Schreiben-Reisen-Lebensbilder
„Ach, wie aufregend! Jetzt habe ich schon so viele Kilometer mit dem Techniker und seinem Frauchen zurĂŒckgelegt, aber jetzt werde ich gefahren! Die ganze Strecke von Igoumenitsa nach Bari. Ăber das Meer. Mit einer FĂ€hre. Man nennt das segeln. Schon heute FrĂŒh habe ich gespĂŒrt, dass es ein besonderer Tag wird. Meine Besitzer haben die Markise eingerollt, die Bodenmatte entfernt und gereinigt, Tisch und StĂŒhle abgebaut und alles verstaut. Meine Fenster wurden geputzt. Der Motor, also quasi mein Herz, wurde ebenfalls ĂŒberprĂŒft. GrundsĂ€tzlich war alles in Ordnung. Ein bisschen Ăl hier ein bisschen KĂŒhlwasser dort und schon lĂ€uft alles wieder rund. Hab ich euch schon erzĂ€hlt, dass ein Marder eine meiner Lebensadern, nĂ€mlich die Hydraulikleitung, angeknabbert hat? Wahnsinn, oder? Aber Herrchen und Frauchen haben die Leitung mit selbstverschweiĂenden Material abgedichtet und alles ist wieder picobello. Toll, was heutzutage automedizinisch alles möglich ist, oder?

Danach sind wir zum FÀhrhafen gefahren und sie haben mich dort vorerst abgestellt. Nachdem sie eingecheckt haben, sind sie essen gegangen. Na ja, bis Mitternacht war es ja noch lange hin und was soll ein Mensch sonst mit seiner Zeit anfangen? Ein paar Stunden spÀter ging es endlich los.
Ich wurde auf die FĂ€hre gefahren und zwischen gröĂeren und kleineren Fahrzeugen geparkt. Es war etwas eng, aber nachts wurde es kĂŒhl und wer kuschelt da nicht gern?

Nach 11 Stunden waren meine Besitzer wieder da und haben mich von der FĂ€hre gefahren. Sie waren ziemlich gut gelaunt, denn das Schlafen in den AuĂenkabinen schien ihnen gefallen zu haben. Allerdings gab es eine VerspĂ€tung und einen riesigen Stau im HafengelĂ€nde, was speziell den Techniker nervte. Frauchen war noch im Griechenland-Modus und dementsprechend entspannter.

Wir haben uns durch Bari gekĂ€mpft und sind weitere 600 Kilometer zum Campingplatz in Ravenna gefahren. Der Verkehr auf der italienischen Autobahn war enorm. Ich habe mich tapfer geschlagen, auch wenn ich bergauf einige Lkw-Matches verloren habe. Um 21 Uhr kamen wir an. AuĂer dem milchigen Schein des Mondes war es stockdunkel und kalt. Wir sind fix und foxi. Aber es hilft nichts, morgen geht es weiter, denn auch dieser Campingplatz schlieĂt seine Tore ⊠Es gĂ€be da zwar noch einen geöffneten Campingplatz am Meer …
… aber Frauchen will nach Hause.“

Rolling Home
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