Schreiben-Reisen-Lebensbilder
Veröffentlicht am 11. Oktober 2026 von Lopadistory
Nachdem der Techniker mit der elektrischen Stichsäge ein Loch zum besseren Verstauen des Außenborders in die Ecke unter der Sitzbank gefräst hat, wird erst einmal geputzt, eingekauft und der Proviant sowie Wäsche und Kleidung im Boot verstaut.
Als wir fertig zum Auslaufen sind, beginnt die berüchtigte Bora zu blasen. Also abwarten. Das altersschwache Dinghy verliert Luft. Wir kaufen – auf mein Drängen hin – ein neues. Der Techniker ist nur mäßig amüsiert, aber ich habe keine Lust, mit einem Beiboot herumzurudern, das ständig Luft verliert.
Danach wird das Boot endlich ins Wasser gekrant. Und dann geht es Schlag auf Schlag.

Panne Nr. 1: (Ich habe schon berichtet). Der Techniker startet den Motor. Der stirbt nach wenigen Sekunden ab. Panik (meinerseits). Die Marineros reagieren fix und verholen uns mit ihrem Boot an den Steg. Der Mechaniker, der im Winter den Dieselmotor gewartet hat, hat vergessen, den Hahn für die Dieselzufuhr einzuschalten. Außerdem hat er übersehen, dass der Deckel des Meerwasser-Ansaugfilters kaputt ist. Hätte es diesen Zwischenfall nicht gegeben, wäre der Deckel weggeschleudert worden und der Motorraum vollgelaufen. Das will ich mir auf offener See lieber nicht vorstellen. Aber das ist noch nicht alles.
Panne Nr. 2: Ausfall der Elektrik der Instrumentenanzeige. Der Anker lässt sich nicht bewegen und der Motor nicht mehr abstellen. Die Zündung ist tot. Notgedrungen fahren wir in die Vela Mala, eine kleine Marina, in der Fremde laut Handbuch unerwünscht sind. Den Motor stellen wir ab, indem wir nun absichtlich die Dieselzufuhr unterbrechen. Nun beginnt die Suche nach einem Elektriker.
Ivan, ein pensionierter Kroate, und ein weiterer Einheimischer bieten uns ihre Hilfe an. Ivan fährt uns am Abend sogar in ein Restaurant und holt uns wieder ab, um uns zum Boot zu bringen. Wir sind geplättet von dieser Hilfsbereitschaft. Er spricht sehr gut Deutsch, denn er hat 45 Jahre in Deutschland gearbeitet. Andrej, der zweite Helfer, sucht nach Elektrikern. Außerdem müssen wir den Liegeplatz verlassen, denn der Eigentümer kommt spätestens morgen zurück.
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das vier Tonnen schwere Boot um die Ecke zu rudern und mit Leinen zu verholen. Ein ziemlicher Nervenkitzel.
Am neuen Platz festgemacht, reparieren wir selbst ein geknicktes Kabel im unzugänglichen Elektrokasten des Cockpits. Nur ich komme mit einem Arm in die schmale Öffnung. Mühsame Verrenkungen. Viele Pausen. Schließlich schaffe ich es, die beiden Kabelenden zu trennen, neu zu verbinden, zu fixieren und zu isolieren. Leider war das nicht die Ursache. Die Zündung macht keinen Mucks.


Glücklicherweise findet sich vor Ort ein Mechaniker mit Elektrokenntnissen. Es gelingt ihm, die Zündung in Gang zu bringen. Auch Anzeige und Anker funktionieren wieder. Halleluja!🎈 Glücklich legen wir ab und bedanken uns herzlich bei allen Helfern – vor allem bei Ivan.
Panne Nr. 3: Das Bordklo funktioniert plötzlich nicht mehr. Verstopft! Ich habe versehentlich ein Taschentuch in den Abfluss geworfen. (Mea culpa.) Erfahrene Hausfrauen wissen, dass sich moderne Taschentücher in Waschmaschinen nicht mehr auflösen, sondern zu einem kompakten Knödel verklumpen. Hab leider nicht daran gedacht. Seis drum-
Wir fahren in die erste Bucht seit Urlaubsantritt und ankern. Die einzige Segelyacht, die während unserer Ankunft in der Bucht liegt, verlässt bei Einbruch der Dunkelheit den Ankerplatz Richtung Hafen. Wir sind allein und bleiben zwei Nächte.
Das defekte Bordklo zieht unappetitliche Vorgänge nach sich. Ich kann mich ohne Weiteres an der Ankerkette oder in einen Eimer erleichtern. Der Techniker ist da sensibel. Das mag er nicht. Der MUSS auf eine echte Toilette und transferiert hernach sein großes Geschäft- (ich will nicht wissen wie)🥴 in einen Eimer, um den Inhalt anschließend den Fischen im Meer zu übergeben.
Am Heck des Bootes wartet schon ungeduldig eine maritime Reinigungstruppe namens Brandbrassen. 🐟 Der Schwarm verschlingt das Vorverdaute in Rekordzeit. Wenn die Truppe fertig ist, leuchtet das Meer wieder makellos türkis und glasklar, als wäre nichts geschehen.

… zieht eine Schlechtwetter Front heran: starke Winde, Gewitter und Starkregen. Das heißt für uns zurück in den Hafen. Was für ein „Lauf“. Dennoch hatten wir Glück im Unglück. Die operierte Hüfte des Technikers schmerzt vom vielen Arbeiten ich als Hilfskraft spür’s auch überall .

Ab jetzt verbringen wir noch ein paar Tage in der Marina und nutzen als Mitglieder den Wellnessbereich des dazugehörigen Hotels. Die meiste Zeit an Land zu verbringen war zwar nicht unsere Absicht, aber wie heißt es so schön: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.“
SCHÖNEN SONNTAG 🌅
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Kategorie: Kurzgeschichten, MOTORBOOT, PROJEKTE, REISEN, SCHREIBEN, Short Stories, ZitateSchlagworte: Pech und Pannen
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Motorboot – keine einfache Verbindung – vielleicht doch wieder Segelboot?
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