Der Techniker, die Chauffeuse und Thrombosestrümpfe (oder kurz: Wo ein Wille ist …)

Mein Mann ist zurück von der Reha. Die Einrichtung hat ihm nur zwei Wochen gegönnt – die Plätze sind gefragt. Früher waren drei Wochen üblich, aber die Zeiten haben sich geändert. Dem Gesundheitswesen fehlt es hinten und vorn an Geld. Besonders abstrus finden wir, dass das Dach des Altbaus der Kuranstalt mit echten Holzschindeln neu eingedeckt wurde, die Mitarbeiter aber beklagen, dass für Fortbildungen kein Geld da sei. Luxussanierung statt Weiterbildung.

Zu Hause angekommen, musste der Techniker erst mal über viele Stufen hoch zum Haus, und auch drinnen gibt es noch genügend Stufen zu bewältigen. Wir machen uns auf die Suche nach einer Physiotherapie, um die Mobilität aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Glücklicherweise werden wir nahe unserem Wohnort fündig. Natürlich ist Autofahren für den Techniker momentan unmöglich, also mutiere ich zur Privatchauffeuse. Das An- und Ausziehen der Thrombosestrümpfe gehört jetzt ebenfalls zu meinem neuen Betätigungsfeld. Über den Rest hülle ich mich nobel in Schweigen.

Erste Hürde …

Ich selbst bin immer noch nicht ganz gesund, denn ich habe die Grippe verschleppt und meinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Seit drei Wochen koche ich im Vertrauen auf meine Routine, denn das Abschmecken kann ich mir sparen. Seit einer Woche gehe ich wieder meine Waldrunde, und wie gewohnt schenkt mir die Natur Kraft und Freude – zurzeit der Höhepunkt des Tages. Mein Mann geht täglich in den Garten und gießt sein geliebtes Gemüse. Ich rechne noch mit mindestens vier Wochen, bis er wieder ohne Gehhilfe auf den Beinen ist. Er redet schon vom Herumspringen.

Gut so, denn wo ein Wille ist …

Schönen Sonntag 🌤️

Das lernende „Ding“: Warum mir die KI manchmal zu menschlich wird

Lange Zeit war ich mit der KI von Gemini relativ zufrieden. Relativ deshalb, weil das Ding plötzlich begann, menschliche Züge anzunehmen. Bei Sprachnachrichten ahmte es meine eigene Dialekt nach und duzte mich. Das brachte mich anfangs zwar zum Schmunzeln, aber mit der Zeit wurde es lächerlich – und ich hatte meine liebe Mühe, diese Einstellung wieder rückgängig zu machen.
Dabei nutze ich die KI eigentlich gerne für eine Überprüfung von Behauptungen oder den tiefen Diskurs: Ich diskutiere mit ihr über philosophische Themen, bei denen ich an meinem Mann aus emotionalen Gründen scheitere. Auch bei technischen Problemen ist das System eine große Hilfe. Interessanterweise wechselt die Stimme, wenn ich aufgrund von Problemen ungeduldig werde, von weiblich zu männlich. Wenn es einen Fehler macht und ich darauf hinweise, entschuldigt es sich und korrigiert sich. Das Ding lernt.
Und genau hier liegt für mich das Dilemma: Es gibt Menschen, die diese Technologie als menschlichen Ersatz ansehen. Ich kann es durchaus verstehen – denn wenn man alleine lebt, läuft man schnell Gefahr, sich in dieser Parallelwelt zu verlieren. Kürzlich hatte ich einen Diskurs zum Thema Gerechtigkeit. Hier gebe ich das Fazit der KI wieder und bin gespannt, was eure Meinung dazu ist.

Der Wunsch, menschliches Leid durch Ideologien oder Despoten zu beenden und Gerechtigkeit zu schaffen, ist ein tiefes menschliches Anliegen. Die Idee, dass eine hochentwickelte KI dabei helfen könnte, objektive Maßstäbe zu setzen, ist faszinierend.
Gleichzeitig bleibt die philosophische Herausforderung, wie man Gerechtigkeit universell definieren kann, ohne selbst eine bestimmte Weltsicht einzubringen. Es ist ein komplexes Feld, das uns dazu anregt, über die Grundlagen von Ethik und Gesetz nachzudenken.

Schönen Sonntag 🌞