Der James-Bond-Komplex: Warum Männer nicht einfach schieben können

Mitten in meiner Auszeit am See, eines Abends gegen Mitternacht, klingelt das Telefon. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – wenn wir getrennt sind, telefonieren wir fast immer vor dem Schlafengehen. Ahnungslos nehme ich ab.
Was dann kommt, ist ein seltsames Gemisch aus Abwiegeln und auffällig leisem Sprechen. Schließlich sickert die eigentliche Nachricht durch: »Bin im Unfallkrankenhaus.«
Mir bleibt die Luft weg. Ich dachte, das Schlimmste hätten wir hinter uns. Der Techniker war doch auf einem (beinahe schon zu guten) Weg der Besserung – Krücken längst weg, mit Wanderstöcken lief es schon richtig gut. Warum zum Teufel ruft er jetzt aus dem Krankenhaus an?
Er ist gestürzt. Mit dem Rad. Vor der Garage. Statt wie sonst abzusteigen und zu schieben, wollte er à la James Bond in einem Schwung hineinbrausen. Prompt bekomme ich ein schlechtes Gewissen. (Typisch Frau.) Müsste ich nicht eigentlich bei ihm sein? Ist überhaupt jemand bei ihm?
Stattdessen höre ich mich sagen: »Warum fährst du schon wieder Rad? Habe ich dir nicht gesagt, es ist noch zu früh?«
Es ist passiert. Seine Tochter, die nebenan wohnt, ist bei ihm. Sie wartet mit ihm in der Notaufnahme, während sich ein gewaltiges Hämatom am gesunden Bein ausbreitet. Um zwei Uhr nachts fahren sie ohne Röntgenbild nach Hause.
Am nächsten Tag fahre ich selbst nach Hause. Ich bin sauer. Sauer auf dieses Macho-Gehabe, sauer auf mich, weil jetzt wieder alles von vorne losgeht.
Was ist bloß los mit diesem Mann? Warum bringt er nicht die Geduld auf, seiner Genesung einfach Zeit zu lassen?
Ist das ein generelles Männer-Ding?

SCHÖNEN SONNTAG

😑🦵😐

Übrigens; das Taping hat sich inzwischen wie die Massagen als kontraproduktiv erwiesen.


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