Das Meer glitzert mich an. Und wie es das kann!
Tag für Tag. Bin ganz entzückt, weil es beglückt. Tag für Tag …
Bulgariens Straßen kann man getrost vergessen. Werden wir aber nicht, weil deren Zustand katastrophal ist. Die schwach oder gar nicht gekennzeichneten Bremsschwellen tun ihr Übriges. Von Fuhrwerken, Wildwechsel und anderen Gefahren mal ganz zu schweigen. Wir sind verwöhnt von den gut in Schuss gehaltenen rumänischen Autobahnen. Davon hier keine Spur!
Meiner Meinung nach, sind wir viel zu schnell unterwegs. Prompt übersieht mein Techniker ein tiefes Schlagloch. Es kracht furchtbar und ein Alarm beginnt zu piepen. Ich schicke meinem Mann den Blick und spare nicht mit herzhaften Worten. Er ist natürlich beleidigt. Ist er doch nach Walter Röhrl der beste Autofahrer Europas. „Piep Piep.“ Zufällig sehen wir ein Abbiegeschild zu einem Campingplatz. „Piep Piep.“Nichts wie hin. Geschlossen! Die Aufsichtsperson lässt uns zwar nicht auf den Platz, aber vor verschlossenen Tor übernachten. „Piep Piep.“

Der Techniker löst erst einmal das PiepPiep-Problem indem er die Stromversorgung zwischen Batterie und Elektronik unterbricht. Endlich Ruhe! Derweil räume ich das Chaos im Kühlschrank und in den Stauräumen auf. Zum Glück hat das Schlagloch nicht mehr Schaden angerichtet. Ich koche uns ein Süppchen. Regen setzt ein. Anschließend schlafen wir erschöpft in traumhafter Stille ein. (Geschlossene Campingplätze haben auch ihre Vorteile). Am nächsten Morgen spaziert mein Mann an den nahegelegenen Strand. Aufgrund der Nachsaison menschenleer und dadurch umso schöner.

Ursprünglich wollten wir über Sofia nach Griechenland einreisen, aber mein Mann hatte die spontane Idee, über die Türkei nach Griechenland zu fahren. Da stehen wir dann am Grenzübergang BCP Malko Tarnovo und haben natürlich keine Versicherungskarte für die Türkei dabei. Es war ja so nicht geplant. Unser Versicherungsmakler kann uns leider keine Bestätigung per Mail schicken, da die österreichischen Versicherungsmühlen mindesten 24 Stunden für die Beschaffung dieses Dokumentes benötigen. Mein Techniker ist not amused als er dem türkischen Beamten 110 Euro für den Versicherungsschutz hinblättern muss. Der wiederum hält schon ein stattliches Versäumnisbündel Scheine in seinen Händen. Derweil patrouillieren bulgarische Soldaten auf dem Waldstück mit ihren Maschinengewehren hin und her. Wozu, fragen wir uns. Menschenhandel, Schmuggel, Drogen?

Die Autobahnen in der Türkei waren im Vergleich zu Bulgarien eine angenehme Überraschung. Mehrspurig und gut in Schuss. Das nächstgelegene Stadtzentrum von Edirne empfing uns am Abend beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum. Sogar die Laternenpfähle waren durchgängig beleuchtet. An den Ampeln sogar in den jeweiligen Phasen rot oder grün. Im krassen Gegensatz dazu, gerieten wir in Edirnes ländlicher Umgebung an Stellplätze, die zwar nichts kosteten, aber total vermüllt und verdreckt waren. Da sagten wir uns nein danke und fuhren lieber weiter. Bedauerlicherweise führte uns das Navi aufgrund der vielen Baustellen völlig in die Irre. Kein Campingplatz weit und breit. Sollten wir wieder frei stehen? Schließlich beschlossen wir, der Himmelsrichtung und dem Hausverstand zu folgen, und die Türkei in Richtung Griechenland zu verlassen.
Die Türken waren bei der Ausreise sehr genau und verwendeten sogar Gesichtserkennungskameras. Die griechischen Beamten hingegen waren deutlich lockerer drauf. Viele Griechen aus dem Umland fahren zum Shoppen in die Türkei, denn der Euro steht sehr günstig zur Lira. 1 Euro sind zirka 0,38 Lira.
Gegen 23 Uhr kommen wir nach fünfstündiger Fahrt in Alexandroupolis erschöpft aber glücklich an. Das Navi trifft diesmal punktgenau. Die riesige Campinganlage ist rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr geöffnet, der Empfang freundlich, der Stellplatz eben. Das sind die kleinen Freuden des Camping-Reisenden. Nach einem Imbiss samt Bierchen fallen wir müde ins Bett.

Schon am nächsten Tag geht es weiter zum nächsten Stopp, 50 km südöstlich von Thessaloniki. Ein kleiner, ruhiger Campingplatz zwei Kilometer von Nea Kalligratia entfernt. Dieser Ort ist zu 100 Prozent touristisch geprägt. Wahrend des Abendessens in einer Taverne unterhalten wir uns mit der Besitzerin des Lokals und erfahren einiges über die herrschenden Zustände. Sie klagt über unfähige Behörden, die den Ort verkommen lassen. Es werde zu wenig getan, um die Promenade attraktiver zu gestalten, den Strand zu pflegen, die Zugänge zu erhalten und beschädigte Anlagen wieder instand zu setzen.
Wir sehen es mit eigenen Augen; Kaputte Gehsteige, desolate Sitzbänke, Müll und stillgelegte Baustellen. Leider halten die Unternehmer nicht zusammen, um den Behörden Druck zu machen, erzählt die Besitzerin der Taverne. Jeder kämpft für sich. Alle sind unzufrieden, aber niemand wehrt sich.

… ist es nichtsdestoweniger schön hier. Freundliche Menschen, gutes Essen und Trinken zu moderaten Preisen, herrlicher Sonnenschein🌞🌞🌞und jede Menge frischer Wind.🌬️





Meerestemperatur: 24, Luft 25-30 Grad☀️




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