In Österreich schon wieder jede Menge neuer sinnbefreiter Maßnahmen vom Buberlkanzler, aber was solls. Ich schreibe und verwöhne meinen Techniker, helfe bei der Schiffsrenovierung, putze, koche und backe. Kulinarisch begebe ich mich auf Entdeckungsreise und probiere Neues aus. Ein bisschen Sally und Jamie Oliver auf You Tube, Taste Life auf Facebook und Gordon Ramsay auf Insta. Ich schmökere in alten Kochbüchern, in Omas abgegriffenem Rezeptheft und probiere raffiniertere Zubereitungsarten aus. Seit ein paar Tagen bin ich stolze Besitzerin eines Pizzasteines, denn die selbst gebackene Pizza war mir bisher immer zu wenig resch. Gestern war es soweit. Ich habe den Stein zum ersten Mal getestet.
Das Rezept für einen Pizzateig ist ohnehin easy cheesy und für den Belag nahm ich, was noch da war. Grana, Rindermilch-Mozarella, Tomatenjus, Schinken, Kapern und Gewürze und nach dem Backen frischen Rucola. Ich kann Euch sagen, es hat vorzüglich geschmeckt und der Pizzaboden war tatsächlich fast schon wie beim Italiener…



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Sie war uns schon in Moorea auf Französisch-Polynesien aufgefallen. Eine wunderschöne Yacht samt ihrem attraktiven Eigner und seiner nicht minder schönen Frau und zwei Kindern. Wenn diese Augenweide von einem Schiff in einer leichten Brise über die türkisfarbene Lagune glitt, war das ein unvergesslicher Anblick. Unter Vollzeug sahen ihre Segel aus wie eine weiße Wolke, die über dem Wasser schwebt. Ich verliebte mich sofort in diese Yacht. In diese ‚Lilie der See‘, wie der Schriftsteller Joseph Conrad die eleganten Linien so treffend beschrieb. Sie war vollständig aus Holz und in den Dreißigerjahren in England gebaut worden.
Frau und Kinder waren nur selten an Bord. Stets waren alle nackt und deshalb ankerten sie in gebührendem Abstand zu den anderen Schiffen. ‚Bella Signora‘ hasste das Segeln von Herzen, denn wie sie mir später verriet, vermisste sie das Kindermädchen, die Köchin und die Reinigungsfrau. Deshalb musste der arme reiche Mann ohne seine Familie über die Ozeane segeln.
Viele Monate später, auf Tonga, durfte ich die Yacht endlich betreten. Der attraktive Eigner persönlich holte mich mit dem Beiboot ab und lud mich ein, das Schiff zu besichtigen. Meinen Mann ließ er einfach links liegen. Bella Signora war ebenfalls an Bord und bat mich unter Deck. Ich bewunderte das wunderschöne Holz-Interieur und die in Leder bezogenen Sitzbänke in ‚British Racing Green‘. Die Fenster des Deckssalons waren aus Panzerglas. Unter Deck stand ein riesiger Tisch aus Teak, den ein echtes Bonsai Bäumchen schmückte. In der hübsch eingerichteten Pantry klagte mir Bella Signora ihr Leid, denn hier müsse sie selbst kochen. Eine Zumutung!
Zwei Tage später hielt mir der Eigner an einer Bar auf Tonga stolz seinen Ringfinger unter die Nase. Er hatte sich ein winziges kreisförmiges Tattoo stechen lassen, welches er unter dem Ehering verbarg, denn er wollte zu Hause in Italien nicht damit auffallen, erzählte er mit ernster Miene.
Dann zeigte er uns das zweite Tattoo. Aber was sollte das sein? Er erklärte es. Uns blieb die Spucke weg. Der Mann hatte sich am Oberarm eine kunstvoll gestaltete Vagina stechen lassen. Dass es eine war, konnten wir erst nach einer ausführlichen Erklärung erkennen und selbst danach mussten wir ganz genau hinsehen. Am nächsten Tag wollte er das Kunstwerk mit einem Penis ergänzen. Ein Glück, dass man polynesische Tätowierungen individuell interpretieren konnte.
Er war offensichtlich in einen Tattoo-Rausch geraten oder er wollte uns nur ein wenig veräppeln. Obwohl mir die polynesischen Natur-Symbolik in den Tattoos sehr gefiel, gehörten sie für mich auf braune, pralle Südseehaut. Wunderschön bei den Polynesiern mit ihren geschmeidigen Bewegungen anzusehen. Fraglich, ob eine angebliche Vagina auf blasser italienischer Haut, irgendwann alt und schrumpelig, nicht das Gegenteil von anziehend werden könnte.
Für uns war diese italienische Variante von ‚Reich und schön‘ ein amüsantes Erlebnis, das unvergessen bleibt.
Auszug aus dem Buch über meine Weltumsegelung.
Hier gehts zum Download: ‚Wenn Fische fliegen lernen‘
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