Aus alt mach (fast) neu

Upcycling, neudeutsch renovieren, lockt manchmal auch mich. Meine erste Erfahrung waren zwei antike Safari-Campingstühle aus den Zwanzigern. Siehe Blogbeitrag: https://lopadistory.com/2023/12/17/objekt-der-begierde/
Dieses Mal fiel meine Wahl auf einen alten Bürostuhl, von dem ich mich aufgrund seiner guten Ergonomie nicht trennen mag. Gedacht, getan. Ich suchte im Internet nach einem passenden Möbelstoff und wurde fündig. Bestellt und geliefert. Ich machte ich mich ans Werk.

Vorher

Zunächst musste das Teil zerlegt werden. Mit der Rückenlehne fing ich an. Die Demontage war relativ einfach, und ich war gespannt, wie das Innenleben des Stuhls wohl aussehen würde. Wenig überraschend, handelte es sich um Sperrholz und Schaumstoff.  Der mühseligste Teil der Arbeit war, den alten Stoff zu entfernen. Der war mit exakt 100 Klammern angetackert und diese ließen sich nur schwer vom Sperrholz lösen. Ein kleines Käsemesser war schließlich die Lösung.

Danach schnitt ich den neuen Stoff nach den Maßen des alten zu und schon gings ans Beziehen. Weil die Rückenlehne gebogen ist, fixierte ich den Mittelteil mit einem Sprühkleber. Nicht weil ich so schlau bin, sondern weil der alte Stoff vorher schon verklebt war. Dann tackerte ich, was die Maschine hielt, zerrte und zog, um das Ganze so straff wie möglich hinzubekommen.

Und, was soll ich sagen, ist doch relativ gut geworden … Mein Techniker findet den Stoff zwar ein wenig chi-chi, aber ich finde, er passt gut zum Boho-Stil meines Damenzimmers. Allerdings werde ich die Sitzfläche mit einem schwarzen Lederimitat beziehen, denn alles gemustert wird selbst mit zu viel. Oder was meint ihr?

Nachher

SCHÖNEN SONNTAG ☀️

Was wurde aus Michèle Mouton ⏱️🏁

Am Weltfrauentag stolperte ich zufällig über eine Dokumentation der Rennfahrerinnen-Legende Michèle Mouton. Erinnerungen wurden wach, denn dieser Frau gilt meine große Bewunderung. Ich bin eine „Benzinschwester“ mit einer Leidenschaft für schnelle Autos.

Queen of Speed, 1974–1986

Michèle Mouton kam 1951 in Grasse Frankreich zur Welt.
1982 war sie Vizeweltmeisterin hinter Walter Röhrl, ihr größter Konkurrent und Widersacher. In Zeiten, in denen eine Frau in der Rennfahrerbranche weitestgehend nichts zu suchen hatte, sagte in seiner typisch direkten Art Röhrl: „Ein dressierter Affe könnte im Quattro gewinnen.“ Tatsächlich war der Audi Quattro damals der einzige allradgetriebene Wagen und damit allen anderen Teams haushoch überlegen. Er vergaß dabei zu erwähnen, dass sie den Quattro mit dem linken Fuß bremsen musste, während der rechte auf dem Gas blieb, um den Ladedruck hochzuhalten.
Mouton reagierte darauf gelassen mit Siegen in Portugal, Griechenland und Brasilien. Sie fuhr den Audi Quattro S1, ein Flügelmonster aus Kevlar und Carbon. Er war so schnell, dass die menschliche Reaktion kaum ausreichte. Mouton war eine der wenigen, die diese „Bestie“ bändigte, ohne in die Zuschauer zu rasen. Für alle Interessierten, hier der Link zum Film auf YouTube: https://youtu.be/Jf3YMaf0ATc?si=F3XsPjljQmiOMd1

Ein tragischer Vorfall …

… ereignete sich vor der Rallye Elfenbeinküste. Kurz vor dem Start erfuhr sie vom Tod ihres geliebten Vaters. Er hatte seine Tochter ein Leben lang in ihren Rennfahrambitionen unterstützt. Nach einem Telefonat mit ihrer Mutter, die ihr versicherte, dass ihr Vater gewollt hätte, dass sie am Rennen teilnimmt, startete sie. In Führung liegend, baute sie einen schweren Unfall. Damit sicherte sich Walter Röhrl den Weltmeistertitel. Röhrl gab später zu, dass Mouton rein fahrerisch den Titel verdient hätte.

Ihr größter Sieg

1985 in den USA am Pikes Peak. Der größte Ego-Check für die männliche Konkurrenz. Sie gewann trotz technischer Probleme und angeblicher Regelverstöße (zu schnell in der Boxengasse). Sie wurde massiv schikaniert. Mouton meinte nur: „Sie können alles versuchen, mich aufzuhalten, aber sie können mich nicht langsamer machen.“ Danach beendete sie ihre Rennfahrerinnen-Karriere. Die heute 75-Jährige war im Anschluss an ihre Ralley-Ära FIA-Präsidentin und WRC-Managerin.

Privates

Michèle Mouton war nach ihrer Karriere mit zwei Männern liiert/verheiratet und hat eine Tochter. Mehr ist nicht bekannt, denn sie schützt ihre Privatsphäre. Sie betont, dass die Geburt ihrer Tochter ausschlaggebend für das Ende ihrer Rallyekarriere war. „Ich will keine Mutter sein, die am Wochenende ihr Leben in Gruppe-B-Autos riskiert.“

Fazit

Bis heute ist sie die EINZIGE FRAU, die Gesamtsiege in der WRC-Rallye-Weltmeisterschaft erringen konnte. Großen Anteil daran hatte auch ihre Beifahrerin Patrizia Pons. Für mich ist Michèle Mouton der beste Beweis dafür, dass man mit Können und eisernem Willen auch als Frau alles erreichen kann.

SCHÖNEN SONNTAG
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