Ausgebüxt

Nach einer weiteren Betreuungsphase meines verunfallten Technikers bin ich wieder am See. Eine Woche mit über 30 Grad steht bevor. Da mein Mann mit den Nähten am Bein nicht ins Wasser darf, büxe ich aus und plansche alleine. Allerdings nur mit Badeschuhen: Ich hatte bereits eine unangenehme Begegnung mit den eingeschleppten Muschelschalen, die messerscharf sind. Zudem schaden sie dem Ökosystem des Sees, weil sie beim Filtern dem Wasser das Plankton entziehen.“

Hier lassen sich heiße Sommertage aushalten. Der Wasserstand des Sees ist zwar niedrig und es bedarf einer kleinen Wanderung durch das wadenhohe Wasser, um ins Schwimmen zu kommen, aber das tut dem Genuss keinen Abbruch. Die kommenden Niederschläge werden den See wieder füllen.
An Land spendet alter Baumbestand Schatten. Die meisten Badegäste suchen darunter Schutz. Als ich jünger war, ließ ich mich von der Sonne braten. Heute nicht mehr. Deshalb habe ich meinen Sonnenschirm immer dabei. Ich beobachte die Kinder, wie sie schwimmen, lachen und tollen. Ihnen macht die Hitze nichts aus. Sie haben ihren Spaß. Das Seegrundstück ist privat und gehört einem Bauern. Ein Paradies.

Die Apfelbäume auf den Obstwiesen tragen schwer an ihrer Last. So viele Äpfel wie dieses Jahr gab es selten. Neben uns am Stellplatz steht ein alter Boskoop-Baum. Mein Techniker liebt diese Sorte sehr, und jedes Jahr darf er welche pflücken. Aber noch sind sie nicht reif.

Spätabends genieße ich einen kühlen Drink bei angenehmen 19 Grad und Vollmond, der mich diesmal ein wenig an ein Werk von René Magritte erinnert.

Wenn die Boskoops im Spätsommer reif sind, ist vermutlich auch mein Mann wieder reif für neue Abenteuer und hat sich von seinen Stürzen erholt. (Daumen gedrückt!)

SCHÖNEN SONNTAG ☀️

Der James-Bond-Komplex: Warum Männer nicht einfach schieben können

Mitten in meiner Auszeit am See, eines Abends gegen Mitternacht, klingelt das Telefon. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – wenn wir getrennt sind, telefonieren wir fast immer vor dem Schlafengehen. Ahnungslos nehme ich ab.
Was dann kommt, ist ein seltsames Gemisch aus Abwiegeln und auffällig leisem Sprechen. Schließlich sickert die eigentliche Nachricht durch: »Bin im Unfallkrankenhaus.«
Mir bleibt die Luft weg. Ich dachte, das Schlimmste hätten wir hinter uns. Der Techniker war doch auf einem (beinahe schon zu guten) Weg der Besserung – Krücken längst weg, mit Wanderstöcken lief es schon richtig gut. Warum zum Teufel ruft er jetzt aus dem Krankenhaus an?
Er ist gestürzt. Mit dem Rad. Vor der Garage. Statt wie sonst abzusteigen und zu schieben, wollte er à la James Bond in einem Schwung hineinbrausen. Prompt bekomme ich ein schlechtes Gewissen. (Typisch Frau.) Müsste ich nicht eigentlich bei ihm sein? Ist überhaupt jemand bei ihm?
Stattdessen höre ich mich sagen: »Warum fährst du schon wieder Rad? Habe ich dir nicht gesagt, es ist noch zu früh?«
Es ist passiert. Seine Tochter, die nebenan wohnt, ist bei ihm. Sie wartet mit ihm in der Notaufnahme, während sich ein gewaltiges Hämatom am gesunden Bein ausbreitet. Um zwei Uhr nachts fahren sie ohne Röntgenbild nach Hause.
Am nächsten Tag fahre ich selbst nach Hause. Ich bin sauer. Sauer auf dieses Macho-Gehabe, sauer auf mich, weil jetzt wieder alles von vorne losgeht.
Was ist bloß los mit diesem Mann? Warum bringt er nicht die Geduld auf, seiner Genesung einfach Zeit zu lassen?
Ist das ein generelles Männer-Ding?

SCHÖNEN SONNTAG

😑🦵😐

Übrigens; das Taping hat sich inzwischen wie die Massagen als kontraproduktiv erwiesen.