Nach sommerlichen Temperaturen im Inland Kroatiens empfängt uns die Küste vor Zadar mit Schirokko und Regen. Da ich Schussel unsere French Press-Kaffeekanne am Stellplatz in Laibach vergessen habe, muss eine neue her. Wir haben eine Menge gemahlene Bohnen gebunkert und Nescafé geht gar nicht. Deshalb fahren wir in den größten Supermarkt der Stadt. Dort erspähe ich den Drogeriemarkt mit dem M und werde prompt fündig. Zwar ist die Kanne aus Glas und nicht aus isoliertem Niro, wie die Verschusselte, aber ich bin froh, überhaupt eine gefunden zu haben.



Der Campingplatz befindet sich wie die meisten hier, direkt am Meer. Die sanitären Anlagen sind rudimentär. Zwei Toiletten und die einzige Dusche in einem Raum. Als ich mich morgens unter die Brause stelle, geht sehr direkt nebenan eine Frau ihrem „Geschäft“ nach. Sie traut sich nach erfolgter Erleichterung nicht aus dem Kabäuschen. Als ich nach ausgiebigem Duschen den Wasserhahn schließe, nutzt sie den Moment und ergreift die Flucht. Vermutlich wollte sie sich meinen Anblick ersparen …
Die Altstadt von Zadar haben wir schon mehrmals besucht, deshalb fahren wir weiter Richtung Süden. Es regnet und ist merklich kühler geworden. Ideal für das Reisen mit einem Womo ohne Klimaanlage. Auf die Empfehlung meiner Tochter hin wählen wir eine luxuriöse Campinganlage, 20 km von Trogir entfernt. 700 Stellplätze auf mehreren Terrassen. Wir wählen Superior mit Meerblick. Die Anlage ist trotz Nachsaison gut besucht. Campen boomt. Es regnet noch immer. Das Einparken ist tricky und beim langwierigen Ausrichten Muckis (die Keile rutschen ständig) werden wir klitschnass. Ein unfreundlicher Nachbar macht sich Sorgen um sein Auto, obwohl noch gut zwei Meter und ein Strauch zwischen uns liegen. Die folgenden zwei Tage wird er uns ignorieren.
Vor dem Zubettgehen gönnen wir uns im Restaurant der Anlage mittelmäßige, aber dafür überteuerte Nudeln. Die darauffolgende Nacht schüttet es wie aus Kübeln. Kaum bin ich eingeschlafen, weckt mich ein Geräusch. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass unsere Markise aus den Ankern gerissen ist und verdreht am Boden liegt. Ich wecke den Techniker und will die Tür öffnen, aber die Markise blockiert. Als mein Mann endlich bei Sinnen ist, steigen wir über die Fahrertür aus und sehen die Bescherung. Der Regen hat die Plane gefüllt und zu Boden gedrückt. Die Heringe wurden dabei aus dem Boden gerissen. Mühsam entleeren wir das Wasser. Es haben sich gut 50 Liter angesammelt. Glücklicherweise ist alles heil geblieben. Wir rollen die Markise ein und gehen zu Bett.





Nach einer kühlen Nacht folgt ein weiterer trüber Tag. Es hat aufgehört zu regnen. Ein Taxiboot bringt uns nach Trogir. Touristenströme schieben sich durch die Gassen. Alle 15 Minuten landet ein Flugzeug. Wir wollen gar nicht wissen, was hier in der Hochsaison los ist. Nach dem Abendessen mittelmäßiger Qualität zu überteuerten Preisen geht es abends mit dem Taxiboot zurück. Morgen soll die Sonne wieder scheinen. Wir freuen uns auf die angekündigten 28 Grad und beschließen noch einen Tag zu bleiben.






Es war die richtige Entscheidung. Nach ein paar Optimierungsarbeiten an Muckis Markise verbringen wir den restlichen Tag am und im Meer. Das glasklare Wasser hat noch immer geschätzte 23 Grad. Herrlich!
Über Google Maps finden wir eine nette Konoba mit ordentlichem Essen zu vernünftigen Preisen und beenden den Abend mit einem Gläschen Frizzante unter Muckis inzwischen regensicherer Markise. Morgen geht’s in Richtung Split/Makarsaka.
Bis bald …
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Die Reise zum dritten Campingplatz in Kroatien lässt Mucki spüren, was mangelndes Budget im Straßenbau bedeutet. Kanaldeckel und deren Verwandte ragen aus der Straße und der Techniker muss bei Gegenverkehr höllisch aufpassen, nicht darüber zu rumpeln. Die finale Schicht Asphalt wartet vermutlich auf das Okay der EU.


Der hübsche, am romantischen Badefluss Mrežnica gelegene Campingplatz entschädigt uns für die mühsame Anfahrt. Für Mitte September ist noch relativ viel los. Das ist nicht verwunderlich, denn es ist angenehm warm und jeder kann relativ frei stehen, um die unberührte Natur zu genießen. Hier ist es herrlich ruhig und als Highlight werden wir im Campingrestaurant hervorragend bekocht.

Wir erkunden die Umgebung und treffen dabei auf zwei Hunde, die uns nicht mehr von der Seite weichen. Bis der jüngere von beiden von einem kläffenden Mops, der sein Grundstück bewacht, vertrieben wird. Dabei war er kurz zuvor beim Katzen necken noch recht mutig.
Nur die alte Hündin trottet unbeeindruckt vom kleinen Revier Verteidiger hinter uns her. „Die werden wir nicht mehr los“, gibt mein Mann zu bedenken. Das befürchte ich auch, denn das hatten wir schon öfter. Wo auch immer wir sind, folgt uns Hund und Katz.

„Die ist sicher hungrig und will ein Wursti“, meint der Techniker besorgt. „Wir können nicht alle Tiere retten“, antworte ich ungerührt, worauf mir mein Mann Kaltherzigkeit attestiert und uns allein lässt. Da die Hündin kein Deutsch versteht, versuche ich es mit Kroatisch. Zufällig weiß ich, was „geh nach Hause“ in der Muttersprache der Hündin heißt. „Idi kući“, rufe ich mehrmals und ziemlich eindringlich. Daraufhin sieht mich die alte Dame derartig traurig an, dass sogar ich ein schlechtes Gewissen bekomme. Doch schließlich kehrt sie um und sucht anderswo ihr Glück. Oder ein Wursti …
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Bled, Slowenien, 5 Uhr früh.
Ich kann nicht schlafen, also schreibe ich. Das Wohnmobilleben verändert den Schlafrhythmus. Da wir viel zu Fuß unternehmen, um neue Eindrücke zu sammeln, sind wir früher reif für’s Bett. So werden aus zwei schwer einschlafenden „Nachteulen“ eventuell doch noch früh zwitschernde Lerchen😉.
Wir sind wieder unterwegs. Sechs Wochen sollen es diesmal werden. Im neuen Wohnmobil, das wir MUCKI getauft haben. Unseren Würstelstand, (Hobby- Baujahr 90) haben wir verkauft und ein fünf Jahre jüngeres Modell erworben. Es hat um 20 PS mehr und sogar eine Servolenkung. Das Teil ist gut in Schuss und sein Innenleben ist dank des Holzausbaus heimelig und gemütlich.

Wie schon im vergangenen Jahr bereisen wir die Balkanroute. Über Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Endziel Griechenland und wieder retour. Diesmal haben wir uns kürzere Etappen und längere Aufenthalte vorgenommen. Bin gespannt, ob das bei uns unruhigen Geistern klappt.
Bled ist eine touristisch überlaufene Gemeinde ohne Kern, was mich angesichts des historischen Hintergrundes wundert. Das schönste daran, ist der romantische See. Es fällt uns auch sofort die Burg ins Auge, die wir über einen gut ausgebauten Wandersteig erklimmen. Die Aussicht ist atemberaubend schön, die Gastronomie atemberaubend teuer, aber das Eine bedingt ja meistens das Andere. Die Burg ist ein Geschenk König Heinrichs des II an den Bischof von Brixen. (1004). Das waren halt noch Geschenke …





Auf dem Weg zurück kommen wir an einer verfallenen Villa vorbei, die einst dem Schweizer Stofffärber und Naturheiler Arnold RIKLI gehörte. Dieser außergewöhnliche Mann ist im Ort eine Berühmtheit. Es ist schade, dass der aktuelle Eigentümer dieses hübsche Anwesen am See verkommen lässt und ihm den gebührenden Respekt versagt. Vermutlich ist es für den Investor lediglich ein Spekulationsobjekt.




Morgen werden wir nach Ljubljana reisen. Wie immer suchen und finden wir die Stellplätze auf Google. Unweit der Stadt entdecken wir einen um 26 Euro pro Tag.
Die 56 km nach Ljubljana bringen wir flott hinter uns. Der Stellplatz ist von sagen wir ‚einfacher Ausstattung‘ und ein Taxi bringt uns für wohlfeile sechsfünfzig in das fünf Kilometer entfernte Stadtzentrum.
Dann passiert mir ein folgenschwerer Fehler. Zu Beginn des Stadtbummels entdecke ich eine Burg und tue das meinem Techniker kund. Der hat anscheinend in Bled einen Castell-Virus eingefangen und will sofort dorthin. Ich aber, habe heute null Bock auf Burg, sondern viel Lust auf Stadt. Leider setzt sich der Techniker durch and I am not amused.😏




Erst am späten Nachmittag tauchen wir in das rege Leben der Altstadt ein. Hier ist das altösterreichischem Flair noch überall zu sehen und zu spüren. Entlang des Flusses Ljubljanica befinden sich unzählige Bistros, Bars und Gastgärten. Alter Baumbestand spendet kühlen Schatten. Die wohltuende Atmosphäre entspannt uns und der Tag ist gerettet.






Wir gönnen uns ein köstliches Eis an der endlos langen Promenade und zum Abschluss zwei Gläser Wein in einer urigen Kneipe. Im Bistro am Campingplatz essen wir zu Abend. Das ist trotz der guten Mahlzeit etwas bedauerlich, denn die Zeit in der Stadt war einfach zu kurz. Doch heute ist nicht alle Tage. Wir kommen wieder, keine Frage🐉
