
Abendglühen und Winterkälte …
Muammar Gaddafi regierte das Land von 1969 bis zu seiner Ermordung 2011. Der Mord wurde von NATO unterstützte Rebellen ausgeführt. Gaddafi war der Sohn einer arabischen Beduinenfamilie. Seine Schulzeit absolvierte er in Sabha. Im Anschluss besuchte er die Militärakademie in Bengasi. Von dort aus organisierte er eine revolutionäre Gruppe, mit deren Hilfe er 1969 die vom Westen unterstützte Senussi Monarchie stürzte. Der Senussi-Orden spielte eine komplexe Rolle in der libyschen Geschichte. Er trug zur nationalen Identität und dem Widerstand gegen die Kolonialherrschaft bei, hatte aber auch seine Einschränkungen und Kritikpunkte. Ob der Orden besser für Libyen war, hängt von verschiedenen Perspektiven und historischen Zusammenhängen ab.
Nach seiner Machtübernahme wurde Libyen eine Republik. Er ließ per Dekret die italienische Bevölkerung (angesiedelt in der Kolonialzeit) deportieren und löste ausländische Militärstützpunkte auf. Er galt als islamischer Modernist. Die Scharia wurde Grundlage des Rechtssystems und er war Förderer des islamischen Sozialismus. Ölquellen ließ er verstaatlichen. Er gründete Sozialprogramme mit Schwerpunkt Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnbau. Nach dem Vorbild einer direkten Demokratie hielt er Basis-Volkskongresse ab. Es ist wichtig anzumerken, dass die Basis Volkskongresse unter Gaddafi auch Kritik ausgesetzt waren. Einige argumentierten, dass sie nicht wirklich demokratisch waren und dass die Entscheidungen oft von Gaddafi und seinen Anhängern beeinflusst wurden. Andere behaupteten, dass die Kongresse nur eine Fassade waren, um die autoritäre Herrschaft von Gaddafi zu legitimieren.
Er hatte eine feindselige Haltung gegenüber Israel. Er betrachtete Israel als einen Feind und unterstützte aktiv palästinensische Widerstandsbewegungen wie die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation). Gaddafi war ein prominenter Befürworter des Panarabismus und des Antiimperialismus und sah Israel als Symbol des westlichen Imperialismus in der Region.
Wie immer, ist nichts nur schwarz oder weiß. Es ist schwierig, eine eindeutige Antwort auf die Frage zu geben, ob Gaddafi gut oder schlecht für sein Land war. Es hängt von den Prioritäten und Perspektiven ab, aus denen man die Situation betrachtet. Einige mögen seine wirtschaftlichen Errungenschaften und sozialen Reformen schätzen, während andere die Menschenrechtsverletzungen und die Unterdrückung der Opposition verurteilen.
Nach dem Tod von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 befand sich Libyen in einem Zustand des politischen und sozialen Umbruchs. Das Land wurde von verschiedenen bewaffneten Gruppen und rivalisierenden politischen Fraktionen kontrolliert, was zu anhaltender Gewalt und Instabilität führte. In den Jahren nach Gaddafis Tod bildeten sich verschiedene Regierungen und Institutionen, aber keine von ihnen konnte effektiv Autorität über das gesamte Land ausüben. Die politische Landschaft war stark fragmentiert, und rivalisierende Milizen kämpften um die Kontrolle über Territorien, Ressourcen und politische Macht. Im Jahr 2014 spitzte sich die Situation weiter zu, als zwei rivalisierende Regierungen entstanden – eine in Tripolis und eine in Tobruk. Diese Spaltung führte zu einem langwierigen Bürgerkrieg, der bis heute andauert.
Andere Länder, andere Kulturen. Die Einmischung des Westens ist selten gut für ein Land. Gerade für afrikanische Staaten nicht. Aber wie so oft geht es nie um die Menschen, sondern um wirtschaftliche Interessen.
Einen schönen Sonntag wünsche ich.
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*Wie ihr gerade lest, führe ich die Rubrik auch 2024 weiter. Sie wird jeweils an Sonntagen in unregelmäßigen Abständen erscheinen. Es behandelt drei Themenschwerpunkte: Mensch, Länder, Natur und Technik. Die Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Unterschiedliche Sichtweisen habe ich berücksichtigt. Die Conclusio abseits der Meinigen überlasse ich jedem Leser selbst.