Schreiben-Reisen-Lebensbilder
Veröffentlicht am 8. März 2026 von Lopadistory
In einem Anfall geistiger Umnachtung kaufte ich mir diese Woche ein neues Handy. Nicht irgendeines, sondern ein wiederaufbereitetes. Der Grund war der tödliche Fall des alten Gerätes aus zwei Metern Höhe. Es war nicht das erste Mal, aber das letzte Mal, denn es ließ sich nicht mehr starten. Die Reparatur sei bei dieser Marke zu teuer, sagte der Handydoktor und so entschied ich mich für ein neues gebrauchtes. Ich wollte etwas Gutes tun und tat mir damit etwas Schlechtes.
Zum Glück besitzen wir ein einfaches Notfallhandy. Blöderweise verreiste der Techniker just dieser Tage zu einer Bootsbesichtigung nach Griechenland. Ohne Mobiltelefon wäre die Kommunikation (Bilder senden, Entscheidungen treffen) schwierig gewesen. Das Notfalltelefon ist mir wegen der schlechten Kamera auf Dauer zu wenig, deshalb bestellte ich ein Gerät meiner bewährten Lieblingsmarke. Zum ersten Mal gebraucht und wiederaufbereitet (Neudeutsch – „Refurbed“). Es schien mir einen Versuch wert.
Die Lieferung erfolgte prompt. Nach zwei Tagen erhielt ich ein umweltgerecht verpacktes Telefon, das auf den ersten Blick wie neu aussah. Ich freute mich und legte die SIM-Karte ein. „Keine Verbindung mit diesem Dienst möglich“, was bedeutet, dass der SIM-Lock des Handys nicht entsperrt ist. Dass die Firma nur entsperrte Geräte ausliefert, stimmt also nicht! Auf dem Bildschirm stand zu lesen, dass man mit einem kostenpflichtigen Dienst Kontakt aufnehmen solle, um das Teil zu entsperren. Da ich davon noch nie etwas gehört hatte und mein zweiter Nachname Misstrauen ist, schrieb ich dem Verkäufer eine Mail, in der ich das Teil reklamierte. Danach fuhren wir zum Münchner Flughafen, wo ich den Techniker verabschiedete und das Auto wieder nach Hause fuhr. Auf mich kämen nun drei Tage Me Time zu. Dachte ich …

Ich rief bei Reparaturfirmen an, ob eine Entsperrung des Telefons möglich sei. Die Antworten der Mitarbeiterinnen waren freundlich und zuversichtlich. Sie nannten mir Kontaktdaten von entsprechenden Dienstleistern. Leider umsonst, denn niemand der empfohlenen Firmen konnte diese Marke entsperren. Also überwand ich mein Misstrauen und versuchte es selbst mit jener Adresse, die in winzigen Buchstaben auf dem Startbildschirm des gebrauchten Handys stand. Am Laptop rief ich die Seite auf. Die Homepage wirkte seriös und professionell. Ich musste nur die IMEI-Nummer des Mobiltelefons eingeben und 17 € für die Freischaltung bezahlen. Die IMEI besteht aus 15 Ziffern und ist entweder auf der Verpackung oder unter Einstellungen: über das Telefon – IMEI zu finden.
Als ich per Kreditkarte bezahlen wollte, erhielt ich die erste Abfuhr. Als ich mit G-Pay bezahlen wollte, die Zweite. Ein Kryptokonto besitze ich nicht, denn das wäre die letzte Möglichkeit gewesen. Ich kontaktierte meine Bank.
Eine Bezahlung über Online-Banking muss per Handy verifiziert werden. Da ich jedoch ein Neues habe, muss ich mir für Transaktionen erst die Erlaubnis der Bank holen. Man bekommt entweder einen Brief (dauert mir zu lang) mit dem Freischalt-Code oder ich kann ihn persönlich bei der Bank abholen, was am Freitagnachmittag leider unmöglich ist. (Work-Life-Balance).
Der Verkäufer hat mir inzwischen angeboten, das Telefon gegen Erstattung zu zurück zu nehmen. Bedingung ist, das Telefon von allen Seiten zu fotografieren, ob es in Ordnung ist, die Bilder per Mail zu übermitteln, denn erst danach erhalte ich den Retourschein. Ein Witz! Damit ist Refurbed für mich kein Thema mehr.
Das alles gefällt mir nicht und zeigt auf, wie abhängig wir im digitalen Zeitalter geworden sind. Die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Kunden werden komplizierter, die Cyberkriminalität nimmt zu. Das ist wohl der Fluch der Zeit. Mir reicht es. Ich habe jetzt einfach losgelassen und warte auf den Montag. Nichts Muss, alles Kann. Zwischendurch rief mich mein Techniker aus Griechenland an und bat mich um die Buchung eines Direktfluges von Leros nach Athen. Den Wunsch konnte ich leider auch nicht erfüllen. Er hat es schließlich selbst hinbekommen.
Heute hole ich meinen Mann vom Flughafen ab. Aus drei Tagen Me Time sind drei Tage Mobiltelefon-Problem -Zeit geworden.
Handys sind nicht alles, aber ohne sie wird einiges ziemlich kompliziert.
Einen schönen, stressfreien Sonntag
🫠🫠🫠
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Kategorie: Kurzgeschichten, SCHREIBEN, Short Stories, WISSENSchlagworte: Ärger, Gebrauchte Ware, Mobiltelefon, Refurbed


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