Verworfene Tage 😵‍💫

Habt ihr davon schon einmal gehört? Es soll sie tatsächlich geben. Wird zumindest von einigen behauptet. An diesen sogenannten Schwendtagen wird geraten, keine wichtige Termine wahrzunehmen. Im Mittelalter nannte man sie die kritischen Tage. Einige, meist männliche Zeitgenossen sind ja der Meinung, dass wir Frauen diese beinahe täglich hätten. Das ist natürlich auch nur ein Gerücht …

Leider hatte ich ausgerechnet an einem dieser Tage etwas Wichtiges auf der Agenda. Der Bärlauch begann zu blühen und es war höchste Zeit, ihn zu ernten, denn mit der Blütezeit schwinden die Aromen.

Und so machte ich mich wie all die Jahre zuvor auf den Weg in den Wald, um den Wintervorrat zu pflücken. Anschließend würde meine Küchenmaschine die Blätter fein zerhacken. Dann würde ich noch weitere Zutaten hinzufügen und das Wildgemüse in ein köstliches Pesto verwandeln. Anschließend wird es tiefgekühlt, damit wir auch außerhalb des Frühlings den würzigen Geschmack des Bärlauchs genießen können.

Da ich etwas unter Zeitdruck war, nahm ich den Wagen bis zum Parkplatz am Wald. Kaum aus der Garage krachte es an der linken Vorderachse gewaltig. War ich gegen das Mäuerchen neben der Garageneinfahrt gefahren? Ich stieg aus und prüfte die Lage. Nichts. Ich schaute unter das Auto- nichts. Mhm. Ich stieg wieder ein und legte den Rückwärtsgang ein. Beim Einschlagen des Lenkrades krachte es wieder … Es wird doch nicht die Feder gebrochen sein? Das wäre fatal, denn am Freitag wollte ich mit meinem Tochterherz auf ein Muttertagswochenende nach Opatija. Im Schneckentempo und in weit ausladenden Kurven schlich ich bis zum Wäldchen, denn wie schon erwähnt, die Bärlauchernte war wichtig.

Nach erfolgreicher Ernte rief ich meinen Stammmechaniker an. Die Werkstatt ist im Dorf und so dacht ich: Wie praktisch. Leider war er für drei Wochen im Voraus ausgebucht. Winterreifenwechselzeit. No Chance! Auch er diagnostizierte laut meiner Beschreibung Federbruch. Daraufhin rief ich den Pannendienst an und begab mich auf die Suche nach einer Werkstatt.

Der Pannendienst half netterweise mit und nach unzähligen;
„Keine Zeit. Sie wissen ja, Reifenwechselzeit“,
gelang es uns eine Werkstatt ausfindig zu machen. Der Pannendienst schleppte mein Auto dorthin und ich konnte mich wieder der Pestoproduktion widmen.

Meine Küchenmaschine leistet mir seit 35 Jahren treue Dienste. Sie wirkte bei allen Pestos mit und funktionierte immer. Aber wie eingangs erwähnt muss dies ein verworfener Tag gewesen sein. Denn es drohte neues Ungemach.

Ok, ich war auch ein wenig abgelenkt, denn mein Mann rief an und ich schilderte ihm das Malheur mit dem Auto. Ein wenig zu lange, denn das Maschinchen schuftete derweil auf höchster Stufe, lief heiß und begann zu qualmen. Es roch nach verschmortem Kabel.

Da ich gerade den Techniker an der Strippe hatte, fragte ich gleich nach, was denn am besten zu tun sei. Der antwortete unaufgeregt wie immer; „Warten und abkühlen lassen“. Nun ja, etwas anderes blieb mir ohnehin nicht übrig. Nach 20 Minuten schaltete ich vorsichtig auf Stufe zwei wieder ein und siehe da. Sie lief.
Es roch noch ein bisschen verbrannt, aber wen stört das schon an einem verworfenen Tag.

Wen es interessiert; hier die restlichen Schwendtage 2022:
Aber bitte nicht allzu ernst nehmen. Alles nur Aberglaube 😉🙂🙃

Mai: 03./10./ 22./ 25. Juni: 17./ 30. Juli:  19./ 22./ 28. August:  01./17./21./22./29. September: 21./ 22./ 23./24./ 25./ 26./27./28. Oktober:  03./06./11. November:  12. Dezember:  Keine Schwendtage 

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Am Ende des Tages gab es noch fluffige Bärlauchknödel …

Sonntagsgeschichte

Kürzlich hatte ich einen seltsamen Traum. Er war so intensiv und deutlich, dass ich völlig verstört aufwachte. Vermutlich beschäftigt mich die geopolitische Lage mehr, als mir lieb ist.

Zartbesaitete sollten lieber nicht weiterlesen. Ansonsten wünsche ich einen entspannten Ersten Mai.

ORCA

Ich war an einem Strand. Unzählige Menschen hatten sich dort versammelt. Alle starrten auf einen Punkt am Meer. Etwas Unheilvolles lag in der Luft. Zwar konnte ich noch nichts sehen, aber die negative Energie war spürbar. Auf dem wenig bewegten Wasser schaukelte träge ein Boot. Es wurde von etwas Großem, Dunklen umkreist. Die Crew bewegte sich hektisch und nervös. Wie kleine Marionetten von einem unerfahrenen Spieler geführt. Sie hielten etwas in ihren Händen. Es war eine riesige Blase. Sie pulsierte und veränderte ständig ihre Form, dehnte sich aus und zog sich zusammen. Mir erschloss sich der Sinn nicht, bis plötzlich der dunkle Schatten aus dem Wasser schoss. Es war ein Orca. Einige der Zuschauer stießen spitze Schreie aus, gestikulieren heftig und rempelten einander an. Sie kämpften um die vordersten Plätze der Strand-Arena. „Hast Du das gesehen – Wahnsinn!“ Ihre Stimmen klangen sensationslüstern und ängstlich zugleich. Die Mannschaft am Boot hatte sichtlich Spaß daran, das Tier zu reizen. Eine böse Vorahnung beschlich mich. Etwas Unheilvolles würde passieren.

Unbemerkt von der Masse schickte sich eine Gestalt neben mir an, baden zu gehen. Sie sagte: „Interessiert mich alles nicht, ich gehe schwimmen“. Der Mensch kam mir bekannt vor. Wer war er? Bedeutete er mir etwas? Ich konnte ihn nicht einordnen. Sein Gesicht war verschwommen, das Geschlecht undefinierbar. Wie so oft im Traum.

Ich wandte mich wieder dem Geschehen zu. Die Crew an Bord versuchten dem riesigen Tier die Blase überzustülpen. Gleichzeitig grölten sie „Party“ und die Menge am Strand grölte „Party“ zurück. Ich wollte schreien: „Hört auf damit“, doch es kam kein Laut über meine Lippen. Alle starrten gebannt auf den Orca, der gerade seinen mächtigen Körper aus dem Wasser hob. Die wabbernde Blase flog durch die Luft und traf seinen Kopf. Die Zuschauer jubelten und klatschten. Erst schien das Tier hilflos, dann wehrte es sich heftig. Das Meer schien zu kochen. Das Boot drohte zu kentern. Der Orca tauchte ab. Das Schauspiel war zu Ende. Die Menschen widmeten sich wieder ihren gewohnten Freizeit-Banalitäten. Ich hielt Ausschau nach der schwimmenden Gestalt und entdeckte sie in Ufernähe. Entspannt kraulte sie in langen Zügen auf das offene Meer hinaus. Ein friedliches Bild nach all dem Spektakel.

Dann sah ich ihn. Sein dunkler Schatten schoss wie ein Torpedo auf den Schwimmer zu. Ich schrie und rannte. Mein Schrei blieb stumm, meine Beine versagten. Wie so oft im Traum. Der Orca erfasste die Gestalt an den Beinen, zog sie in die Tiefe und wieder schien das Meer zu kochen. Der Mensch wird sterben, dachte ich nur. Und er starb. Ein paar zerfetzte Gliedmaßen trieben auf der leicht bewegten Oberfläche. Es war, als wäre nichts geschehen. Die Menschen am Strand starrten stumm vor Entsetzen auf die verstümmelten Überreste.

Ich blieb seltsam unberührt und dachte: Es ist ein Orca. Mit Orcas spielt man nicht!

© LoPadi 2022-04-30