Schreiben-Reisen-Lebensbilder
Ulcinj bietet am kilometerlangen Strand reichlich Auswahl an Campingplätzen. Wie im Vorjahr wählen wir MCM. Hauptsächlich wegen der Wäscherei und einem Restaurant, das wir in guter Erinnerung haben.

AuĂer uns befinden sich nur mehr eine Handvoll Camper am Gelände. Wir wählen einen schattigen Platz. Es noch sehr warm. Jeden Tag um die 28-30 Grad.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, stapfen wir durch den Sand ins Restaurant. Dort empfängt uns ein HĂśllenlärm. Es tobt eine montenegrinische Hochzeit, und die Liveband gibt ihr Bestes, um unsere GehĂśrgänge zu malträtieren. Selbst im AuĂenbereich ist die Lautstärke kaum auszuhalten. Der Kellner bietet uns an, trotz geschlossener Gesellschaft etwas zu servieren. Wir haben die Wahl zwischen zwei Gerichten und bestellen.
PlĂśtzlich baut sich ein kleiner Junge vor uns auf. Mit selbstbewusster und vorwurfsvoll klingender Stimme doziert er irgendetwas in seiner Landessprache, das wir nicht verstehen. Es klingt, als seien wir hier fehl am Platz, womit er eventuell recht hat. Wir ziehen uns zurĂźck. Ohnehin sind wir mĂźde, denn 500 Kilometer in Muckis heiĂer Fahrerkabine waren anstrengend.





Am nächsten Tag bringe ich die Wäsche in die Reinigung und danach marschieren wir an den Strand. Es bläst eine steiffe Brise und das 24 Grad warme Meer brandet heftig. An Schwimmen ist nicht zu denken. Wir wechseln an den Pool und bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass die Anlage zusehends verkommt. Aber das ist nicht nur hier der Fall. Ăberall fehlt Geld fĂźr notwendige Investitionen. Bei den niedrigen Preisen nicht verwunderlich. FĂźr zwei Nächte inklusive Strom und Wasser und zwei Maschinenladungen Wäsche bezahlen wir 60 Euro.
Dabei scheint die Region an der Kßste relativ wohlhabend, wogegen im Landesinneren Armut herrscht. Es bleibt abzuwarten, wie sich Montenegro entwickelt. Ob es aus eigener Kraft gelingt oder von ausländischen Investoren abhängig bleibt.
Muckis Fahrerkabine ist weiterhin gut temperiert. Wir schwitzen und erkennen, dass eine Klimaanlage nicht die schlechteste Idee wäre. Wenn die BelĂźftung auf hĂśchste Stufe läuft, rasselt der Ventilator als ob sich Kieselsteine darin verfangen hätten. Auf Dauer nicht auszuhalten. âSehr aufwendig zu reparierenâ, sagt der Techniker. Vielleicht erwischen wir wie im Vorjahr durch Zufall einen Wunderwuzzi, der uns den LĂźfter repariert …
Zufällig geraten wir auf der Autobahn in einen bestens gelaunten Hochzeits-Konvoi und erhaschen sogar einen Blick auf die strahlende Brautđ
Tanken ist in Albanien teurer (1,92-2,04) als in Montenegro (1.59). Man kann mit Euro bezahlen, aber es gilt landesweit der LekĂŤ. 100 LekĂŤ entsprechen einem Euro.
Da Google Maps in Albanien nicht funktioniert, haben wir uns ein Navi zugelegt. BlĂśderweise habe ich nicht daran gedacht, die Karten via PC auf den neuesten Stand zu bringen. Bin sonst so eine Prepperin, aber ausgerechnet diesmal …
NatĂźrlich erkennt das Gerät die inzwischen neu gebauten, EU- finanzierten Autobahnen und die Ausfahrt zum geplanten Campingplatz in Apollonia nicht. Obwohl ein StraĂenschild darauf hinweist, fahren wir daran vorbei.
Technikglaube vor Verkehrsschild. Weit haben wir es gebracht.đ
Die nächste AusfahrtsmÜglichkeit ist Vlora. Das war nicht geplant und aufgrund des neuen Navis finde ich den Campingplatz in Stadtnähe nicht. Bis ich draufkomme, wie das neue Gerät tickt, vergeht eine nervige Kurverei durch die Stadt.
Hier fährt jeder, wie er will, wo er will und ohne RĂźcksicht auf Verluste. Immerhin irren wir durch die drittgrĂśĂte Stadt Albaniens. Vlora wirkt auf uns modern und voller Leben und die Strandpromenade kann es mit so manchen Urlaubsorten an der franzĂśsischen Riviera aufnehmen.
Am Ende leitet uns das Navi doch noch an einen hĂźbschen Campingplatz direkt am Meer. Hier essen wir ausgezeichnet zu Abend und erholen uns von der langen Fahrt. Ein kleiner Spaziergang rundet den Tag ab, bevor wir sanft entschlummern.

Wir bleiben zwei Tage und machen gute wie schlechte Erfahrungen. Diesmal mit Ăffis. Die Buslinie in die Stadt akzeptiert Euro als Zahlungsmittel, die Linie zurĂźck nicht. Bei der RĂźckfahrt zeigen wir dem Buslenker die Zieladresse und fragen, ob das die richtige Linie sei. Er nickt und verweist bezĂźglich Bezahlung auf einen weiteren Mitarbeiter. Der wiederum akzeptiert keine Euro und fordert uns auf die zwei Euro in LekĂŤ zu bezahlen, oder an der nächsten Station auszusteigen. Eine Frau bekommt das mit und will das Geld fĂźr uns auslegen. Das passt dem Kartenverkäufer nicht. Er versucht, die Frau davon abzuhalten. Die hilfsbereite Seele besteht aber darauf. Mein Mann will ihr den Betrag in Euro ersetzen. Sie nimmt das Geld nicht an. Als âwestliche Kapitalistenâ ist uns das äuĂerst unangenehm. Als kleinen Ausgleich bietet ihr mein Mann Weintrauben an, die er gerade in der Stadt erworben hat. Wenigstens das nimmt sie an. Kurz darauf kehrt der Bus um und hält. Alle Fahrgäste inklusive Lenker und der unfreundliche Billetteur steigen aus.

Was nun? Wir warten ab und bleiben sitzen. Neue Fahrgäste steigen ein. Fahrer und Kartenverkäufer ebenfalls. Und jetzt kommt das Beste; wir mßssten uns abermals Karten kaufen, keift der Billetteur. Wir befänden uns auf einer neuen Route, obwohl wir gerade einmal zwei Kilometer gefahren sind und der Bus lediglich in der Innenstadt verkehrt, wie sich jetzt herausstellt.
Es reicht! Wir steigen aus und nehmen ein Taxi.





*Mehr Infos zu Ulcinj und Vlora sind in den Ăberschriften verlinkt.đ
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Die Busfahrt kĂśnnte man auch als âAlbanien in a nutshellâ bezeichnen. Die Hilfsbereitschaft, das Geben von Herzen, auf der anderen Seite die DickkĂśpfigkeit, das sinnlose Insistieren, die Unfähigkeit klar zu kommunizieren (Die Linie endet gleich, fahren Sie ohne Ticket mit und kaufen Sie sich eins in 2km, das reicht). Hach, Lore, wer eine Reise tut, der kann etwas erleben! đ Und diesmal bin ich es, die die Geschichten lachend liest und froh ist, sie nicht erleben zu mĂźssen. Ganz liebe GrĂźĂe an euch!
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Danke, meine Liebeđ
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