Bike. Es war unnatürlich verdreht und ich ahnte Böses. Die Betreiber des Platzes eilten herbei und leisteten Erste Hilfe. Ich musste mich erst einmal vom Schock erholen und blieb liegen. Die Helfer hoben das Rad und setzten mich vorsichtig auf. Dann war auch schon der Techniker zur Stelle. Alle zusammen brachten mich zum Stehen und führten mich zum nahegelegenen Restaurant. Dort lagen schon kalte Umschläge bereit. Nach dem Schock kam der Schmerz. Das Handgelenk schwoll an.

Mit dem Taxi ging es rasant in das nächste Krankenhaus nach Nafplio. Dort machte ich die entbehrliche Erfahrung über das Einrenken eines mehrfach gebrochenen Handgelenks. Ein Helfer hielt meinen Oberarm fest und die Ärztin zog an der Hand, was das Zeug hielt. Diese unmenschliche Prozedur empfand ich trotz Schmerzmittel als äußerst unangenehm. Nach der Tortur war ich fix und fertig. Wir sahen uns die Röntgenaufnahmen an und fanden, dass die Ärztin ihren Job sehr gut gemacht hatte. Alle Gelenke waren unter dem Spaltgips wieder dort wo sie hingehörten. Aus dem Gang  hörten wir die Schreie einer Frau. Ich hatte mich kurz vorher mit ihr unterhalten. Ihre Hüftfraktur wurde behandelt. Ich fühlte mit!

Halber Mensch

Seither plagen mich starke Schmerzen. Ich bin zur Untätigkeit verurteilt und muss Kontrolle abgeben. Wenn man ein geschäftiges Weibchen ist, eine Zäsur! Mein Mann kümmert sich rührend um mich und das macht das Ganze leichter. Er muss mir viel abnehmen und beim Fahren kann ich ihn auch nicht mehr ablösen. Ich überlege über die Reiseversicherung des Automobilclubs von Athen aus nach Hause zu fliegen, verwerfen es aber wieder. Der Notarzt der Organisation überzeugt mich, dass mir bei  der geplante Heimreise kein Schaden an der Hand entsteht. Also ziehen wir das jetzt gemeinsam durch.

Ich hoffe, das Handgelenk wächst ohne Komplikationen zusammen. In zehn Tagen, meinte der Arzt, sollte ich die Hand nochmals röntgen lassen. Er ist aufgrund der Röntgenaufnahmen zuversichtlich, dass keine korrigierende Operation notwendig sein wird. Der Spaltgips wird zuhause durch einen Vollgips ersetzt. Mit vier bis sechs Wochen Handicap muss ich rechnen. Obwohl ich mich wie ein halber Mensch fühle, bin ich froh, dass alles noch glimpflich ausgegangen und es nicht die rechte Hand erwischt hat. Man wird bescheiden …

Habe ich schon erwähnt, dass ich das E-Bike nie wirklich wollte?

🥴

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