… während wir kurz entschlossen mit der Fähre nach Korfu düsen. Na ja, „düsen“ ist übertrieben, denn bei 20 Knoten Fahrt einer Fähre fühlt sich die Geschwindigkeit eher träg an. Von Igoumenitsa aus sind wir für 10 Euro pro Person in eineinhalb Stunden dort. Ein strammer Südwind begleitet uns. Korfu zu sehen war von Anfang an der Wunsch meines Technikers. Touristische Spots sind nicht so mein Ding, und mein minimales Interesse an alten Ruinen habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag erwähnt. Aber am Ende siegt die Neugier.


Schon die Ansteuerung der Insel entsprach voll und ganz den Vorstellungen meines Mannes. In Gedanken lustwandelte er durch romantische Gässchen und Gärten inmitten vornehmer monarchistischer Architektur. Ganz wie zu Kaiserin Elisabeths Zeiten. Nun denn, es sollte anders kommen. Außer dem prunkvollen Achilleion Palast welchen Sisi errichten ließ, erinnert nicht mehr viel an die Zeiten des österreichischen Kaiserreichs. Mein erster Gedanke nach dem Verlassen der Fähre ist: Sind wir versehentlich in Neapel gelandet? Die heruntergekommenen Häuser und Gassen sehen ganz danach aus.



Aber es gibt auch Interessantes zu sehen, wie zum Beispiel das Kloster Vlacherna, mit der byzantinischen Kapelle auf der Insel Pondikonisi (Mäuseinsel). Den bunten Markt, das jüdische Kaufmannsviertel und einige touristische Hotspots mehr. Am imposantesten fand ich das martialische Gemäuer der venezianischen Festung.









Wir buchen ein „Hop-on, Hop-off“-Busticket, um möglichst viel von der Insel mitzubekommen. Das macht Sinn, denn die Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß allein nicht zu schaffen. Die letzte halbe Stunde verbringen wir in einer, sagen wir mal, sehr einfach gehaltenen Taverne und bestellen zwei Biere. Hier sitzen ausschließlich Griechen und feiern das Wochenende mit Snacks und Wein. Es wird neben Weißbrot hauptsächlich roter Rübensalat serviert. Das scheint hier ein beliebter Imbiss zu sein. Beim Bezahlen staunen wir nicht schlecht, als uns die Wirtin acht Euro für zwei kleine Biere in Rechnung stellt. Als ich frage, warum das Bier so teuer sei, fragt sie: „Woher kommt ihr?“ „Salzburg, Österreich“, antworte ich. Daraufhin sagt sie: „Aber das hier ist Korfu!“ Auch ein Argument.
Schon den ganzen Tag weht stürmischer Wind.
Die Rückfahrt mit der Fähre verspricht „bewegt“ zu werden. Und tatsächlich- immer mehr schaumgekrönte Wellen. Aber das ist für uns alte Seebären kein Problem und für die Fähre ebenso. Nach der Ankunft essen wir in Igoumenitsa zu Abend und fahren mit dem Taxi zurück zum Campingplatz.
Mein Techniker hatte sein Korfu und mir hat’s auch gefallen.
Auf jeden Fall muss Mucki nicht die ganze Strecke zurück. Wir haben uns für die Variante des Vorjahres entschieden und checken am 30.10. auf der Fähre nach Bari ein. Diesmal übrnachten wir in einer Kabine auf dem Schiff, den »Camping an Bord« ist ausgebucht.
Bis dahin gönnen wir uns noch acht schöne Tage auf unserem Lieblingsplatz in Griechenland, denn Urlaub vom Reisen muss auch einmal sein.😉

Beitragsbild: Bäckerei auf Kreta. Die Figur ist aus Pappe, aber das Brot ist echt.
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»Alltag«, werden jetzt einige denken. »Ist doch Urlaub!«. Na ja, nicht ganz. Mucki muss gefahren und gewartet werden und das ist in unserem Fall relativ oft. Wir bleiben maximal vier Tage an einem Platz. Das heißt Möbel, Bodenmatte, Stabilisatoren, Keile, rein und raus. Fäkalienbox leeren und reinigen (Das ist üblicherweise Männersch…) im wahrsten Sinne des Wortes), Grauwassertank leeren. Selten ist der Stellplatz eben. Dann muss ausgeglichen werden. Ist der Boden sandig, ist es auch der Lebensraum. Da heißt es dahinter sein, damit wir nicht VERsanden. Gibt es am Platz eine Waschmaschine, wird Wäsche gewaschen.

In der Regel bleiben wir zwei Tage an einem Standort. Wir sind Reisende und keine tagtäglich vor dem Womo sitzenden. Das heißt, Routen und Stellplätze organisieren, Ausflüge planen. Wir machen das meistens über Google. Durch den heurigen Reinfall mit dem Navi wissen wir diese Methode wieder zu schätzen. Viele Zeit-Ungebundene wie wir sind auf den Nachsaison-Geschmack gekommen und es wird immer mehr. So mancher Platz war heuer ausgebucht.

Das hat seinen Grund. An vielen Stränden Griechenlands kann man selbst im November noch baden. Von Wanderungen und Radtouren ganz zu schweigen. Das belebt die ehemals ruhige Nachsaison immer mehr.
Will man heutzutage allein sein, muss man frei stehen. In Griechenland und auch andernorts kein Problem. Es wird meistens toleriert. Ich mag es halt nicht, weil ich am Ende des Tages gerne mit Süßwasser dusche. Salz auf der Haut mag wie im gleichnamigen Film zwar romantisch sein, ist aber nichts für mich. Verschwitzt und klebrig in der klammen Bettwäsche – nein danke. Mein Techniker ist, was das anbelangt, eher entspannt. Ich nicht. Bin ich halt mal Zicke. Was soll’s.
Aber Komfort kostet. Für eine Nacht am Campingplatz inklusive Stromanschluss und Wasser haben wir bisher zwischen 17 und 35 Euro bezahlt. Wer in der Nachsaison unterwegs ist, tut gut daran, sich Camping-Rabattkarten zuzulegen. Das reduziert die Stellplatzkosten um bis zu 50%! Das mag auch mit ein Grund sein, warum immer mehr Camper die Nachsaison nutzen.
Der Tag beginnt bei uns beiden mit einer Runde Gymnastik und Yoga und dann geht’s ab in die mehr oder weniger saubere Dusche.
Was das anbelangt, haben wir schon einiges erlebt. Von: Um Himmels willen, nur nicht die vor Dreck starrenden Fliesen berühren, bis hin zu blitzsauberen Waschhäusern, war alles dabei. Natürlich könnten wir auch an Bord duschen, aber das ist eng und aufwendig, denn Mucki hat keine separate Duschkabine. Außerdem ist der Wasservorrat an Bord begrenzt.

Danach frühstücken wir ausgiebig. Dauerwurst, Konserven und die unabdingbare Spezialmargarine für den Techniker wurden ausreichend gebunkert. Das Ganze ergänzen wir mit frischem Obst und Gemüse aus den Geschäften vor Ort. Am Sonntag gibt’s als Highlight ein gekochtes Ei. Anschließend reinige ich das Geschirr an dem dafür vorgesehenen Ort am Platz.


Nach dem Frühstück genießen wir das kristallklare Meer, liegen faul in der Sonne oder erkunden die Umgebung. Während ich an meinem Blog schreibe, lese oder mit Hausfrauenkram beschäftigt bin, tauscht der Techniker Erfahrungen mit anderen Campern aus oder geht seiner Lieblingsbeschäftigung, allen Unwissenden gute Ratschläge erteilen, nach. Abends gehen wir essen. Im Womo koche ich selten. Außer, mein Mann sehnt sich nach meinen Kochkünsten. Dann gibt es ein einfaches Gericht, wie zum Beispiel Spaghetti.


In den letzten Jahren sind sie auch in der Nachsaison gut belegt bis ausgebucht. Aber es gibt sie noch – die ruhigen Ecken. Meist liegen sie abseits der Metropolen. Aufgrund der erhöhten Reichweiten mittels Elektro- und Motorrädern, die beinahe jeder Camper dabei hat, sind ein paar Kilometer Entfernung zum Ort des Begehrens kein Problem mehr. Campen boomt. Montenegro, Mazedonien und Albanien sind längst keine Geheimtipps mehr. Selbst Nordeuropa ist überlaufen. Autarkes, freies Campen wäre eine Möglichkeit, dem Rummel zu entfliehen. Aber das ist, wie zuvor erwähnt, nicht meins.









Bald müssen wir uns entscheiden; Fähre von Patras oder Igoumenitsa nach Bari oder Rückweg über Land. Eine Nacht auf dem Schiff nach Italien und circa 1000 km bis nach Hause oder 1600 km über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Wien nach Salzburg. Gerade sind wir in Igoumenitsa angekommen. Hier ist es wesentlich wärmer als am Peloponnes. Starker Südwind, 30 Grad! Deshalb: nur kein Stress. Schaun wir mal, dann seh’n wir’s schon …
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Wir packen zum ersten Mal unsere (nicht E-) Räder aus und radeln die Küste zwischen Stoúpa und dem etwas südlicher gelegenen malerischen Dörfchen Agios Nikolaos entlang.



Wir radeln weiter an einsamen Buchten vorbei in Richtung Süden. An einem malerischen Minihafen mit ein paar Fischerbötchen halten wir an. Schön ist es hier. Beschaulich und ruhig. Oberhalb des Hafens, vor einem Steinhaus, sitzen Menschen im Schatten eines Maulbeerbaumes an einem reich gedeckten Tisch. Eine Taverne? Neugierig gehen wir nach oben.

Aber dann erkennen wir; keine Taverne, das ist eine Familie vor ihrem Haus! Wir entschuldigen uns für das Eindringen. Als wir gehen wollen, hält uns eine schwarz gekleidete Frau zurück und bittet uns zu bleiben. Ehe wir es uns versehen, holt sie zwei Stühle. Da wir kein Griechisch sprechen, gestikulieren wir, dass wir keineswegs stören wollten und dachten, es handle sich um eine Taverne. Alle lachen und bestehen darauf, dass wir uns setzen. Ein schmaler, ebenfalls schwarz gekleideter Mann, der das Oberhaupt der Familie zu sein scheint, spricht Englisch und übersetzt. So erfahren wir, dass sie gerade vom Begräbnis eines Verwandten kommen. Jetzt ist uns das Ganze noch peinlicher. Doch sie beschwichtigen. Man bedaure zwar den Tod, aber der gehöre nun mal zum Leben. Man schaue nach vorne.
Zögerlich setzen wir uns. Die Frau bringt Rotwein und Teller. Der Hausherr verschwindet kurz und serviert wenig später saure Sardellen und geräucherten Fisch. Alles selbst gemacht, verkündet er stolz. Er ist erst zufrieden, als wir alles probiert haben. Es schmeckt köstlich. Auch der Wein. In dieser Hinsicht haben die Griechen aufgeholt. Ihre Weine werden inzwischen international prämiert.






Je länger wir uns unterhalten, desto mehr entspannen wir uns und umso interessanter wird es. Das Familienoberhaupt ist Ingenieur in Maschinenbau und seine Tochter ebenfalls. Sie sei die Einzige in Griechenland, erzählt der Vater stolz. Sogar mit eigener Firma. Er selbst hat in Stuttgart, Kalifornien und New Orleans gearbeitet und es zu Wohlstand gebracht. Drei Ferienhäuser befinden sich heute in seinem Besitz. Besonders faszinierend fand ich, dass die Ingenieurin auch eine leidenschaftliche Apnoe-Taucherin ist und bis zu drei Minuten unter Wasser bleiben kann. Das zu können, davon träume ich, seit ich Luc Bessons Le Grand Bleu gesehen habe.
Mein Techniker ist auch ganz aus dem Häuschen. Als dann noch der Name Bosch fällt und mein Mann erwähnt, dass er maßgeblich an der Entwicklung von AdBlue beteiligt war, geht der Diskurs erst richtig los. Es werden Erfahrungen, Mailadressen und Telefonnummern ausgetauscht und die Zeit vergeht wie im Flug.
Und dann war da noch diese Malerei von Giorgos Koftis auf der Hafenmauer unterhalb des Hauses.

Was für ein Tag! Voller Eindrücke radeln wir zurück. Genau diese Momente sind es, die diese Art des Reisens so besonders machen. Wir sind gespannt, was uns noch erwartet. Es geht nun auf die andere Seite, nach Pylos und dann Richtung Norden. Bisher war das Wetter uns hold und die liebe Gerda hat uns schon wieder mit Tipps versorgt. Von Zuhause hören wir vom ersten Frost. Ich glaube, wir lassen uns noch ein bisschen Zeit …
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