Muckis Reisen 1 🚌

Bled, Ljubljana

Bled, Slowenien, 5 Uhr früh.

Ich kann nicht schlafen, also schreibe ich. Das Wohnmobilleben verändert den Schlafrhythmus. Da wir viel zu Fuß unternehmen, um neue Eindrücke zu sammeln, sind wir früher reif für’s Bett. So werden aus zwei schwer einschlafenden „Nachteulen“ eventuell doch noch früh zwitschernde Lerchen😉. 

On the Road again

Wir sind wieder unterwegs. Sechs Wochen sollen es diesmal werden. Im neuen Wohnmobil, das wir MUCKI getauft haben. Unseren Würstelstand, (Hobby- Baujahr 90) haben wir verkauft und ein fünf Jahre jüngeres Modell erworben. Es hat um 20 PS mehr und sogar eine Servolenkung. Das Teil ist gut in Schuss und sein Innenleben ist dank des Holzausbaus heimelig und gemütlich. 

Gemütliches mobiles Heim

Route

Wie schon im vergangenen Jahr bereisen wir die Balkanroute. Über Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Endziel Griechenland und wieder retour. Diesmal haben wir uns kürzere Etappen und längere Aufenthalte vorgenommen. Bin gespannt, ob das bei uns unruhigen Geistern klappt.

17-20.09: Bled

Bled ist eine touristisch überlaufene Gemeinde ohne Kern, was mich angesichts des historischen Hintergrundes wundert. Das schönste daran, ist der romantische See. Es fällt uns auch sofort die Burg ins Auge, die wir über einen gut ausgebauten Wandersteig erklimmen. Die Aussicht ist atemberaubend schön, die Gastronomie atemberaubend teuer, aber das Eine bedingt ja meistens das Andere. Die Burg ist ein Geschenk König Heinrichs des II an den Bischof von Brixen. (1004). Das waren halt noch Geschenke …

Auf dem Weg zurück kommen wir an einer verfallenen Villa vorbei, die einst dem Schweizer Stofffärber und Naturheiler Arnold RIKLI gehörte. Dieser außergewöhnliche Mann ist im Ort eine Berühmtheit. Es ist schade, dass der aktuelle Eigentümer dieses hübsche Anwesen am See verkommen lässt und ihm den gebührenden Respekt versagt. Vermutlich ist es für den Investor lediglich ein Spekulationsobjekt.

Morgen werden wir nach Ljubljana reisen. Wie immer suchen und finden wir die Stellplätze auf Google. Unweit der Stadt entdecken wir einen um 26 Euro pro Tag.

20.09.-21.09

Entspanntes Ljubljana und bitte nicht um die Burg!

Die 56 km nach Ljubljana bringen wir flott hinter uns. Der Stellplatz ist von sagen wir ‚einfacher Ausstattung‘ und ein Taxi bringt uns für wohlfeile sechsfünfzig in das fünf Kilometer entfernte Stadtzentrum.

Dann passiert mir ein folgenschwerer Fehler. Zu Beginn des Stadtbummels entdecke ich eine Burg und tue das meinem Techniker kund. Der hat anscheinend in Bled einen Castell-Virus eingefangen und will sofort dorthin. Ich aber, habe heute null Bock auf Burg, sondern viel Lust auf Stadt. Leider setzt sich der Techniker durch and I am not amused.😏

Erst am späten Nachmittag tauchen wir in das rege Leben der Altstadt ein. Hier ist das altösterreichischem Flair noch überall zu sehen und zu spüren. Entlang des Flusses Ljubljanica befinden sich unzählige Bistros, Bars und Gastgärten. Alter Baumbestand spendet kühlen Schatten. Die wohltuende Atmosphäre entspannt uns und der Tag ist gerettet.

Wir gönnen uns ein köstliches Eis an der endlos langen Promenade und zum Abschluss zwei Gläser Wein in einer urigen Kneipe. Im Bistro am Campingplatz essen wir zu Abend. Das ist trotz der guten Mahlzeit etwas bedauerlich, denn die Zeit in der Stadt war einfach zu kurz. Doch heute ist nicht alle Tage. Wir kommen wieder, keine Frage🐉

Sonntagsgeschichte

Bevor es mit dem Womo losgeht, noch eine kleine Geschichte;

1989 auf dem Flug nach Mallorca

„Spinnst Du?“, rief meine Freundin empört und schüttelte den Kopf. „Den Bruno überraschen, in seinem Ferienhaus, bist Du verrückt?“ Ich verstand die Aufregung nicht. „Warum?“ „So eine Gelegenheit ergibt sich nie wieder und es ist die letzte Chance, ihn persönlich kennenzulernen“, warf ich ein. „Mach was Du willst.“ „Ich mag den nicht, ohne mich!“ Damit waren Diskussion und Plan beendet.

1983:

Ich war 25. Die Roten unter Bruno Kreisky regierten seit 13 Jahren mit absoluter Mehrheit. Von Kindesbeinen an, hatte mir Großvater eingetrichtert, wer politisch die Guten und wer die Bösen sind. Letzteres waren aus seiner Sicht die Schwarzen. In seinem Fall verständlich, denn „christlich soziale“ Parteischergen knüpften 1934 einen Arbeitskollegen vor seinen Augen auf. Das prägt. Und weil ich Opa liebte, färbte diese Gesinnung auf mich ab. Es ging gar nicht anders.

Ende der Siebziger fing der Erfolg der Partei an zu bröckeln. Affären und Skandale beschädigten den Ruf. Wie so viele Wähler war ich enttäuscht. Die korrupten Seilschaften der Cliquen gefielen mir nicht. Kurz entschlossen schrieb ich dem Kanzler einen sechs Seiten langen Brief. Er begann mit den Helden der Dreißigerjahre und endete mit dem Vorwurf über den Sittenverfall der Partei. Die Gründer der Bewegung würden sich im Grab umdrehen!

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Meine Aufregung und der Respekt waren so groß, dass ich mich erst nicht traute, das Kuvert zu öffnen. Schließlich siegte die Neugier. In der linken Ecke des Briefkopfes stand in schlichten Buchstaben BRUNO KREISKY. Ich konnte es noch immer nicht glauben. Er schrieb, dass er sich über den Brief gefreut habe. Meine negative Sichtweise jedoch mache ihn traurig. Er würde mich gerne kennenlernen und ich sollte nach Wien kommen. Ein Foto mit persönlicher Widmung lag bei.

„Was für eine Ehre“, schwärmte mein Großvater- und ja, das empfand ich auch. Dennoch schob ich die Einladung vier Jahre vor mich her. Großvater wurde 80. Ich bat Kreisky um ein paar persönliche Zeilen für seinen glühendsten Verehrer. Diese trafen prompt ein. Die Zeit verstrich. Es ergab sich ein beruflicher Termin in Wien. Wieder schrieb ich einen Brief. Ob er sich an mich erinnere und ob ein Treffen möglich sei. Er antwortete, dass er leider nach Brüssel verreisen müsse und ein paar Wochen auf den Balearen verbringe.

Wenig später, auf einem Flug nach Mallorca, kam mir die spontane Idee, ihn in seinem dortigen Ferienhäuschen zu besuchen. Meine Freundin fand das verrückt. Vielleicht war es das, aber ich bereue es bis heute, alle Chancen verpasst zu haben.

© LoPadi 2023-09-17