Mietersuche

Immer ist was. Während ich noch meine Hand therapiere, meldet sich mein „Bussi-Mieter“ (er, der immer pünktlich bezahlt und die Wohnung tipptopp sauber hält). Er kündigt den Vertrag nach sechs (für mich) sorgenfreien Jahren. Er wird mit seiner Freundin zusammenziehen. Dafür ist die Zweizimmerwohnung zu klein. Okay, das verstehe ich und die Kündigungsfrist passt auch.
Fluchs aktiviere ich mein stillgelegtes Inserat auf dem virtuellen Marktplatz, willhaben.

Ungewöhnlich hohes Interesse

Das Inserat ist noch keine zwei Minuten online, hat es bereits 400 Klicks. Vermutlich haben viele die Suchmaschinen-Funktion aktiviert. Damit erhalten sie Angebote automatisch. Innerhalb von nur zwei Tagen kontaktieren mich 80 Interessierte. Das ist verblüffend, denn vor sechs Jahren verlief die Suche nach Mietern mit weniger Erfolg. Ein Grund wird sein, dass die Immobilienpreise in Salzburg extrem gestiegen und leistbare Wohnungen knapp sind. Je nach Lage legt man für 40 bis 60 Quadratmeter schon mal 1000 – 1200 Euro hin. Und das oft für „unzumutbare Löcher“, wie einige erzählen.

Auswahlverfahren, Besichtigung

Nun heißt es aussortieren. 80 % der Bewerber haben Migrationshintergrund. 20 % sind Österreicher oder Deutsche. Auffällig viele aus dem Nachbarland wollen nach Österreich.
Mein Auswahlverfahren läuft folgendermaßen ab; mich interessiert die Art der Kontaktaufnahme, die Rechtschreibung und die Information über die aktuelle wirtschaftliche Lage.
Bereits auf willhaben können Interessierte ein Mieterprofil ausfüllen, womit einige Fragen wie Einkommen oder Mietdauer beantwortet sind. Es gibt auch Empfehlungen von Freunden, denen ich natürlich gerne nachgehe. Dennoch werde ich nach Eignung, aber auch nach Bauchgefühl entscheiden. Aus Erfahrung weiß ich, wie wichtig letzteres ist.
Die Besichtigungstermine beginnen. Mein Mieter ist nur mehr selten in der Wohnung, was die Terminvergabe erleichtert. Vorerst verabrede ich mich viertelstündlich für einen ersten Eindruck auf beiden Seiten. Die Wohnung ist gut geschnitten, hübsch und gepflegt. Sie ist vom Mieter noch ansprechend eingerichtet, was die Präsentation erleichtert. Den meisten gefällt, was sie sehen.

Endspurt

Nach zwei Wochen Besichtigungen kommen fünf Interessierte in die engere Wahl. Zwei Pärchen, drei Singles. Zwei Studenten, eine Italienerin im Ruhestand und ein junges Salzburger Paar auf Starter-Wohnungssuche. Letztere erscheinen mit den besorgten Eltern, die sogar bürgen wollen. Ein sympathischer, bestens integrierter Pakistani und ein Grieche sind auch darunter. Der Pakistani ist zufällig im Lieblingscafé meines Technikers angestellt. Deshalb, und weil ihn sowohl Arbeitgeberin als auch ein langjähriger Kollege über den grünen Klee loben, meint mein Techniker: „An den kannst Du vermieten!“ Der Grieche scheidet aus, nachdem ich durch Zufall erfahre, dass er mich belogen hat. Die quirlige Italienerin will mir keine klare Auskunft über ihre wirtschaftliche Situation geben und zieht sich zurück. Das tut mir leid, denn sie war mir sympathisch und außerdem die Bekannte einer guten Freundin. Aber gleiches Recht für alle!

Entscheidung

Trotz der positiven Entwicklung bin ich mir noch immer nicht sicher, wem ich die Wohnung anvertrauen werde. Selten habe ich mit einer Entscheidung derart gehadert. Alle infrage kommenden sind vertrauenswürdig, ausgesprochen nett und würden sofort für mindestens sechs Jahre mieten.
Also was tun, sprach Zeus?
Ich habe den verbleibenden Interessenten versprochen, mich heute zu melden und während ich diese Zeilen schreibe, schwanke ich noch immer. Meine Tochter rät mir zu einer Entscheidung per Münze. Inzwischen hat das Inserat 6.200 Klicks. Manchmal ist zu viel des Guten einfach zu viel …

Dieses Bild hat mir heute meine Tochter geschickt.
Von oben hat man einen besseren Blick auf das Wesentliche. Vielleicht hilft es.

Schönen Sonntag
❓🤔❓🤔❓


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8 Comments on “Mietersuche

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