Kenterung …

Die riesige Welle bewegt sich unaufhaltsam auf uns zu. Bäumt sich auf- wird zu einem schäumenden Berg. Über den Wassergipfeln fliegende Gischt. Sturmböen heulen in der Takelage. Eine davon trifft uns mit brutaler Energie. Das Schiff neigt sich gefährlich zur Seite. Immer steiler wird der Winkel zur tobenden See. Angst.

Der Techniker steht mit unbewegter Miene, den Blick geradeaus am Steuerstand. Er versucht Kurs zu halten. Sein Schwerwetteranzug ist durchnässt von den überkommenden Seen. Ich kann ihm nicht helfen. Müde und erschlagen von den kräftezehrenden Manövern kaure ich unter der Sprayhood.

Die Welle wird mächtiger – baut sich immer weiter auf. Nähert sich unaufhaltsam dem Schiff. Eine Wasserwand so dunkel wie altes Zinn. Es ist fast schon erlösend, als die Monstersee über das Schiff hereinbricht. Wir versinken im dumpfen Grollen der gewaltigen Wassermassen …

Um mich grau in grau. Wasserwirbel – durchzogen von Milliarden von Luftbläschen tanzen zur Melodie des Grauens. Ich will sie einsaugen, will atmen und öffne den Mund …

Ein trockener, harter Husten holt mich aus dem Schlaf. Meine Lunge schmerzt. Wo bin ich? Langsam aber erleichtert realisiere ich; es war nur ein entsetzlicher Albraum …

Die Realität- Ritt über den Kvarner – Oktober 2021

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Angst

Es läutet. Eine jugendliche Stimme tönt etwas unsicher aus der Gegensprechanlage. „Ich bin wegen des Spirituskochers hier“. „Ah“ antworte ich- „komme gleich“. Ich nehme das bereitgestellte Gerät und eile die Treppen hinunter zum Eingangstor. Kunden soll man nicht warten lassen. Eine junge Frau, eingehüllt in Winterkleidung und keckem Mützchen, blickt mir erwartungsvoll entgegen. Ich schließe auf, um ihr das Objekt der Begierde zu überreichen. Die Gebrauchsanleitung liegt obenauf. Ein Fehlkauf. Wir hatten ihn nie in Verwendung. „Ist die Bedienung kompliziert?“, fragt sie. Ich weiß es nicht und empfehle ihr die Anleitung zu studieren. „Angst vor dem Blackout?“ Sie nickt, bezahlt und geht.

Schon vor eineinhalb Monaten habe ich zwei mobile Kocher auf einer Handelsplattform im Internet inseriert. Erst passierte gar nichts. Keinerlei Nachfrage. Wir verreisten und ich verfolgte die Sache nicht weiter. Doch plötzlich kam eine Anfrage nach der anderen. Ungefähr in dem Ausmaß, als in der Presse das Schreckensgespenst ‚Blackout‘ auftauchte. Inzwischen hätte ich einen Handel mit Campingkochern eröffnen können. So stark ist die Nachfrage.

Das Geschäft mit der Angst blüht. Erst das Klima, dann ein Virus, und nun aktuell der drohende Energieengpass. Da ist es doch logisch, dass man gleichzeitig den Elektroantrieb pusht. Ich finde das super. So werde ich unnötigen Krempel los und nebenbei um ein paar Euro reicher. Aber soll ich Euch etwas verraten?

Gerade habe ich den effizientesten Spirituskocher aller Zeiten bestellt. Angst? Ich? Nö, aber man kann ja nie wissen 😉.

Mich hat’s erwischt …

… ich liege danieder mit der guten alten Grippe. Der Zeitpunkt ist denkbar schlecht, denn draußen strahlt die Sonne und das herbstliche Laub strahlt mit ihr um die Wette. Besonders der Ahorn leuchtet tiefrot.

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Mir brummt der Schädel, rinnt die Nase und es kratzt im Hals, während der Techniker munter in den Bergen herumspringt. Er trainiert für den Untersberg, den er demnächst in Angriff nehmen will. Ich hasse es, untätig herumzuliegen und auf die Genesung zu warten. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass ich mich nach einer auskurierten Grippe wie neugeboren fühle und voller Tatendrang bin. Mein Immunsystem ist gestärkt und das ist tatsächlich spürbar.

So hat alles zwei Seiten. Selbst die gute alte Grippe. Auch wenn sie gerade ein bisschen nervt. 🤔

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