In Ungarn kostet der Diesel 1,40 Euro und nicht 80 Cent. Letzteres ist der Preis für Heizöl. Mein kritischer Techniker hat das sofort erkannt und mich darauf aufmerksam gemacht🧐😊
Schöne Woche 🙂🎈🚌🎈
Alles ist gepackt und verstaut. Es ist unsere erste große Reise mit dem Muck. Muck ist jünger, größer, schneller und geräumiger als sein Vorgänger Mucki. Wir haben das Wohnmobil aus britischer Manufaktur nach bestem Wissen gewartet und vorbereitet und sind gespannt auf die neue Route. Dieses Jahr geht es über Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach Griechenland. Der Campingplatz im Nordwesten Griechenlands ist bereits reserviert. Wir sind etwas später abgereist als geplant. Deshalb haben wir den ersten Stopp nicht in Wien gemacht, sondern sind gleich bis Györ durchgefahren.
Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Campingplatz und sind entsprechend hungrig. Es gibt bereits die erste Panne, da die Stromversorgung nicht funktioniert. Trotz wiederholter Versuche und der Unterstützung des Platzbetreibers gelingt es uns nicht, das Fahrzeug mit Strom zu versorgen. Wir müssen uns mit dem begnügen, was die Bordbatterie hergibt. Wir brechen die Fehlersuche ab, denn unsere Mägen knurren bereits bedenklich.

Wir fragen, wie weit der Weg in die Stadt sei und erhalten als Antwort, es seien nur circa eineinhalb Kilometer, was zu Fuß in 25 Minuten locker zu schaffen sei. Für uns sportliche Typen kein Problem. Nach zwei Kilometern ist noch immer kein Stadtzentrum in Sicht und so fragen wir einen der seltenen Passanten. „Ungefähr noch zwei Kilometer“, meint der und empfiehlt uns die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel. Unsere Laune sinkt proportional zur zurückgelegten Wegstrecke. Dann endlich an einer Kreuzung entdecken wir ein unscheinbares Pub mit Pizza auf der Karte. Ok, besser als Nichts. Des Ungarischen nicht mächtig radebrechen wir die Bestellung und bald naht die Rettung in Form zweier riesiger Pizzen und zwei Bier. Die Betreiber des Lokals sind ausgesprochen freundlich und die Pizza ist köstlich. Am Ende bezahlen wir 7580 Forint, also 19 Euro und alles ist wieder gut. Übrigens; Diesel kostet hier 1,40 Cent pro Liter.

Nach einer ruhigen Nacht findet der Techniker den Fehler bezüglich der Stromversorgung. Wir machen uns nach einem Kurzbesuch in der Altstadt von Györ auf den Weg nach Budapest. Auch hier sind die Folgen des Hochwassers unübersehbar.







Nach der Abfahrt von Györ suche ich über Google nach einem Campingplatz unweit von Budapest, dem nächsten Ziel unserer Reise. Wir erwischen einen Platz mitten im Nirgendwo. Die Anfahrt erweist sich als schwierig, denn auf Grund des Hochwassers sind einige Straßen gesperrt. Unser neues, sündteures Garmin-Navi schickt uns durch Sonne Mond und Sterne. Wir fragen Passanten, aber niemand weiß von einem Campingplatz. Über Google Maps erreichen wir schließlich das Ziel. Inzwischen ist es dunkel und die enge, für Muck ungünstige Auffahrt zum Stellplatz ist ohne Hilfe des Betreibers kaum zu schaffen. Aber der ist glücklicherweise zur Stelle und der Techniker folgt ohne Widerspruch seinen Anweisungen.


Der kleine Platz mitten im Wald hat wenige Stellplätze und ist dementsprechend ruhig. Die sanitären Anlagen sind einfach, aber gepflegt. Es ist ungewöhnlich kühl. Wir bleiben zwei Nächte. Am zweiten Tag fahren wir mit dem Bus nach Budapest, um die Stadt zu erkunden. Erfreuliche Überraschung; in Ungarn nutzt man alle Öffis ab dem 65. Lebensjahr gratis. Auf dem Weg zum Bus entdecken wir ein historisches und perfekt renoviertes Bahngebäude und einen original russischen ZIS 110. Stalin besaß mehrere gepanzerte Modelle von Typ ZIS 115.



Auch hier Land unter. Die Stadt ist beeindruckend. Vor allem durch die vielen gut erhaltenen historischen Gebäude und Monumente aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Es wird viel gebaut und renoviert. Die Stadt ist voll pulsierenden Lebens. Sie hat uns sehr gut gefallen. In einem Tag ist es kaum zu schaffen alles zu sehen, aber uns zieht es schon wieder weiter.











Die Kälte am ungarischen Campingplatz und das Duschen mit Gänsehaut motiviert uns zur Weiterfahrt in wärmere Gefilde. Bukarest lockt mit 30 Grad und viel Sonne, aber die direkte Strecke ist zu lang und so machen wir nach 500 km in Deva (Diemrich), einer Stadt in der Region Siebenbürgen Pause für eine Nacht. Deutsche haben wir keine mehr getroffen und die prächtige Burg haben wir auch nicht besichtigt, aber einen passablen Stellplatz ergattert. Gleich bei der Ankunft werden wir von zwei Hunden verbellt, denen es aber nur um die Wurst geht. Die bekommen sie aber erst am nächsten Morgen.

Am Platz kampiert ein weiteres Paar mit ihren Hunden in einem Zelt. Da ihr Wagen ein rumänisches Kennzeichen und den Werbeaufdruck einer Kfz-Werkstatt hat, versteigen wir uns in wilde Fantasien. Vielleicht rumänische Mini-Unternehmer, die im Zelt leben? Er fahrender Mechaniker, sie Sekretärin im Zelt? Weit gefehlt. Erst bei der Abreise stellt sich heraus, dass es sich um ein Paar aus Deutschland handelt, deren Camper eine Panne hat. Das Auto mit rumänischen Kennzeichen ist ein Leihwagen. Sie warten die Reparatur ab. Jetzt müssen wir über uns selbst ein bisschen lachen …
Wir campen fünfundvierzig Autominuten von der Stadt entfernt. Es tut sich noch einiges auf diesem Platz. Manche wollen wie wir an das Schwarze Meer. Wir sehen uns vorher Bukarest an. Zum ersten Mal probieren wir den Taxi-Dienst von Uber aus. Wir kennen die vielen Kritiken bezüglich der Ausbeutung der Fahrer, stellen aber fest, dass der Service einfach unschlagbar ist. App herunterladen und los geht’s. Alles super einfach, mit tadellosen Fahrzeugen und freundlichen Fahrern, vom Preis ganz zu schweigen. Wir werden den Dienst sicher wieder nutzen.
Die Stadt stellen wir uns so ähnlich wie Budapest vor, aber das ist sie nicht. Kaum verlassen wir die schicken Zentren, stoßen wir auf heruntergekommene Bauten, Dreck und bettelnde Menschen. Rumänien prosperiert zwar wirtschaftlich, aber es wird noch lange dauern, bis dieser Aufschwung die Mehrheit erreicht hat. Während der Besichtigung einiger orthodoxen Kirchen treffen wir auf tiefgläubige Menschen, die für religiöse Rituale Schlange stehen. Reliquien werden geküsst und Bittbriefe geschrieben. Unser Taxifahrer bekreuzigt sich während der Fahrt mehrmals. Hoffentlich nicht, weil er glaubt, wir seien des Teufels. In den touristischen Zentren herrscht der übliche Nepp und eine Kneipe reiht sich an die andere. Dabei trifft man auf wenig Originalität, aber viele Konzernketten, die einander weltweit gleichen. Ein riesiger Finanzkomplex aus Glas und Marmor mit einst tausend Beschäftigten steht mitten im Zentrum seit Jahren leer.










Regierungsgebäude in Bukarest. Das zweitgrößte nach dem Pentagon. Nicolae Ceaușescu ließ es erbauen.


Bevor wir am vergangenen Freitag nach Constanta abgereist sind, ist über Nacht einer meiner Flip-Flops vor dem Womo verschwunden. Erst vermute ich einen Streich von ein paar Jugendlichen, doch der Campingplatz-Betreiber klärte mich auf. Ein Füchslein treibt sein nächtliches Unwesen, stibitzt den einen oder anderen Schuh und versteckt ihn im nahen Wald. Ich bin seiner Fährte nach Bauchgefühl gefolgt und siehe da – ich habe die Badelatsche wiedergefunden.
Doch nun zu den Bildern vom Schwarzen Meer, an dem wir gerade angekommen sind. Viel Wind, viel Sonne, 24 Grad und jede Menge Kiter. Ein nackter Mann, der neben uns am Campingplatz nach der Musik des Handys seinen Namen tanzt, ist auch da, aber das ist eine andere Geschichte …




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