Unser nächstes Ziel ist Kotor, in Montenegro. Die Route dorthin bietet einen herrlichen Ausblick auf die Küsten des Landes. Ungewöhnlich viele Zypressen ragen aus den sattgrünen. Wäldern.
In der Bucht von Kotor jagt uns Google wieder ins Gebirge um uns kurz danach über einen Feldweg wieder hinunterzudiktieren. Wir halten an, um die vorgeschlagene Route auf der Karte einzusehen. Wie sich herausstellt, ist sie kompletter Nonsens. Wir wenden. Der Starter zickt abermals, springt aber nach dem dritten Versuch, Universum sei Dank, an. Wir fahren die einem Fjord ähnliche Bucht von Kotor entlang und halten bei einer der zahlreichen Muschelfarmen an. Auf der kleinen Terrasse genießen wir Austern und Miesmuscheln zu relativ günstigen Preisen. Verschenkt wird auch hier nichts. Der Besitzer ist ausgesprochen bemüht. Er holt jede Mahlzeit frisch aus seiner Zucht. Und weil ihm gerade das Weißbrot ausgegangen ist, düst er für uns zur Bäckerei. Nach dem Essen erklärt er uns den Weg zum nächsten Ziel. Allemal besser als Google. Weiter geht die Reise nach Virpazar. Der Ort liegt an einem riesigen Feuchtgebiet in der Nähe von Podgorica Der arme Würstelstand muss wieder über einen steilen Pass. Ich sag’s noch einmal 70 PS bewegen 3,5 Tonnen.
Die Aussicht ist wieder einmal großartig. Wir suchen den geplanten Campingplatz und finden ihn nicht. Wir fragen Einheimische. Die sind freundlich, aber uneins. Die Einen meinen den Campingplatz zu kennen, die Anderen behaupten es gäbe gar keinen. Na toll. Inzwischen geht die Sonne unter und wir haben noch immer keinen Stellplatz. Letzter Versuch; vor einem Hotel frage ich einen Kellner. Der weiß auch nichts, kennt aber angeblich einen anderen Campingplatz in der Nähe, zu dem er uns voraus fahren würde. Wir nehmen das Angebot an und folgen ihm. Nach 20 Minuten Fahrt durch diverse Wohngebiete und enge Gässchen fragen wir uns, was zum Teufel der Mann mit uns vorhat. Kopfkino … Endlich hält er an. Ich steige aus und stehe vor einem gepflegten Schrebergarten mit ein paar Häuschen darauf. Drei Männer erwarten uns bereits. Der Platz scheint etwas klein für unser Womo. Mein Techniker ist not amused. An der abschüssigen Kante der Zufahrt besteht die Gefahr einer Bodenberührung. Außerdem müssen wir morgen im Retourgang wieder hinaus. Müde von der Herumsucherei riskieren wir es dennoch. Der Besitzer stellt uns eine der Hütten zur Verfügung, in der wir WC und Dusche benutzen können. Alles zusammen für 25 Euro. Ich koche uns ein paar Spaghetti und anschließend geht es in die wohlverdiente Heia.





Am nächsten Morgen klagt mein Mann, dass er schlecht geschlafen habe, weil er ständig darüber nachdachte, wie wir Würstelstand unbeschadet wieder heraus bekommen. Leider ist seine Sorge berechtigt.
Die Räder drehen im weichen Boden durch und erst im dritten Anlauf gelingt es ihm, unter rauchender Kupplung das Hindernis zu überwinden. Ich bekomme das Alles gar nicht mit, da ich noch in der Hütte mit dem Abwaschen des Frühstücks Geschirrs beschäftigt bin.
Als ich nachkomme, steigt mein Mann aus dem Wagen. »Die Reise ist zu Ende. Die Bremsleitung ist gerissen. Genau an der Kante. Wie ich es befürchtet habe«, sagt er und geht zurück zu den Hütten. Ich stelle das Geschirr ab und finde erstmal keine Worte. Ein Glück, dass der Vermieter noch anwesend ist.
Dann geht es Schlag auf Schlag. Plötzlich kommen von allen Seiten hilfsbereite Menschen. Die Frau des Vermieters nimmt sich meiner an und lädt mich zu einer Tasse Kaffe ein. Ich lehne dankend ab. Ich will wissen, wie es weiter geht. Inzwischen kriecht auch schon ein Mechaniker aus der Nachbarschaft unter das Womo und bestätigt unter mitleidigem Seufzen den Schaden an der Bremsleitung. Nun kurbeln drei weitere Helfer abwechselnd das tonnenschwere Womo hoch und demontieren ein Hinterrad, damit der Fachmann arbeiten kann. Mit viel Mühe gelingt es ihm die abgerissene Bremsleitung zu demontieren. Danach organisiert er telefonisch einen Ersatzteilhändler und fährt mit meinem Mann dorthin.
Inzwischen trifft ein weiterer Mechaniker ein. Mit Händen und Füßen gestikuliere ich, dass alles schon am Laufen sei. Er hinterlässt mir vorsichtshalber seine Telefonnummer. Mann kann ja nie wissen … Wie hilfsbereit hier alle sind, verblüfft mich. Einfach großartig!
Kurzum- das Ersatzteil wird aufgetrieben und nach zweieinhalb Stunden sind wir wieder unterwegs. Die Reparatur kostet inklusive gebrauchter Bremsleitung 55 Euro. Der bescheidene Mechaniker verlangt viel zu wenig für seine Mühen. Das kommt für uns natürlich nicht in Frage. Schließlich einigen wir uns auf einen Kompromiss.





Bei sommerlichen 28 Grad, gönnen wir uns nach all der Aufregung einen Tag am Sandstrand von Ulcinj. Das Meer ist noch warm genug zum Baden und die Nächte sind angenehm kühl. Nur mehr vereinzelt verirren sich Menschen hierher. Der einzige Wehmutstropfen sind die vielen herumstreunenden Hunde. So niedlich einige von ihnen auch sind, so nervig ist ihr ununterbrochenen Bellen in der Nacht.
Dann erwischt meinen Techniker auch noch eine Magenverstimmung. Ich bin nicht sicher, ob das nicht auch etwas mit den letzten Ereignissen zu tun hat. Das alles kann einem schon auf den Magen schlagen.
Nach dieser kurzen Erholung geht es weiter über die albanische Grenze. Wir sind schon sehr gespannt, denn dieses Land wurde uns von vielen als äußerst reisenswert empfohlen.
Was uns nach den ersten 300 Kilometern auffällt, ist die extreme Schere zwischen Arm und Reich. Einerseits Wellnessresorts und Luxuslimousinen- andererseits alte Frauen mit Eselskarren an den Autobahnen und Armut in den ländlichen Gegenden.
Der Straßenverkehr ist mörderisch. Hier gilt ; First come, first go. Mit verweichlichter und rücksichtsvoller Einstellung kommt man hier nicht weit. Es ist sehr oft sehr knapp! Bis kurz nach Vlorë kommen wir, dann machen wir Halt. Unser heutiger Campingplatz liegt direkt am Meer und ist, sagen wir mal bescheiden ausgestattet. Die sanitären Anlagen sind sauber und die Rezeptionistin spricht gutes Deutsch und erzählt ein wenig über Land und Leute. Sie spendiert selbstgebrannten Raki. Danach essen wir in einem Restaurant mit typischer albanischer Küche. Ich Lamm, mein Mann wenig. Er fühlt sich noch immer nicht gut. Vom Meer her weht ein stürmischer Wind. Es ist kühl geworden. Ich brühe dem Techniker eine Tasse Kräutertee, dann geht’s ab in die Heia. Keine Hunde heute. Wie schön.
Am nächsten Tag geht es Meinem Mann quält noch immer der Magen. Ich lerne eine Motorradtramperin aus Belarus kennen. Ein zartes Persönchen mit schwerer Maschine. Ich frage, ob sie die deutsche Bikerin Lea Rick kennt. »Wir Solobikerinnen kennen uns alle«, antwortet sie. »Wir sind eine eingeschworene Community.« Ich finde Frauen wie sie großartig und das sage ich ihr auch. Ich wünsche ihr eine gute Reise und sie düst ab, dem nächsten Ziel entgegen.
Wir machen uns auf den Weg in Richtung Griechenland. Dabei überqueren wir den bisher steilsten Pass. Würstelstand quält sich tapfer bis zum höchsten Punkt. Nachdem wir kurz stehen bleiben, um die grandiose Aussicht zu genießen, beschließt der Starter wieder einmal zu streiken. Keine Ahnung wie das Universum das immer fertig bringt, aber in der Sekunde taucht ein Fachmann auf, instruiert meinen Techniker was zu tun sei, schließt mit einem Schraubenzieher den Starter kurz und schwuppdiwupp springt der Motor an. Unmittelbar darauf ist der Mann wieder verschwunden. Selbst mein Techniker ist beeindruckt.
Albanien ist topografisch ein ewiges auf und ab und hin und her. Allein um von Küste zu Küste zu gelangen, erfordert es endlos scheinende Zeit über steile Gebirgspässe und enge Kehren. Die wunderbare Aussicht und die herrlichen Strände entschädigen uns allerdings für die endlose Kurverei. Albanien ist voll wilder Schönheit und Überraschungen. Man muss immer auf der Hut sein, denn in jeder Kurve an den entlegenen Dörfern kann einem eine Kuh oder eine Gruppe Esel entgegenkommen. Wobei die Esel sich an den Straßenrand halten. Die Kühe nicht …










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Immer diese Aufregungen! Haben wir alles, Brauch ma noch was? Während der letzten beiden Tage vor der Abreise war ich mit Stauen und putzen beschäftig. Wie am Schiff, aber ohne Wasser darunter. Natürlich werden wir etwas vergessen. Man vergisst immer etwas. Hauptsache nicht den Reisepass! Ist mir einmal passiert und dazu sage ich nur; wenn Blicke töten könnten …
Seit einer Woche sind wir unterwegs. Erste Station BLED. Wir übernachten auf dem hübschen River-Camping – Platz um 40 Euro die Nacht. Ohne Stromanschluss. Den generieren wir über die Solarzelle am Dach.

Am Donnerstag geht es weiter Richtung Sarajevo. Es regnet in Strömen und exakt vor dem Grenzübergang Slowenien/Kroatien gibt der Scheibenwischer auf. Ausgerechnet auf der Fahrerseite. Für die Reparatur suchen wir einen Unterstand. Wir finden ihn auf einem abgesperrten Teil. Sofort eilen aufgeregte Polizistinnen herbei, um zu sehen was wir im Schilde führen. Die Sache ist mit einem Hinweis auf den verdrehten Scheibenwischer bald geklärt und mein Techniker macht sich an die Reparatur. Nach ein wenig Geschraube scheint er wieder zu funktionieren. Aber nicht lang. Nach fünf Minuten dasselbe wieder. Im Blindflug fahren wir zur nächsten Tankstelle.

Würstelstand gibt sich diesmal ganz besonders zickig. Hilft nix. Ein neuer Versuch mit Stanniolpapier und viel Geduld scheint vorerst zu klappen. Nach ein paar Kilometern stellt sich der Wischer abermals quer und wir müssen wieder an eine Tankstelle. Nächster Versuch. Dazwischen verwirft der Techniker den Tagesplan. Zwei Campingplätze lassen wir aus und fahren bis kurz nach der bosnischen Grenze, um dort zu übernachten. Kurz vor dem Ziel zickt das Womo abermals oder ist es vielleicht doch das Karma welches nach einem heftigen Streit wegen des ständigen Umdisponierens seitens des Technikers zuschlägt? Der Motor lässt sich nach einem kurzen Stopp nicht mehr starten. Wir versuchen den Tonnen-schweren Würstelstand leicht bergauf in Richtung Straße zu schieben, aber das ist nicht zu schaffen. (Logischerweise). Genervt steigt der Techniker wieder ein, startet und … Der Motor springt an. Im Geiste huldige ich dem Universum.
An der bosnischen Grenze wird noch richtig kontrolliert und die Pässe werden sorgfältigst geprüft. Wo wir den hin wollen, wird gefragt. Wir nennen artig die Adresse. Nur nicht mit den Beamten anlegen. Noch mehr Trouble brauchen wir heute nicht. Die Fahrt zum Campingplatz führt durch das trostlose Grenzgebiet. Vorbei an unbewohnten Einfamilienhäusern. Die Ruinen welche der Krieg hinterlassen hat, ragen gespenstisch aus der Landschaft. Der Wiederaufbau wirkt armselig und fast alle Häuser sind unbewohnt. Und das 27 Jahre nach Kriegsende. Vereinzelt gibt es kleine Handwerksbetriebe. Sie sind das einzige Lebenszeichen dieser Region.

Wir finden den Campingplatz nicht. Google leitet uns auf einem mit Schlaglöchern übersäten Feldweg in eine dschungelähnliche Sackgasse mit einer verfallenen Hütte. Die App funktioniert hier nicht. Wir suchen eine Gaststätte um wenigstens unseren Hunger zu stillen. Der Wirt weiß nichts von einem Campingplatz und rät uns in Doboj auf einer 24 Stunden-Tankstelle zu übernachten. Auf seinem Parkplatz dürfen wir nicht bleiben.
Nach 10 Kilometern Sucherei, finden wir endlich die Tankstelle. Sie ist vollgeparkt mit LKW. Wir weichen auf einen freien Kiesplatz aus. Als ich endlich ins Bett komme, höre ich, wie ein Brummi knapp neben meinem Fenster einparkt. In der Hoffnung, dass er uns nicht den Seitenspiegel abrasiert, schlafe ich ein. Am nächsten Tag hat der Himmel wieder alle Schleusen offen. Um uns herum der Duft nach Fäkalien. Wir wechseln den Platz, um ohne Würgereiz frühstücken zu können.
Der Scheibenwischer gibt wieder seinen Geist auf. Nachdem es zu regnen aufgehört hat suchen wir eine Werkstatt. Ach ja, ich hätte fast vergessen zu erwähnen, dass Würstelstand an zwei Stellen undicht ist. Feuchte Bettwäsche und Matratzen. Mein ohnehin nie dagewesener Enthusiasmus, was Campen anbelangt, erreicht seinen Tiefpunkt. Die Werkstatt müht sich redlich, das alte Wischerteil zu reparieren und es scheint zu klappen. Es bekommt eine neue Verschraubung verpasst. Bei der Gelegenheit checkt der Mechaniker warum das Womo sich manchmal nicht starten lässt. Es stellt sich heraus, dass der Anlasser defekt ist. Die Beschaffung des Ersatzteils und die Reparatur würden 2 Tage dauern. Das ist uns zu lange. Es bleibt also weiter spannend.



Weiter geht’s über Sarajevo nach Dubrovnik in Kroatien. In Bosnien navigieren wir per Karte, denn Google findet keine Routen. Bosnien ist landschaftlich wunderschön. Bei der Fahrt durch due beiden Nationalparks fühlen wir uns in die Almlandschaften unserer Heimat versetzt. Die steilen Pässe sind eine Herausforderung für den betagten Würstelstand mit seinen 70 Pferdestärken. Für den Techniker auch. Die fehlende Servolenkung fordert in den unzähligen Kurven seine Armmuskulatur. Nach vier Stunden Gekurve kommen wir endlich in Dubrovnik an.





Den Campingplatz kann ich erst nach dem Grenzübergang googeln, denn in Bosnien funktioniert die Navigationsapp nicht. Wir haben Glück und finden einen netten Stellplatz. Die große Anlage ist gut besucht. Immer mehr Camper schätzen den Urlaub außerhalb der Saison. Die Temperaturen liegen zwischen 24 und 28 Grad, das Meer ist angenehm warm und es weht eine erfrischende Brise. Das Duschen genieße ich besonders. Nach der Katzenwäsche auf dem LKW-Parkplatz in Bosnien fühlt es sich herrlich an.






Wir hängen einen Tag Sightseeing in der hoffnungslos überfüllten Altstadt an. Seit dem Serienhit Game of Thrones ist der Ansturm auf die Festungsstadt noch größer geworden. Morgen geht’s weiter nach Montenegro.
Ich werde berichten …
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Wie sagt man so schön- wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis. In unserem Fall reisen wir mit dem Wohnmobil in die Sommerverlängerung. Über Slowenien, Bosnien, Kroatien, Montenegro und Albanien geht es nach Griechenland.
Würstelstand wurde auf Vordermann gebracht, Undichtheiten und sonstige altersbedingte Schäden behoben. Wir hoffen, nichts übersehen zu haben, denn wenn der Würstelstand für vier Wochen unser Heim wird, sollte er die Mindeststandards an Komfort erfüllen. Ob das auch klappt, werde ich in einem Blog-Tagebuch wöchentlich dokumentieren.
Seit vier Tagen sind wir unterwegs. Die Abreise fielmir auch diesmal nicht leicht. Unser Garten hat sich vom sommerlichen Desaster endlich erholt und strahlt in seiner alten Pracht. Und schon ruft mein Techniker: „Auf zu neuen Projekten!«
Wenigstens steht uns ein bewährter Gartenbetreuer zur Verfügung. Somit bin ich zuversichtlich, dass die Pflanzenpflege diesmal klappt und uns „Eseln“ nach der Rückkehr keine Enttäuschung bevorsteht. Vorsichtshalber habe ich den Status quo fotografiert. Man weiß ja nie …









Besonders viel Freude machen mir die Easy Cheesy Fleischtomaten. Aus einem winzigen Samen ist ein prächtiger Strauch geworden. Ich wünsche mir, dass uns die Früchte bei unserer Rückkehr in sattem Rot entgegen leuchten. 🍅
Aber vorher geht’s auf Balkantour …


Bis dann 💭
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